26.01.2013

Koptische Auswanderungswelle in die USA

Gekommen, um zu bleiben

Die Hoffnung, dass sich die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen in Ägypten nach dem Sturz Mubaraks verbessern würden, währte nur kurz. Viele Kopten suchen deshalb ihr Glück in den USA. Doch die Kirchen dort versuchen sie zum Bleiben zu bewegen.

Vater Moises schnieft und hustet, ihn hat es erwischt, er hat die Grippe. Die grassiert gerade an der Ostküste der USA. Zeit, das Bett zu hüten, hat er aber eigentlich nicht. "Das Telefon klingelt pausenlos, die Menschen rufen uns an, wollen einen Rat und wissen, wie sie in die USA kommen können." Vater Moises ist koptischer Christ, geboren in Ägypten. Doch seine Heimat hat er verlassen, er lebt jetzt in den USA, wie viele seiner Landsleute.

Es gibt rund 150 koptische Kirchen in Amerika, die von Vater Moises ist die Erzdiözese St. Mark in der kleinen Stadt Cedar Grove im US-Bundesstaat New Jersey. "Die Menschen wollen nicht mehr in Ägypten bleiben, sie gehen zur Botschaft in Kairo, warten auf ein Touristenvisum, doch nur wenige bekommen eines", berichtet er. Trotzdem ist die Zahl der Kopten nach Berichten einzelner Kirchengemeinden in den vergangenen ein bis zwei Jahren sprunghaft angestiegen.

Auch Michael Hana ist Kopte, er wurde in den USA geboren, seine Eltern entschlossen sich Ende der 1960er Jahre auszuwandern. "Sie wurden nicht verfolgt, aber als Christen in einem muslimischen Land war es nicht einfach für sie, vor allem wirtschaftlich." Michael betreibt in Jersey City, einer gesichtslosen Stadt am Hudson gegenüber von New York City, einen kleinen Imbiss und Supermarkt; auf der anderen Straßenseite steht St. Mark, die älteste koptische Kirche in den USA. Michael ist nicht besonders religiös, aber er freut sich über die Kirchgänger. "Die bedeuten ein gutes Geschäft für mich." Michael sagt, seine Eltern vermissten die Heimat. "Aber sie würden nie wieder dorthin zurückgehen."

Angst vor einem Nahen Osten ohne Christen

In Ägypten leben nach Schätzungen um die acht Millionen Kopten, das sind rund zehn Prozent der Bevölkerung. Die Hoffnung, dass sich die angespannten Beziehungen zwischen Muslimen und Christen nach dem Sturz von Hosni Mubarak verbessern würden, währte nur kurz. Seit die Muslimbruderschaft die Macht übernommen hat, mehren sich Meldungen von Vertreibungen von Christen aus Dörfern, es gab blutige Zusammenstöße.

Trotzdem drängt Vater Moises die Kopten, nicht ins Ausland zu fliehen. "Wir versuchen die Menschen zu ermutigen zu bleiben. Es wäre ein großer Verlust, wenn es keine Christen im Mittleren Osten mehr gäbe, wir haben dort eine großartige Geschichte, die dürfen wir nicht einfach verlassen." Doch nicht nur die Kopten wollen weg aus Ägypten, wie Vater Moises sagt. "Auch Muslime kehren ihrem Land den Rücken." Nicht, weil sie unterdrückt würden, sondern weil es mit der Wirtschaft bergab gehe.

Fast eine Million Kopten in den USA und Kanada

Auch die im Dezember verabschiedete neue Verfassung sieht der Kopte als Gefahr. "Für Minderheiten wie die Kopten, aber auch für Ägypten insgesamt. Die Verfassung schützt nicht die Bürger Ägyptens, sie schützt nur diejenigen mit dem richtigen Glauben, und das sind die strengreligiösen Muslime." In seiner Ablehnung sieht sich Vater Moises daher auf Seiten eines großen Teils der ägyptischen Bevölkerung. "Es gibt sehr, sehr viele moderate Muslime, und die wollen auch keinen Gottesstaat in ihrem Land."

Doch dass es nicht so kommt, darauf wollen sich die Kopten nicht verlassen. In den USA und Kanada zusammen leben inzwischen fast eine Million Kopten, am stärksten vertreten sind sie in New York City, im Bundesstaat New Jersey und im Großraum Los Angeles. "Früher kamen sie, um ihre Verwandten in Amerika zu besuchen", sagt Vater Moises, "und es war klar, dass sie dann wieder nach Hause fliegen. Jetzt wollen sie bleiben." Für immer.

Stefanie Ball
(KNA)