Papst Franziskus an Palmsonntag auf dem Petersplatz
Papst Franziskus an Palmsonntag auf dem Petersplatz

20.03.2016

Papst beginnt Karwoche mit Palmsonntagsmesse "So viele Flüchtlinge"

Mit der feierlichen Palmsonntagsmesse auf dem Petersplatz hat Papst Franziskus die Karwoche begonnen. Höhepunkte sind am Karfreitag der traditionelle Kreuzweg  und schließlich die Ostermesse mit dem Segen "Urbi et orbi". 

Papst Franziskus hat bei der Palmsonntagsprozession zum Beginn der Karwoche die weit verbreitete Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal Zehntausender Flüchtlinge angeprangert. Es sei notwendig, Verantwortung für das Schicksal dieser Menschen zu übernehmen, forderte das Kirchenoberhaupt am Sonntag in seiner Predigt vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom. "Ich denke an so viele Menschen an den Grenzen, so viele Flüchtlinge."

Auch Jesus sei vor seinem Kreuztod jede Gerechtigkeit versagt worden, ergänzte der Argentinier. Niemand habe Verantwortung für sein Schicksal übernehmen wollen, sagte Franziskus.

Mit der Palmsonntagsprozession eröffnete der Papst traditionell die Karwoche. Der 79-Jährige segnete in einer feierlichen Messe Olivenbaumzweige und Palmen auf dem geschmückten Platz vor dem Petersdom. Die etwa 65 000 Pilger und Gläubige schwenkten Ölzweige, was an Jesu Einzug in Jerusalem erinnern soll. Anschließend grüßte der Papst die Menschen von seinem Papamobil aus und ließ auch einige Kinder mit ihm eine Runde über den Petersplatz fahren.

Für uns verzichtet 

Jesus habe die Menschheit nicht durch triumphale Machtgebärden, sondern durch die eigene Erniedrigung erlöst, sagte er in seiner Predigt. "Die Art und Weise des göttlichen Handelns mag uns so fern vorkommen, während wir uns schwer tun, wenigstens ein bisschen von uns selbst aufzugeben.  Er hat für uns auf sich verzichtet; was kostet es uns dagegen, für ihn und für die anderen auf etwas zu verzichten", so Franziskus vor Zehntausenden Gläubigen.

Wer dem Meister folgen wolle, müsse dessen Weg der Selbstverleugnung und der Hingabe für andere gehen. Schmeicheleien und schöner Schein dürften nicht davon ablenken, dass der wahre Wert des Menschen die Liebe sei. Jesus habe nicht als König, sondern als Sklave unter den Menschen gelebt, was im Ritual der Fußwaschung an seinen Jüngern sichtbar werde.

Prozession gemeinsam mit Kardinälen und Bischöfen

Zuvor war der Papst in einer langen Prozession gemeinsam mit Kardinälen und Bischöfen, die Palmwedel in den Händen trugen, über den Petersplatz gezogen. In seiner Predigt zeichnete Franziskus eindringlich den Leidensweg Jesu nach. Nach dem triumphalen Einzug in Jerusalem am Palmsonntag habe sich die Menge nur Tage später von ihm abgewandt.

Von seinen Freunden verraten und verleugnet, von seinen Peinigern verhöhnt, geschlagen und bespuckt, habe er schließlich die Qualen der Kreuzigung auf sich genommen. "So kommt es zum Kreuzestod, dem schmerzhaftesten und entehrendsten Tod, der den Verrätern, den Sklaven und den übelsten Verbrechern vorbehalten ist."

Die Wirklichkeit der Liebe

Dennoch habe Jesus den Tätern vergeben und darauf verzichtet, vom Kreuz herabzusteigen und das Gesicht eines unbezwingbaren Gottes zu zeigen. Auf dem Gipfel der Vernichtung, habe er so das wahre Antlitz Gottes gezeigt, die Barmherzigkeit.

"So abgründig das Geheimnis des Bösen auch ist, so unendlich ist die Wirklichkeit der Liebe, die den Abgrund durchquert hat und bis zum Grab und in die Unterwelt gelangt; die unser ganzes Leid angenommen hat, um es zu erlösen; um Licht in die Finsternis zu bringen, Leben in den Tod, Liebe in den Hass."

Papst Franziskus erwartet in der Karwoche wieder ein dichtes Programm. Höhepunkte sind am Karfreitag der traditionelle Kreuzweg am Kolosseum und schließlich die Ostermesse mit dem Segen "Urbi et orbi" am kommenden Sonntag auf dem Petersplatz.

 

(KNA, dpa)

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