Aktion zum "Red Hand Day"
Aktion zum "Red Hand Day"
Kindersoldaten in Simbabwe
Kindersoldaten in Simbabwe

12.02.2016

Deutsches Bündnis Kindersoldaten zu "Red-Hand-Day" "Waffenexporte in Konfliktländer stoppen"

Weltweit gibt es nach Schätzungen rund 250.000 Kindersoldaten. Zum heutigen "Red-Hand-Day" fordert das Deutsche Bündnis Kindersoldaten einen besseren Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten, wie Bündnismitglied Ralf Willinger bei domradio.de betont.

domradio.de: Ihre Organisation ist Teil des Bündnisses und begeht heute auch den sogenannten "Red Hand-Day", den internationalen Aktionstag gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. Warum heißt der Tag denn "Rote Hand-Tag"?

Ralf Willinger (Referent für Kinderrechte bei terre des hommes und Mitglied des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten): Der heißt "Rote-Hand-Tag", weil die rote Hand als Symbol gegen den Einsatz von Kindersoldaten weltweit benutzt wird. Die Aktion läuft so ab, dass man seine Hand mit roter Farbe einfärbt und dann einen Handabdruck auf ein Blatt Papier, ein Transparent oder Ähnliches setzt und seinen Namen und eine Botschaft wie "Stoppt den Einsatz von Kindersoldaten" dazuschreibt. Diese Handabdrücke werden dann an Politiker übergeben oder versendet, damit sie sich für Kinder in Kriegsgebieten einsetzen.

domradio.de: Haben Sie denn den Eindruck, dass bei der internationalen Politik das Bewusstsein für dieses Problem gewachsen ist?

Willinger: Ja, da haben wir schon den Eindruck. Es sind jetzt weltweit inzwischen über 400.000 rote Handabdrücke gesammelt worden. Auf der Webseite www.redhandday.org kann man sich alle Aktionen anschauen, die hochgeladen worden sind. Ganz viele rote Hände werden auch an Politiker in vielen Ländern übergeben, so dass dieses Thema immer präsent ist - auch in Deutschland. Auch im Bundestag gab es wieder eine Rote-Hand-Aktion, und es ist den Politikern schon durchaus bewusst, dass das ein wichtiges Thema ist und sie etwas tun müssen. Natürlich wünschen wir uns, dass sie mehr tun. Deutschland spielt dabei auch eine Rolle, denn Deutschland hat sehr viele Waffen in Kriegsgebiete exportiert, die dann auch in Kinderhände gelangen oder durch die Kinder zu Schaden kommen. Da wünschen wir uns beispielsweise einen Exportstopp in solche Krisengebiete.

domradio.de: Das Thema Kindersoldaten ist ja nicht neu. Vor einigen Tagen präsentierte die Terrormiliz IS ein Propaganda-Video, das Kinder mit Waffen zeigt. Nimmt die Anzahl der Kindersoldaten eigentlich zu oder ab und gibt es Länder, die sie besonders oft einsetzen?

Willinger: Die Zahl nimmt im Moment sicher eher zu, weil es in den heißen Krisengebieten wie Syrien, Irak, Südsudan, Sudan, Afghanistan oder Somalia auch wieder zunehmend zu Rekrutierungen kommt und ganz viele Kinder auch deswegen fliehen - auch nach Deutschland fliehen – entweder, weil sie schon Kindersoldaten waren, als solche eingesetzt worden sind und dann flüchten konnten oder weil sie vor der Rekrutierung fliehen. Weltweit ist die Schätzung von rund 250.000 Kindern als Kindersoldaten weiterhin gültig. Es gibt natürlich auch Kriegsgebiete wie im westlichen Afrika, Sierra Leone, Liberia oder auch in Asien, in Sri Lanka, wo Kinder massiv eingesetzt worden sind. Glücklicherweise hören diese Konflikte irgendwann auf und die Kinder werden aus dem Waffeneinsatz entlassen. 

domradio.de: Das deutsche Bündnis Kindersoldaten fordert einen besonderen Schutz von Mädchen und Jungen in bewaffneten Konflikten. Diese Forderung ist nachvollziehbar, aber ist sie auch durchsetzbar?

Willinger: Sie ist natürlich durchsetzbar. In dem Fall muss man Verbesserungen anstreben. Ein ganz wichtiges Thema sind auch Angriffe auf Schulen, wo beispielsweise im Gaza-Krieg hunderte von Schulen angegriffen worden sind und auch in anderen Konfliktgebieten massiv Schulen attackiert werden oder von militärischen Gruppen genutzt werden. Das ist beispielsweise ein Punkt, wo in jedem Fall mehr getan werden muss, denn Schulen sind ein wichtiger Rückzugsort für Kinder und müssen Kindern und Lehrern, die sehr stark attackiert werden, Sicherheit bieten und dürfen nicht umgekehrt noch von Armeen und bewaffneten Gruppen genutzt werden, um ihre Kampfhandlungen durchzuführen.

domradio.de: Wir haben das ja gerade schon thematisiert: Die deutsche Politik ist natürlich klar gegen Kindersoldaten, dennoch ist Deutschland einer der größten Waffenproduzenten. Wie passt denn das zusammen?

Willinger: Das passt eben in dem Punkt nicht zusammen, deshalb weisen wir auch darauf hin. Wir finden es natürlich richtig und gut, dass die Bundesregierung sich auch in vielen Ländern für Kinder in bewaffneten Konflikten einsetzt. Aber da, wo man selber gefragt ist, wie beim Thema Waffenexporte und beim Thema Minderjährige in der Bundeswehr - es gibt auch weiterhin 17-jährige in der Bundeswehr - da tut man sich schwer, selber seinen Anteil zu leisten. Deutschland hat da natürlich auch eine Vorbildrolle. Deutschland ist weltweit der drittgrößte Waffenexporteur, die USA und Russland exportieren noch mehr. Länder wie Indien, Pakistan, Kolumbien oder der Irak bekommen massenweise Waffen aus Deutschland. Das sind alles Länder, in denen auch Kindersoldaten kämpfen. Man muss sagen, es wäre von heute auf morgen möglich, diese Waffenexporte zu stoppen.

domradio.de: Was hält die Politik dann ab, dies auch konkret in Angriff zu nehmen?

Willinger:  Das müssen Sie die Politiker fragen. Da werden aus unserer Sicht offensichtlich falsche Prioritäten gesetzt. Es ist offenbar wichtiger, die Alliierten mit Waffen zu versorgen und dass die Unternehmen Geld damit verdienen. Wir verstehen das auch nicht, und für uns ist das widersprüchlich. Einerseits will man sich für Kinder in Konfliktgebieten einsetzen, andererseits heizt man Konflikte mit Waffenlieferungen an. Saudi-Arabien muss man natürlich auch noch nennen, das Krieg im Jemen führt, wo es ganz viele Kindersoldaten gibt. Es ist einfach unverständlich.

Das Interview führte Mathias Peter.

(dr)

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