Bayerns Katholiken fordern Reform des Gesundheitswesens 

Für mehr Gesundheit

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern dringt auf grundlegende Reformen im Gesundheitswesen und verabschiedete am Samstag einstimmig eine Stellungnahme unter dem Titel "Gesundheit braucht mehr Mensch und weniger Markt".

Hände halten eine Herz-Figur / © SewCream (shutterstock)
Hände halten eine Herz-Figur / © SewCream ( shutterstock )

Politik, Medizin, Pflege und Pharmaindustrie, Bildung, Kultur und Sport sollen den Menschen so wieder klar machen, "wie sie einen gesunden Lebensstil pflegen können", so das Gemium bei seiner digitalen Herbstvollversammmlung. Gesetzlich Versicherte müssten regelmäßig über die Abrechnung ihrer Behandlungen informiert werden, um Betrug vorzubeugen. Die Versicherungsbeiträge dürften nicht unkontrolliert steigen.

Ärzte, Pflegekräfte, Rettungsdienste und Hebammen müssten ihre Dienstzeiten besser mit ihren persönlichen Belangen vereinbaren können. "Gerade diese Dienste sollten vorbildlich sein, wenn es darum geht, die eigene Lebensführung im Sinn einer guten Work-Life-Balance an gesundheitlich förderlichen Kriterien auszurichten." Für die ambulante und stationäre Palliativversorgung einschließlich Hospizen fordert das Landeskomitee "Finanzierungssicherheit durch die Solidargemeinschaft".

Zur besseren Ausbalancierung von Kosten und Leistungen im Gesundheitswesen votiert das Komitee für eine "deutliche Stärkung von Präventionsmaßnahmen". Mit einer konzertierten Aktion von Politik, Medizin, Pflege und Pharmaindustrie, Bildung, Kultur und Sport solle den Menschen wieder bewusster gemacht werden, "wie sie einen gesunden Lebensstil pflegen können".

Unternehmer Hemel: Gesundheitswesen braucht mehr Beteiligung

Auch der katholische Unternehmer Ulrich Hemel fordert grundlegende Reformen im Gesundheitswesen. Der Einfluss von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen sei zu stark geworden, dadurch sei der Mensch auf der Strecke geblieben, sagte Hemel bei der digitalen Herbstvollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern am Freitag. Patienten und Pflegekräfte etwa müssten an Entscheidungen stärker beteiligt werden. Öffentliche Dialogplattformen seien dafür geeignet.

Hemel votierte außerdem für ein festes Budget von 100 Euro pro Quartal, das jedem Versicherten für Gesundheitsbildung zur Verfügung stehen sollte. Jeder darin investierte Euro verzinse sich mindestens dreifach, allein schon durch die Vermeidung von Folgekosten. Hemel ist auch Vorsitzender des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) und kandidiert kommende Woche für das Amt des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Dauerproblem: Zu wenige Pflegekräfte

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte, die Politik habe es nicht geschafft, das Gesundheitssystem so auszurichten, dass es in der Pandemiekrise genügend Personal habe. Dies liege einerseits an den Arbeitsbedingungen, aber auch an der Bezahlung. Alle Zuschläge sollten sofort steuerfrei gestellt werden. Nötig seien verlässliche Springerdienste und auch Lohnersatzleistungen für pflegende Angehörige wie sie etwa in der Elternzeit gezahlt würden.

Die Pflegewissenschaftlerin Anita Hausen von der Katholischen Stiftungshochschule München (KSH) sagte, sie glaube nicht, dass es auf Dauer gelinge, die Zahl der Pflegekräfte in Deutschland zu erhöhen. Hemel sagte, es wäre schon viel gewonnen, wenn sich die Verweildauer im Beruf erhöhen würde.

Ist der Gesundheitsmarkt "verdorben"?

Der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) Regensburg, Michael Eibl, bezeichnete den Gesundheitsmarkt als "verdorben" und forderte einen Systemwechsel. Aktiengesellschaften hätten in dieser Branche nichts zu suchen, es sollten nur noch gemeinnützige Träger zugelassen werden. Die Vorsitzende des Katholischen Pflegeverbandes, Elisabeth Linseisen, sagte, Krankenhäuser müssten sich wieder am Gemeinwohl und nicht an Gewinnchancen orientieren. Außerdem sei es nötig, Gesundheitskompetenz schon im Kindergarten zu vermitteln.

Das Landeskomitee will noch am Samstag eine Erklärung mit dem Titel "Gesundheit braucht mehr Mensch und weniger Markt" verabschieden.

Quelle:
KNA
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