Flüchtlingskinder in Berlin
Flüchtlingskinder in Berlin
Gregor von Fürstenberg
Gregor von Fürstenberg

13.01.2016

Neue Flüchtlingsaktion vom Hilfswerk missio Im virtuellen Spielzimmer

Welches Gebet eignet sich für eine Andacht mit Flüchtlingen? Mit welchen Spielen lernen sich Kinder unterschiedlicher Herkunft gut kennen? Auf diese Fragen will missio Antworten geben: "Wir bauen ein Haus für Alle" heißt die neue Aktion.

Gemeinsame Gebete, exotische Rezepte oder Kinderspiele zum gegenseitigen Kennenlernen: Das katholische Hilfswerk missio Aachen hat kurz vor dem katholischen Weltflüchtlingstag an diesem Sonntag (17.1.) eine neue Aktion gestartet. "Wir bauen ein Haus für Alle" lautet der Titel. Angesprochen werden sollen Pfarrgemeinden, Schulen, Kindergärten oder Frauenkreise, die Begegnungen mit Flüchtlingen ermöglichen wollen, wie missio-Vizepräsident Gregor von Fürstenberg sagt.

Das internationale Missionswerk stellt dafür jetzt im Internet Informationen und Materialien zur Verfügung - etwa Übersetzungen des Vaterunser für gemeinsame Gebete, ein Wörterbuch mit zentralen Begriffen oder Spielideen, um Kindern unterschiedlicher Herkunft das Kennenlernen zu erleichtern.

Rezepte und Spielanleitungen in virtuellen Zimmern

"Wir sind von ganz vielen Gemeinden gefragt worden, ob wir nicht etwas wüssten über die Flüchtlinge", erklärt von Fürstenberg. Fragen nach Hintergründen und Ursachen von Flucht zum Beispiel. "Dann haben wir angefangen zu sammeln." Entstanden ist das "Haus für Alle" - mit verschiedenen, virtuellen Zimmern. Im "Esszimmer" zum Beispiel kann man Rezepte aus Eritrea - gebratenes Rindfleisch - oder Äthiopien - Huhn nach Landesart - nachkochen. Im "Spielzimmer" finden sich Anleitungen für verschiedene Kinderspiele, vorgestellt wird zudem das Projekt "Kinder lernen das Lachen neu" aus dem Libanon. Gebete in unterschiedlichen Sprachen kann man in dem "Gebetsraum" kennenlernen. "Zum Beispiel die Syrer, die beten gerne zu Maria", sagt von Fürstenberg.

Er betont, dass schon jetzt in vielen Gemeinden eine Menge passiere - so erhalten Flüchtlinge etwa Kleidung. "Damit wird das Bibelwort eigentlich sehr schön umgesetzt, das da heißt: Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen." Die Vorschläge auf der missio-Internetseite sollten einen Anstoß dafür geben, was in der Zeit nach dem Stillen existenzieller Bedürfnisse alles möglich sei.

"Jeder, der sucht, der findet auch etwas", sagt von Fürstenberg. Von kirchlicher Seite gibt es auch andere Flüchtlingsaktionen, etwa die "Aktion neue Nachbarn", die über die Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln informiert. Von Fürstenberg sagt, missio wolle für "wirklich ausgelaugte Flüchtlinge" eine Willkommenskultur aufbauen. "Die Idee dahinter ist Gastfreundschaft. Was bedeutet dir, was bedeutet mir Heimat?" Mit einer Postkartenaktion, die auch online zu finden ist, sollen auf diese Fragen Antworten gegeben werden. Von Fürstenberg verweist darauf, dass Flucht nicht erst seit heute aktuell ist - es ist "ein Thema, das uns schon viele Jahre beschäftigt", im Kongo oder in Eritrea beispielsweise.

Die meisten Asylanträge im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland gestellt

Weltweit sind nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) gut 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Ende 2015 hatte der damalige UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres gesagt, dass in dem Jahr rund eine Million Flüchtlinge und Migranten das Mittelmeer auf der Suche nach einer sicheren Zukunft überquert hätten.

Laut UN-Hilfswerk von Ende Dezember gehört die Türkei mit 1,84 Millionen zu den Ländern, die im ersten Halbjahr 2015 die meisten Flüchtlinge aufgenommen hätten. Im Verhältnis von Flüchtlingszahl und einheimischer Bevölkerung habe der Libanon mit 209 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohner die meisten Schutzsuchenden aufgenommen. Die meisten Asylanträge weltweit seien in der ersten Jahreshälfte 2015 mit 159.000 in Deutschland gestellt worden. Die zweithöchste Zahl wurde laut UNHCR in Russland verzeichnet. Die meisten der knapp 100.000 Antragsteller seien vor dem Konflikt in der Ukraine geflohen.

Nicht nur Krieg, Gewalt und Hunger gehören zu den Gründen, warum Menschen ihre Heimat verlassen, sondern auch die Verfolgung von Christen. "Religionsfreiheit ist ein ganz zentrales Thema", sagt von Fürstenberg. Er berichtet von Christen in Pakistan, die gesagt hätten, dass die junge Generation auswandere, zum Beispiel in die USA, denn: "Wir sehen als Christen keine Zukunft für uns in Pakistan." Er sei froh, dass das Thema auch auf der Agenda von Politikern stehe. Wenn man sich darum kümmere, könne zumindest diese Fluchtursache reduziert werden.  

Leticia Witte
(KNA)

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