16.04.2015

Erste deutschlandweite Seelsorgestudie der katholischen Kirche Zufriedene Seelsorger

In Berlin wurde am Donnerstag die erste deutschlandweite quantitative Seelsorgestudie "Sorge für die Seelsorgenden" vorgestellt. Prof. Christoph Jacobs, Priester und Pastoralpsychologe, stellt die teils überraschenden Ergebnisse der Studie vor.

domradio.de: Was war die Motivation für die Studie?

Prof. Jacobs: Unsere Forschergruppe hat sich zusammengetan angesichts der Veränderungen in der Pastoral. Diese Veränderungen haben viele Konsequenzen für die Seelsorgerinnen und Seelsorger, die Priester, Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten. Diese Personengruppe wollen wir unterstützen in ihrem Einsatz für die Seelsorge. Und wir können den Diözesen Informationen geben darüber, was das Beste ist angesichts der notwendigen Umstrukturierungen.

domradio.de: Wie sind Sie methodisch vorgegangen?

Prof. Jacobs: Wir sind gestartet in der Diözese Paderborn und haben dann die Studie ausgeweitet auf andere Bistümer. 22 von 27 deutschen Diözesen waren beteiligt.

Insgesamt haben dann 8600 Personen an der Studie teilgenommen, das ist ausgesprochen viel. Es ist in Deutschland die größte Studie, und sie wird auch international beachtet.

domradio.de: Was sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

Prof. Jacobs: Wir haben Dinge wie Berufszufriedenheit, Engagement, Gesundheit, Burn Out-Bedrohung, Stressbelastung und Beziehungsstruktur untersucht. Das wichtigste Ergebnis: Die Seelsorgerinnen und Seelsorger sind sehr zufrieden mit ihrer Lebensart und mit ihrer Arbeit!

domradio.de: Gibt es Unterschiede?

Prof. Jacobs: Sie sind alle gleich zufrieden! Sie sind zufriedener als der Durchschnitt der Bevölkerung. In NRW ist die durchschnittliche Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0-10 bei 7.0. Bei den Seelsorgern liegt sie bei 7.6. Sie sind also eine sehr zufriedene Gruppe in unserer Gesellschaft.

domradio.de: Man hört aber immer wieder von Überlastungen bei den Seelsorgern?

Prof. Jacobs: Wir fragen uns, woher dieses Gefühl der Überlastung kommt. Die Seelsorger sind weniger Burn-Out-gefährdet als beispielsweise Ärzte und Sozialarbeiter, trotz einer sehr hohen Arbeitszeit. Sie liegt bei Priestern zwischen 52 und 58 Wochenstunden und beim Laienpersonal bei 45 Stunden. Sie arbeiten also sehr viel. Es muss also ein sehr erfüllender Beruf sein. Dieses Gefühl von Überlastung kann daher kommen, dass der momentane Umbau der pastoralen Strukturen wohl sehr viel Kraft kostet.

domradio.de: Spielt die Größe der Seelsorgebereiche eine Rolle?

Prof. Jacobs: Die Größe der seelsorglichen Einheiten liegt zwischen 1.000 und 20.000 Katholiken. Aber wir haben keinen Unterschied in der Belastungsstruktur gefunden! Wir vermuten, es liegt an der Art und Weise, wie die Seelsorger miteinander und mit den Gläubigen umgehen. Das ist wichtiger als die reine Größe des Seelsorgebereichs.

domradio.de: Gibt es Ausnahmen bei der Zufriedenheit?

Prof. Jacobs: Es ist natürlich immer ein Durchschnitt. Es gibt auch eine große Gruppe von Seelsorgern, die Belastungen haben. Auf bestimmt 20% der Befragten sollte man ein Auge haben, da ist der Gesundheitszustand nicht zufriedenstellend. Die seelsorglichen Strukturen müssen an die Charismen der Menschen angepasst werden, da ist das Verhältnis von Person zur Tätigkeit in vielen Fällen noch nicht stimmig.

domradio.de: Was empfehlen Sie nun den Entscheidern?

Prof. Jacobs: Sowohl den Verwaltern als auch den Seelsorgern möchte ich ans Herz legen, die spirituelle Dimension des priesterlichen und seelsorgerlichen Dienstes viel stärker in die Planung miteinzubeziehen. Die Spiritualität ist für die Arbeits- und Lebenszufriedenheit eine ganz wichtige Arbeits- und Lebensquelle. Eine positive Gottesbeziehung ist ausschlaggebend. Eine Ressource die nicht verplant werden darf, die freigesetzt werden muss in den pastoralen Strukturen.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

(dr)

Seelsorge

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