Kirche St. Maria im iranischen Urmia
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Hassan Ruhani
Hassan Ruhani

26.01.2016

Open Doors sieht keine Verbesserung bei Christenverfolgung im Iran Nur gut Wetter?

Beim Treffen von Papst Franziskus und dem iranischen Präsidenten Ruhani am Dienstag wird das Thema Christenverfolgung wohl eine Rolle spielen. Immer noch werden Christen im Iran diskriminiert, so Markus Rode von Open Doors gegenüber domradio.de.

domradio.de: Sie haben vor ein paar Tagen noch den Weltverfolgungsindex 2016 vorgestellt. Die Islamische Republik Iran rangiert da auf dem neunten Platz der Staaten mit der schlimmsten Christenverfolgung. Was müssen iranische Christen alles durchmachen?

Markus Rode (Vorsitzender des christlichen Hilfswerks Open Doors): Zum Einen dürfen sie ihren Glauben überhaupt nicht bezeugen. Wir haben da die Volksgruppe der Armenier und der Assyrer. Denen ist es nicht erlaubt, in der persischen Sprache ihren Gottesdienst abzuhalten, damit nur kein Besucher, der dort inkognito erscheint, irgendetwas vom christlichen Glauben mitbekommt. Das führt dazu, dass schon viele Kirchen in den Untergrund abgetaucht sind. Aber am schlimmsten trifft es die Konvertiten, also ehemalige Muslime, die zu Zehntausenden zum christlichen Glauben konvertiert sind. Sie werden in Gefängnisse eingesperrt und wirklich brutal gefoltert.

domradio.de: Und Sie können seit der Ablösung von Ahmadinedschad bis heute keine positive Entwicklung sehen?

Rode: Die können wir nicht sehen. Die Präsidenten - ob das jetzt Ahmadinedschad ist oder Ruhani - haben auch gar nicht so viel Macht, wie man das im Westen denkt. Die wirkliche Macht liegt in den Händen des islamischen Wächterrates. Da steht da vorne Ayatollah Khomeini und der hat das Sagen.

domradio.de: Dennoch gibt es zwischen der iranischen Regierung und dem Papst Beziehungen...

Rode: Ja, ich glaube, das hängt auch damit zusammen, dass der Iran natürlich taktisch und strategisch denkt. Er möchte an die großen Milliarden kommen und gut Wetter machen. Das ist letztendlich das, was ganz vorne steht: Die wirtschaftlichen Interessen und die Möglichkeit, als schiitischer Staat wieder eine Rolle zu spielen.

domradio.de: Vermutlich wird Franziskus heute in der Audienz die Einigung im Atomstreit loben. Die Lage der Christen im Iran wird der Papst sicher nicht aussparen. Wie sehen Sie das?

Rode: Davon gehe ich fest aus. Der Papst ist ein Mann, der unabhängig ist und der genau dieses Thema - verfolgte Christen - ja immer wieder ganz offen angesprochen hat. Deshalb hoffe ich und gehe auch davon aus, dass er das auch hier tun wird. Und dass er besonders auch die Situation derjenigen ansprechen wird, die in den Gefängnissen als Christen mit muslimischen Hintergrund wirklich grausam gefoltert werden.

domradio.de: Halten Sie es für möglich, dass Präsident Ruhani auch eine Einladung für Papst Franziskus im Gepäck hat? 

Rode: Ich glaube, man sollte nichts ausschließen. Denn letztendlich versucht man in der Öffentlichkeit dem Westen zu zeigen, dass man eigentlich ganz offen sei. Ich glaube, dass es möglich sein könnte - trotzdem wage ich es zu bezweifeln.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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