Weihnachten in Bethlehem
Weihnachten in Bethlehem
Weihnachten in Bethlehem nicht ohne Konflikte
Weihnachten in Bethlehem nicht ohne Konflikte

25.12.2013

Weihnachten im Heiligen Land zwischen Kuriosem und Konflikten Dudelsack in Bethlehem, Kriegstrommeln in Gaza

Wie schwer der israelisch-palästinensische Konflikt auf dem Heiligen Land lastet, zeigt eine neue Welle der Gewalt im Gazastreifen. Zwischenfälle gab es an Heiligabend in Bethlehem dagegen kaum.

Mit den weißen Weihnachten hat es nicht ganz geklappt: Nach einem ungewöhnlich heftigen Wintereinbruch Mitte Dezember strahlt in Bethlehem pünktlich zu Weihnachten wieder die Sonne. Frühlingshafte Temperaturen locken Touristen und Pilger, Christen und Muslime auf den Krippenplatz. Arabische Weihnachtslieder, Trommeln und Dudelsäcke von Pfadfindern und internationale Weihnachtsschlager aus Lautsprechern machen die "stille Nacht" zum Volksfest - und sorgen bei manchen Pilgern für einen Kulturschock.

2013 war ein gutes Jahr, sagen die Menschen in Bethlehem. Die Syrien-Krise und die Angst vor einem US-Militärschlag haben der Region im Herbst nur einen leichten Dämpfer verpasst, die Besucherzahlen sind auch in diesem Jahr weiter gestiegen. Zu Weihnachten ist in Bethlehem kaum eine freie Herberge zu finden.

Ausgelassen-heitere Stimmung

300.000 Menschen werden allein während der Weihnachtstage erwartet. Gerade an Heiligabend sind die Schlangen vor der Geburtsgrotte länger als an normalen Tagen. "Irgendwie ästhetischer" haben sich Friederike und Robert die Geburtskirche vorgestellt, und auf jeden Fall "ganz anders". Die Ankunft in Bethlehem mit Checkpoint, Militärpräsenz und Mauer sei "bedrückend", sagen die zwei Besucher aus München. Dennoch zieht die ausgelassen-heitere Stimmung in der Altstadt die beiden in den Bann: "Der ganze Trubel ist faszinierend."

Zwischenfälle gab es an Heiligabend in Bethlehem kaum. Abgesehen von einem Besucher mit Herzanfall sei es ruhig geblieben, sagen die Männer vom Roten Halbmond, die neben den rund 700 palästinensischen Sicherheitskräften mit Ärzten, Sanitätern und vielen Freiwilligen auf dem Krippenplatz im Einsatz sind. Ungewöhnlich ruhig war es tagsüber auch in der Geburtsgrotte: Die Kirche blieb geschlossen - Festvorbereitung.

Ein palästinensischer Christ namens Elias richtet den traditionellen Geburtsort Jesu her: Gemeinsam mit einem Franziskaner putzt er die Krippe, legt goldenen Stoff aus, stellt elektrische Kerzen auf. Seit zwanzig Jahren leistet Elias diesen Dienst. Davor hatte sein Vater fünfzig Jahre lang Hand angelegt, wenn es darum ging, eine der heiligsten Stätten der Christenheit für die wichtigste Nacht des Jahres zu rüsten. "Weihnachten bedeutet für mich immer Arbeit", sagt Elias und lächelt. "Ich werde die ganze Nacht nicht schlafen, und morgen früh geht es gleich weiter. Aber müde werde ich nicht, ich bin glücklich, diesen Dienst leisten zu können."

Die "Botschaft von Jesus" verkünden, ist unterdessen das Anliegen von Anthony. "Ob Christen, Muslime oder Touristen: Jeder braucht das Evangelium", sagt der evangelikale Christ aus England und drückt einem Passanten ein Neues Testament in die Hand. Seine Mitstreiter unterstreichen Anthonys Botschaft lautstark mit Gesang. "Halleluja", tönt es gitarrenbegleitet von vierzig Gleichgesinnten aus aller Welt.

Politisch wird es in der Mette

Später wollen sie ihre Mission in Jerusalem fortsetzen, um "auch den Israelis" Jesus nahezubringen. "Statt ständig über Politik zu reden, sollten wir lieber über die wahre Bedeutung von Weihnachten sprechen!"

Politisch wird es dennoch in der Mitternachtsmesse. Eine kurzfristige Lösung für den Konflikt, der "schwer auf all seinen Bewohnern, auch den Christen, lastet", sei nicht in Sicht, predigt der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal. Der Oberhirt verweist auf die Folgen der israelischen Besatzung. Der Nahe Osten und die Welt, so Twal, stünden "vor einer langen Nacht der Konflikte, Kriege, Zerstörung, Angst, Hass, Rassismus".

Wie schwer der israelisch-palästinensische Konflikt auf dem Heiligen Land lastet, zeigte eine neue Welle der Gewalt im Gazastreifen: Mit Bomben reagierte Israels Luftwaffe auf die Ermordung eines Israelis durch einen palästinensischen Scharfschützen. Medienberichten zufolge starb ein vierjähriges Mädchen durch den israelischen Beschuss, mindestens drei weitere Palästinenser wurden verletzt. Bei vielen dürfte dies Erinnerungen das Jahr 2008 wecken, als just zu Weihnachten ein blutiger Konflikt im Gazastreifen ausbrach. Der ersehnte Frieden - er scheint vielen Palästinensern in weiter Ferne.

Andrea Krogmann
(KNA)

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