Benjamin Lassiwe zur ersten ökumenischen Bischofs-Pilgerfahrt

Gemeinsam auf dem Weg

Pilgern, gemeinsame Gebete, ein Treffen mit Staatspräsident Rivlin - eine Delegation der katholischen und evangelischen Kirche ist gemeinsamen unterwegs im Heiligen Land. Ein Interview mit dem Journalisten Benjamin Lassiwe, der die Reise begleitet.

Reinhard Kardinal Marx und Heinrich-Bedford Strohm beim israelischen Staatspräsidenten Rivlin / © Harald Oppitz (KNA)
Reinhard Kardinal Marx und Heinrich-Bedford Strohm beim israelischen Staatspräsidenten Rivlin / © Harald Oppitz ( KNA )

domradio.de: Wo erreichen wir Sie genau?

Benjamin Lassiwe (Journalist): Ich bin im Innenhof der Geburtskirche von Bethlehem. Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber von der Evangelischen Kirche in Deutschland leitet einen kleine Andacht. Wir haben eines der bekanntesten Weihnachtslieder gesungen: "Zu Bethlehem geboren". Jetzt liest sie die Weihnachtsgeschichte und erinnert an die biblischen Ereignisse, die hier vor über 2000 Jahren stattgefunden haben. Die Gruppe wollte eigentlich in die Geburtsgrotte hinein, aber, wie das so ist und wie es bestimmt auch schon viele Pilger aus Deutschland erlebt haben; die Grotte war voll. Man kam nicht hinein und musste deswegen in den Kreuzgang ausweichen.

domradio.de: Wie ist denn das Miteinander innerhalb der Delegation? 

Lassiwe: Wenn man mit den Teilnehmern der Delegation spricht - mit den evangelischen Bischöfinnen und Bischöfen, mit katholischen Bischöfen - dann merkt man, wie Vertrauen gewachsen ist. Die Leute dutzen sich zwar noch nicht alle, aber sie pilgern miteinander, sie sind gemeinsam auf dem Weg. Sie teilen Lasten und Schmerzen, sie teilen die Anstrengungen einer Wanderung durch die Wüste genauso wie die Freude beim gemeinsamen Abendessen.

domradio.de: Wanderung durch die Wüste ist das richtige Stichwort. Heute Morgen hat der isralische Staatspräsident Reuven Rivlin einige Vertreter der Delegation empfangen - auf katholischer Seite den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, und Ökumene-Bischof Gerhard Feige vertreten und auf evangelischer Seite den Vorsitzenden des EKD-Rates, Heinrich Bedford-Strohm, und seine Stellvertreterin Annette Kurschus. Eine andere Gruppe ist schon früh los, um zu Fuß von Jerusalem nach Bethlehem zu marschieren.

Lassiwe: Ja, die Bischöfe waren über drei Stunden unterwegs. Sie sind auch an den anderen Tagen immer große Strecken zu Fuß gegangen. Und es ist auch schon erstaunlich, wie Leute, wie zum Beispiel der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,k Robert Zollitsch diese Anstrengungen auf sich nehmen.

domradio.de: Das Ganze ist ja keine touristische Reise sondern eine Pilgerfahrt. Gebet, Andachten und auch Gottesdienste spielen eine sehr wichtige Rolle - und das, obwohl die Teilnehmer verschiedenen Konfessionen angehören. Wie funktioniert das denn rein praktisch im Gottesdienst? 

Lassiwe: Es gibt Gottesdienste aus den jeweiligen Konfessionen. Es gibt eine katholische Messe oder einen evangelischen Abendmahlsgottesdienst. Und der jeweils andere Teil bleibt dann sitzen. Und wenn man hier mit Menschen spricht - etwa mit der Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs - dann hört man auch, dass die Teilnehmer alle sehr bewegt davon sind, dass immer nur ein Teil zum Abendmahl oder zur Eucharistie gehen kann. Als Amtsträger sind die Bischöfe das natürlich gewohnt, aber selten haben sie es nach eigener Aussage so persönlich erlebt, wie hier auf dieser Reise. Und selten nur hatten sie die Gelegenheit, mit ihren Amtsbrüdern aus der anderen Konfession direkt danach über das Erlebte zu sprechen. 

domradio.de: Die Reise ist der erste offizielle Programmpunkt des Lutherjahres 2017. Es ist ja schon erstaunlich, dass sich die beiden Konfessionen gemeinsam auf diese Reise begeben. Welchen Stellenwert nimmt das ein? 

Lassiwe: Die Reise dient dazu, dass man kurz vor Beginn des Reformationsjubiläums 2017 einander näher kommt, dass man miteinander ins Gespräch kommt und dass ökumenische Vorteile abgebaut werden. Dass man einfach gemeinsam unterwegs ist und sich der Ursprünge des gemeinsamen Glaubens vergewissert.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch. 

Quelle:
DR