Bundespräsident Gauck beim Weltwirtschaftsforum
Bundespräsident Gauck beim Weltwirtschaftsforum
Bischof Franz-Josef Overbeck
Bischof Franz-Josef Overbeck

20.01.2016

Katholische Kirche zum Weltwirtschaftsforum "Wer viel hat, kann auch viel geben“

Beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos beraten Politiker, Manager und Wissenschaftler vor allem über die Wirtschaft von morgen. In diesem Jahr steht aber in erster Linie das Heute im Mittelpunkt.

Besonderes Interesse bekam im Vorfeld des Treffens in der Schweiz eine Studie der Nicht-Regierungsorganisation Oxfam, nach der die 62 reichsten Menschen der Erde genauso viel Vermögen besitzen wie die gesamte arme Hälfte der Weltbevölkerung. Obwohl es auch Zweifel an der Methodik der Studie gibt, sei das Signal klar, sagt Sozialbischof Franz-Josef Overbeck: "Dieses Maß an Ungerechtigkeit darf so nicht stehen bleiben. Es sind die wirtschaftlichen Entwicklungen auf den unterschiedlichen Kontinenten unserer Erde, die dazu geführt haben, dass es eine solche Anhäufung von Reichtum gibt, aber auch so eine himmelschreiende Armut."

Die Flüchtlingsproblematik, der internationale Terrorismus, der Bürgerkrieg in Syrien, der Klimaschutz und die mit wirtschaftlicher Schwäche konfrontierten Schwellenländer bilden die Problematiken, denen sich das Weltwirtschaftsforum stellen will. Hier müsse sich die Gesellschaft mit Gerechtigkeitskriterien und Verteilungsgerechtigkeit auseinandersetzen, betont Overbeck, denn "jeder, der viel hat, kann auch viel für die Gemeinschaft geben."

Statt Gewinnmaximierung ein gutes Leben für Viele

Die wachsende Kluft zwischen Arm und reich in der Welt kritisiert auch das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und fordert einen Politikwechsel: Statt Gewinnmaximierung müsse es den politischen Willen zu einem guten Leben für viele Menschen geben, sagt Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka. 

In der Eröffnungsrede von Bundespräsident Joachim Gauck stand die Flüchtlingsfrage im Vordergrund. Er betonte: "Die Aufnahme derart Verfolgter ist ein Gebot humanitärer Verantwortung. Nützlichkeitserwägungen dürfen bei der Aufnahme von Flüchtlingen kein Maßstab sein. Menschen, die unseres Schutzes bedürfen, dürfen etwas kosten. Eine Gesellschaft, die sich als Solidargesellschaft versteht, handelt auch Flüchtlingen gegenüber aus einem solidarischen Geist heraus."

Begrenzung nicht per se unethisch

Andererseits sagte Gauck, eine Begrenzung könne geboten sein, um die Handlungsfähigkeit des Staates oder die Zustimmung der Bevölkerung zu erhalten. Eine Begrenzung sei nicht per se unethisch, sagte Gauck, aber: "Ich kann nur schwer verstehen, wenn ausgerechnet Länder Verfolgten ihre Solidarität entziehen, deren Bürger als politisch Verfolgte einst selbst Solidarität erfahren haben. Wollen wir wirklich riskieren, dass das große historische Werk, das Europa Frieden und Wohlstand gebracht hat, an der Flüchtlingsfrage zerbricht? Niemand, wirklich niemand kann das wollen."

Papst mahnt zu Umweltschutz

Papst Franziskus appellierte an die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums, "neue Modelle unternehmerischer Tätigkeit zu erstellen, die die Entwicklung fortgeschrittener Technologien fördern und zugleich auch imstande sind, diese zu nutzen, um würdevolle Arbeit für alle zu schaffen, soziale Rechte aufrecht zu erhalten und zu festigen sowie die Umwelt zu schützen".

Der Papst mahnte auch mehr Bemühungen im Bereich des Klimaschutzes an. Die Unternehmertätigkeit sah seiner Ansicht nach dafür da, "Wohlstand zu erzeugen und die Welt für alle zu verbessern."

Christoph Paul Hartmann
(dr)

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