Blumen erinnern an Angriffe in der Silvesternacht
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Woelki mit jungen Flüchtlingen
Woelki mit jungen Flüchtlingen

14.01.2016

Woelki zu Übergriffen in Silvesternacht "Sexistische Gewalt und Rassismus nicht hinnehmbar"

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln hat Kardinal Woelki vor einer Spaltung der Gesellschaft gewarnt. Zudem forderte er einen besseren Schutz für Frauen und wandte sich gegen Vorverurteilungen.

Sein Mitgefühl gelte den Frauen, die "durch entwürdigende Bemerkungen und Berührungen und Attacken (...) aufs Tiefste in ihrer weiblichen Würde verletzt wurden", sagte Woelki am Mittwochabend vor Journalisten der Landespressekonferenz in Düsseldorf. Zugleich betonte der Erzbischof: "Es hat mich betroffen gemacht, wie mit einem Mal ein solches Ereignis eine Gesellschaft spaltet und destabilisiert." Selbst der Mittelstand oder Juristen stellten inzwischen den Rechtsstaat infrage. 

Nach den Übergriffen der Silvesternacht seien er selbst sowie Mitarbeiter im Erzbistum auch persönlich "aus rechten und braunen Kreisen mit Hass-Attacken angegriffen" worden, berichtete Woelki. Er könne damit umgehen, aber es tue ihm Leid für seine Mitarbeiter, die damit konfrontiert würden. 

Besserer Schutz für Frauen

Attacken wie die in Köln seien "für einen Rechtsstaat nicht tragbar und nicht hinnehmbar", so der Kardinal. Solche Übergriffe dürften sich nicht wiederholen, "weder in Köln, noch in Deutschland, noch in Europa oder in der Welt", unterstrich der Kölner Erzbischof. Jedwede sexuelle Gewalt habe "keinen Platz in unserer Gesellschaft". Woelki forderte dazu auf, "gegen alle Formen des Sexismus" vorzugehen.

Frauen müssten zukünftig einen besseren und stärkeren Schutz haben. Das gelte auch für Vergewaltigung in der Ehe. Es solle bereits als "übergriffig" bewertet werden, wenn eine Frau klar signalisiere, "dass jeder Kontakt ausgeschlossen ist", es aber trotzdem dazu komme. Die Gesamtgesellschaft sei gefragt, damit sich Vorkommnisse wie in der "schrecklichen Nacht" von Köln nicht wiederholten.

Kein Generalverdacht gegen Flüchtlinge

Der Kardinal mahnte, es müsse unvoreingenommen aufgeklärt und sachlich analysiert werden, dürfe aber keine Vorverurteilung geben. Wenn 1.000 Fußballfans randalierten, dürften deshalb auch nicht alle Fußballfans an den Pranger gestellt werden, so Woelki. Ebenso müsse gelten: Sollten Flüchtlinge in Köln Straftaten begangen haben, "wird man nicht die gesamte Flüchtlingslandschaft unter Verdacht stellen."

Rund um den Hauptbahnhof waren an Silvester Hunderte Frauen umzingelt, begrapscht und ausraubt worden. Bis Mittwoch gab es 581 Anzeigen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die meisten Täter aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum stammen, unter den Verdächtigen sind auch Asylbewerber. Am vergangenen Sonntag hatten in Köln rechte Gewalttäter gezielt Ausländer verfolgt und angegriffen.

(KNA, epd, dpa)

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