Geld spenden
Spenden in Deutschland 2015 auf Rekordhoch

01.03.2016

Deutschen spendeten im vergangenen Jahr 5,5 Milliarden Euro Spendenrekord in Zeiten der Flüchtlingskrise

Sorgen der Deutschen rund um den Zuzug von Flüchtlingen sind offensichtlich. Helfen möchten die Bundesbürger trotzdem. Knapp die Hälfte engagiert sich für Flüchtlinge. Die Spendensumme stieg auf ein Rekordhoch.

Ein kleines Mädchen mit zerzaustem Haar schlingt sich eine Decke um den schmalen Körper und blickt mit dunklen Knopfaugen in die Kamera. Unzählige Spendenaufrufe mit Bildern aus Nepal oder einem Flüchtlingslager in Südeuropa sind im vergangenen Jahr in deutschen Briefkästen gelandet und haben zum Spenden bewegt: 5,5 Milliarden Euro gaben die Deutschen für wohltätige Zwecke, knapp 580 Millionen mehr als im Vorjahr. Damit geht 2015 als neues Rekordjahr in die GfK- "Bilanz des Helfens" ein, die der Deutsche Spendenrat am Dienstag in Berlin vorstellte.

Repräsentative Umfrage

Der Rat veröffentlicht wie zahlreiche andere Organisationen alljährlich eine Spendenbilanz. Meist stimmten die Trends der Analysen trotz unterschiedlicher Gesamtsummen überein, erklärte die Geschäftsführerin des Spendenrats, Daniela Felser. Für den Rat befragt die GfK-Marktforschung seit 2005 monatlich rund 10.000 Deutsche ab 10 Jahren zu ihrem Spendenverhalten. Die Umfrage sei repräsentativ und zeige die Entwicklung im Jahresverlauf. Nicht erfasst würden Unternehmensspenden oder Großspenden, etwa durch Erbschaften.

Mehr Spender als im Vorjahr

Das vergangene Jahr sei spendentechnisch ein sehr erfreuliches gewesen, sagte die GfK-Managerin Gertrud Bohrer. In allen Bereichen, bei der Gesamtsumme, der Spenderzahl und der Spendenhäufigkeit, habe es ein Plus im Vergleich zum Vorjahr gegeben. Die Gesamtzahl der Spender sei auf 22,7 Millionen gestiegen - 300.000 mehr als im Vorjahr - und die Durchschnittsspende habe sich um einen Euro auf 37 Euro erhöht. Darüber hinaus griff der Einzelne öfter in die Tasche. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Spendenhäufigkeit pro Person von 6,2 auf 6,6 Spenden.

Der Anteil der spendenden Bevölkerung liegt mit 33,6 Prozent deutlich unter den Werten von 2005 bis 2008. "Er bleibt quasi beschränkt auf die gleiche Gruppe an Spendern. Diese spenden jedoch häufiger und mehr", erklärte Bohrer. Einen besonders deutlichen Anstieg des Spendenvolumens gab es bei der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen: Hier stieg die durchschnittliche Summe von 134 Euro auf 226 Euro.

Viele Spenden für Erdbebenopfer und Flüchtlinge

Die großen Anlässe, für die gespendet wurde, waren das Erdbeben in Nepal sowie die Flüchtlinge in Europa und Deutschland. Demzufolge stiegen insbesondere die Spenden für humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe stark an. Allein für die Nothilfe gaben die Deutschen 915 Millionen Euro. Auch beim Tierschutz und Sport gab es ein Plus des Spendenvolumens. Weniger Spenden erreichten indes den Umweltschutz und die Kultur- und Denkmalpflege. Rund 37 Prozent der Mehrausgaben für Nothilfe und Katastrophenhilfe gingen zulasten anderer Spendenzwecke.

In einer Sondererhebung fragte die GfK Anfang des Jahres die Haltung gegenüber Flüchtlingen und das Engagement für die Schutzsuchenden ab. "Wir haben die Umfrage direkt nach den Vorfällen von Köln durchgeführt", sagte Bohrer. Ein Ergebnis ist, dass 47 Prozent der Bundesbürger - insgesamt 31,8 Millionen Menschen - sich für Flüchtlinge engagierten. Dabei gaben 34 Prozent Sachspenden, etwa 8 Prozent spendeten Geld und circa 6 Prozent engagierten sich selbst ehrenamtlich vor Ort.

Kirchliche Organisationen wieder häufiger bedacht

Zugleich zeige die Befragung auch Sorgen und Skepsis der Bundesbürger, sagte Bohrer. Demnach fürchten 54 Prozent, dass arme Menschen in Deutschland ins Hintertreffen geraten. Die Hälfte empfindet die Kultur und Religion der Flüchtlinge als fremd.

Kirchliche Organisationen wurden laut Bilanz wieder öfter bedacht als im Vorjahr. Rund 13 Prozent der Spenden gingen an katholische Hilfswerke und Einrichtungen (12,5 Prozent im Vorjahreszeitraum) und 16,1 Prozent an evangelische Organisationen (14,8 Prozent im Vorjahreszeitraum). Fast die Hälfte aller Spenden wurden weiterhin von kleineren und nicht-konfessionellen Organisationen eingenommen; knapp 22 Prozent erhielten die großen nicht-konfessionellen Hilfswerke.

Zwar sagt die Hälfte der Befragten, dass sie ohne konkreten Anstoß oder regelmäßig spendet, aber für die andere Hälfte ist es vor allem der persönliche Brief (24,7 Prozent) von Hilfswerken und Organisationen, der zum Spenden bewegt.

Anna Mertens
(KNA)

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