Journalist und Buchautor Emiliano Fittipaldi
Journalist und Buchautor Emiliano Fittipaldi

16.03.2016

Hinweis auf weitere Geheimnisverräter im Vatikan Aussagen im "Vatileaks-Prozess"

In den Geheimnisverrat im Vatikan sind möglicherweise mehr Mitarbeiter des Papstes verwickelt als bislang angenommen. Das legt eine Aussage des italienischen Journalisten Emiliano Fittipaldi im "Vatileaks-Prozess" nahe.

Dabei geht es unter anderem um die illegale Weitergabe vertraulicher Dokumente an zwei Journalisten. Der spanische Geistliche Lucio Angel Vallejo Balda habe ihm 2015 ungefragt rund 20 Seiten Dokumente überreicht, sagte Fittipaldi laut Radio Vatikan. In seinem Enthüllungsbuch über die vatikanischen Finanzen habe er davon jedoch "nur zwei Dokumente benutzt, da das ganze Material journalistisch betrachtet unbrauchbar gewesen war". Den größten Teil der Unterlagen für das Buch habe er zu diesem Zeitpunkt bereits besessen, so Fittipaldi in der Sitzung am Dienstag. Bislang beschuldigt die vatikanische Staatsanwaltschaft nur Vallejo Balda und seinen früheren Assistenten der illegalen Weitergabe vertraulicher Unterlagen.

Nach dreimonatiger Unterbrechung war der sogenannte Vatileaks-Prozess am Samstag zunächst hinter verschlossenen Türen fortgesetzt worden. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Veröffentlichung vertraulicher Unterlagen über wirtschaftliche Missstände im Vatikan in zwei Enthüllungsbüchern. Die vatikanische Staatsanwaltschaft beschuldigt die italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi, sich illegal die Akten der von Papst Franziskus neu eingerichteten Kommission für die Neustrukturierung der wirtschaftlichen und administrativen Angelegenheiten des Vatikan (COSEA) beschafft zu haben.

Angeklagter Lucio Angel Vallejo Balda begründet Geständnis

Unterdessen hat der angeklagte Geistliche Lucio Angel Vallejo Balda nach seinem Geständnis am Dienstag die Beweggründe für den Geheimnisverrat geschildert. Er habe sich von den italienischen Journalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi "bedroht gefühlt", sagte er vor dem vatikanischen Gericht. "Direkte und konkrete Drohungen" von deren Seite habe es allerdings nicht gegeben. In einem "Angstzustand" habe er jedoch einige Äußerungen so gedeutet, als wüssten beide etwas über seine Person, das ihn erpressbar mache, antwortete er auf Fragen der Anwälte der beiden ebenfalls angeklagten Journalisten. Direkt bedroht wurde Vallejo Balda nach seiner Darstellung hingegen von der mitangeklagten italienischen PR-Fachfrau Francesca Chaouqui.

Chaouqui beantragt Aussetzung des Prozesses

Die Hochschwangere kündigte in der rund siebenstündigen Sitzung an, dass sie eine Aussetzung des Prozesses beantragen werde. Sie müsse sich am Donnerstag einer Operation unterziehen, um eine Frühgeburt zu verhindern. Im Laufe der Sitzung verließ die offensichtlich geschwächte Angeklagte vorübergehend den Gerichtssaal.

Priester gestand, Zugang zu vertraulichen Unterlagen ermöglicht zu haben

Am Montag hatte der spanische Priester gestanden, Fittipaldi und Nuzzi 87 Passwörter für den Zugang zu vertraulichen Unterlagen einer päpstlichen Untersuchungskommission zu wirtschaftlichen Missständen (COSEA) im Vatikan zugespielt zu haben. Zugleich hatte er von einer Liebesnacht in Florenz mit der mitangeklagten italienischen PR-Beraterin Francesca Chaouqui berichtet. Der sogenannte Vatileaks-2-Prozess war am Samstag nach dreimonatiger Unterbrechung wiederaufgenommen worden. Die nächste Sitzung ist für Freitag vorgesehen. Vallejo Balda war Sekretär und damit zweiter Mann der COSEA-Kommission, Chaouqi war ebenfalls Mitglied des Gremiums.

Enthüllungsbücher über angebliche Geldverschwendung im Vatikan

Fittipaldi und Nuzzi veröffentlichten Anfang November Enthüllungsbücher über Missmanagement und angebliche Geldverschwendung im Vatikan, die sich auf vertrauliche Unterlagen dieser Kommission stützten. Vallejo Balda, der hauptberuflich Sekretär der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls war, wurde Anfang November von der vatikanischen Gendarmerie festgenommen. Nach mehrwöchiger Haft im Vatikan steht er dort seit Weihnachten unter Hausarrest. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe. Die beiden Journalisten müssen als italienische Staatsangehörige kein vatikanisches Strafurteil fürchten.

(KNA)

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