Großherzog Henri von Luxemburg und seine Familie kamen zur Privataudienz
Großherzog Henri und Familie

21.03.2016

Luxemburgs Großherzog Henri zur Audienz im Vatikan Adelsvisite beim Papst

Mit Großfamilie erschien das Staatsoberhaupt des kleinen Landes vor Papst Franziskus. Heute ist Luxemburgs Großherzog Henri in erster Linie Repräsentationsfigur - auch weil er der Regierung zu katholisch agierte.

Europas katholischer Hochadel pflegt gute Verbindungen in den Vatikan und ist dort häufig gesehener Gast. Das gilt auch in Zeiten eines Papstes der kleinen Leute. Am Montag empfing Franziskus den Luxemburger Großherzog Henri mit seiner Familie. Neben Gattin Maria Teresa waren auch die fünf Kinder und drei Enkelkinder des Paares mit nach Rom gereist. Gleichwohl war es auch ein Staatsbesuch, denn Henri fungiert als Staatsoberhaupt des einzigen Großherzogtums der Welt, sein Konterfei ziert die Euromünzen des kleinen Landes im Herzen Europas.

Einsatz für Religionsfreiheit

Hinter den Heiligen Mauern erfreut sich der 60-jährige Blaublütige besonderer Sympathien: 2009 erhielt Henri wegen seines Einsatzes für die Religionsfreiheit den Van-Thuan-Menschenrechtspreis des Vatikan.

Seine aus Kuba stammende Frau war schon 2014 einmal zur Audienz bei Franziskus. Sie ist als UNESCO-Botschafterin des guten Willens tätig und engagiert sich in der Entwicklungshilfe. Zur Audienz am Montag erschien sie in einem weißen Kleid, wie es das vatikanische Zeremoniell für katholische Königinnen vorsieht. Auch ihr ältester Sohn, der 1981 geborene Erbgroßherzog Guillaume, lernte Franziskus 2013 bei einer Privataudienz kennen. Henri und Gattin waren zuletzt 2014 zur Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. nach Rom gekommen.

Großherzogtum war immer katholisch geprägt

Luxemburg zählt zu den Kerngebieten der europäischen Christianisierung. Die Benediktinerabtei Echternach war bei ihrer Gründung durch den Heiligen Willibrord im 7. Jahrhundert das erste Kloster iro-angelsächsischer Mönche auf dem europäischen Festland.

Das Großherzogtum war immer katholisch geprägt. Heute sind rund zwei Drittel der 550.000 Luxemburger zumindest nominell Katholiken.

Folgenreicher Wertewandel in Luxemburg

Doch die engen Verflechtungen zwischen Kirche und Staat lösen sich auf. Gegen das System, das ihr seit napoleonischer Zeit großzügige Unterstützung gewährte, haben der liberale Ministerpräsident Xavier Bettel und dessen sozialistische und grüne Koalitionspartner zum Angriff geblasen. Ein im Januar 2015 unterzeichnetes Abkommen zwischen Regierung, Erzbistum und fünf weiteren Glaubensgemeinschaften sieht weitreichende Maßnahmen vor, die vor allem die katholische Kirche berühren. Der Religionsunterricht soll durch einen neutralen Werteunterricht ersetzt werden. Statt der bisher rund 23 Millionen Euro erhalten die Glaubensgemeinschaften nur noch gut sechs Millionen. Auch die Bezahlung neu eingestellter Priester wird der Staat nicht mehr übernehmen.

Was der Kirche vor allem Sorge bereitet: Für die Instandhaltung der oft uralten Kirchengebäude gibt es künftig nur in wenigen Ausnahmen - darunter die Basilika von Echternach - finanzielle Hilfe. Trotzdem sprach Erzbischof Jean-Claude Hollerich von einem gangbaren Kompromiss. "Wir haben einen Kulturkampf vermieden", sagte er damals.

Den hätte die Kirche auch kaum gewinnen können: Mehr als die Hälfte der Luxemburger unterstützt laut Umfragen die Entflechtung von Religion und Staat. Und schon in der Zeit der bis 2013 dominierenden christsozialen Regierungen hatte auch im Großherzogtum ein Prozess des Wertewandels in Politik und Gesellschaft eingesetzt. Das erfuhr Großherzog Henri höchstpersönlich. Als er sich 2008 weigerte, ein vom Parlament beschlossenes Gesetz zur Liberalisierung der Sterbehilfe zu billigen, wurden die Befugnisse des Staatsoberhaupts kurzerhand beschnitten. Die Regierung Bettel liberalisierte 2014 den Schwangerschaftsabbruch und führte die gleichgeschlechtliche Ehe ein.

Bereits 2004 hatte die damalige Führung die eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaft ermöglicht.

Henri, der im Jahr 2000 nach dem Rücktritt seines Vaters Jean an die Spitze des Großherzogtums trat, übt inzwischen eine weitgehend repräsentative Rolle aus. Er ist Ehrenvorsitzender einer Stiftung zur Behindertenhilfe und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Über die Inhalte der Audienz machte der Vatikan keine Angaben. Allzu politisch dürfte es ohnehin nicht zugegangen sein angesichts der anwesenden Kinderschar, über die sich der Papst sichtlich freute.

Christoph Schmidt
(KNA)

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