Pflegeausbildung wird reformiert
Generalisierung der Pflegeausbildung - Fluch oder Segen?

18.03.2016

Bundestag debattiert über neue Pflegeausbildung Der richtige Weg zu mehr Fachkräften?

Alten- und Krankenpflege sollen künftig keine getrennten Berufsbilder mehr sein. Lockt das mehr Nachwuchs in die Branche oder werden Fachkräfte eher vergrätzt? Daran scheiden sich die Geister. Von katholischer Seite kommt Zustimmung zum Entwurf.

Der Bundestag hat am Freitag in erster Lesung über die Reform der Pflegeausbildung beraten. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte, das neue Pflegeberufsgesetz werde die Attraktivität des Berufsbilds steigern. Sie schaffe bessere Aufstiegschancen und werde dringend benötigte Fachkräfte für den Pflegeberuf gewinnen, betonte Gröhe.

Die Opposition warnte dagegen, durch die neue Ausbildung drohe wichtiges Spezialwissen aus der Ausbildung zu verschwinden. Branchenverbände zeigten sich in der Bewertung der Reform uneins.

Ziel der Reform ist es, die sogenannte generalistische Ausbildung zu verankern. Danach wird künftig der gesamte Nachwuchs nach einem einheitlichen Curriculum geschult. Die getrennte Ausbildung von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegekräften hätte dann ein Ende.

Fachwissen nur über Weiterbildungen?

In anderen Branchen sei die Entwicklung von differenzierten Berufen an der Tagesordnung, kritisierte die Pflege-Expertin der Grünen-Fraktion, Elisabeth Scharfenberg. "Spezialisierung an allen Orten und in der Pflege wird die Spezialisierung abgeschafft? Das verstehe wer will", sagte sie. Durch die generalistische Ausbildung drohe die Gefahr, dass sich Pflegekräfte Fachwissen in selbst bezahlten Weiterbildungen aneignen müssten, sagte Scharfenberg. 

Auch die pflegepolitische Sprecherin der Linken, Pia Zimmermann, kritisierte, eine dreijährige einheitliche Ausbildung werde den Anforderungen an die verschiedenen Berufsbilder nicht gerecht. "Pflege am Anfang des Lebens erfordert anderes Wissen als Pflege am Ende des Lebens", sagte sie.

Scharfe Kritik an dem Gesetzentwurf äußerte auch der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Das neue Modell schüfe "erfahrene Handlungsreisende, aber sicher keine fachlich qualifizierten Pflegekräfte", sagte bpa-Präsident Bernd Meurer. Wegen der Generalisierung würden den Auszubildenden künftig sechs bis acht unterschiedliche Ausbildungsbetriebe zugemutet. Der Entwurf sei die "Konzeption einiger Ideologen", der nichts mit der beruflichen Praxis zu tun habe.

Caritas: "Die richtige Antwort"

Der Deutsche Pflegerat zeigte sich dagegen zuversichtlich, dass die Reform die Attraktivität der Branche steigern werde. "Dadurch werden wir mehr Pflegefachkräfte gewinnen", sagte Präsident Andreas Westerfellhaus. Die Christlichen Krankenhäuser in Deutschland riefen zu einer sachlichen Debatte über die Generalisierung auf.

Eine solide Grundausbildung werde den Pflegekräften erlauben, sich flexibel und kompetent auf unterschiedliche Situationen einzustellen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Katholischen Krankenhausverbandes, Ingo Morell. Der Generalsekretär der Caritas, Georg Cremer, bezeichnete die generalistische Pflegeausbildung als richtige Antwort auf die Herausforderungen des Gesundheitswesens.

Argument der Regierung: Demografischer Wandel

Die Bundesregierung argumentiert, der demografische Wandel mache die Reform notwendig. So bräuchten zum Beispiel Krankenpfleger zunehmend Kenntnisse in der Altenpflege, etwa im Umgang mit demenzkranken Patienten. 

Die gemeinsame Ausbildung soll 2018 beginnen und bundesweit kostenfrei sein. Das Schulgeld, das Auszubildende in einigen Bundesländern noch zahlen, soll abgeschafft werden. Auch Betriebe, die nicht ausbilden, sollen sich künftig an den Ausbildungskosten beteiligen. Nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums werden allein in der Altenpflege pro Jahr 20.000 zusätzliche Fachkräfte gebraucht.

(epd)

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