Taizé-Prior Frère Alois
Taizé-Prior Frère Alois
Osttimors Premierminister zu Besuch beim Papst
Osttimors Premierminister zu Besuch beim Papst

03.03.2016

Papst empfängt Frère Alois und Osttimors Regierungschef Audienzen bei Franziskus

Audienztag beim Papst: Frère Alois, Leiter der Gemeinschaft von Taizé, war ebenso zu Besuch bei Franziskus wie der Regierungschef von Osttimor. Thema dieses Gesprächs war die Zusammenarbeit von Staat und Kirche im Kampf gegen Armut.

Frère Alois (61), der Leiter der Gemeinschaft von Taizé, ist am Donnerstag von Papst Franziskus zu einer Privataudienz im Vatikan empfangen worden. Zum Inhalt des Gesprächs machte der Vatikan wie üblich keine Angaben. Frère Alois war zu einer Konferenz an der Päpstlichen Universität Gregoriana nach Rom gereist. Der aus dem schwäbischen Nördlingen stammende Katholik Alois Löser ist seit August 2005 Prior der ökumenischen Bruderschaft. Ihr Gründer Frère Roger Schutz war zuvor ermordet worden.

Von etwas weiter angereist kam der der Premierminister von Osttimor, einem Inselstaat in Südostasien. Der 51-jährige Rui Maria de Araujo traf sich ebenfalls zu einer Privataudienz mit Papst Franziskus. Themen des knapp halbstündigen Gesprächs waren nach vatikanischen Angaben unter anderem die Zusammenarbeit von Staat und Kirche im Kampf gegen Armut sowie im Bildungs- und Gesundheitswesen.

Taizé und Osttimor

Bei einem anschließenden Treffen de Araujos mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin tauschten beide Seiten die Ratifizierungsurkunden für ein Abkommen aus, das die rechtliche Stellung der katholischen Kirche in dem Pazifik-Staat stärkt. Damit tritt das Abkommen in Kraft. Osttimor erkennt der katholischen Kirche darin den Status einer juristischen Person zu. So kann sie etwa direkt Immobilien erwerben und Personal beschäftigen. Der 26 Artikel umfassende Vertrag, der am 14. August unterzeichnet wurde, garantiert der Kirche und ihren Einrichtungen zudem umfassendere Religionsfreiheit.

Der Vertrag ermögliche es der katholischen Kirche, sich noch stärker für das Gemeinwohl einzusetzen, sagte Parolin bei der Zeremonie im Apostolischen Palast. Damit trage die Übereinkunft der historischen Rolle und der gegenwärtigen Bedeutung der katholischen Kirche in Osttimor Rechnung. Zugleich forderte er den Premierminister dazu auf, das Vertragswerk ohne Abstriche anzuwenden.

Eines der wenigen katholischen Länder Asiens

Neben den Philippinen ist Osttimor das einzig überwiegend katholisch geprägte Land Asiens. Mehr als 90 Prozent der rund 1,2 Millionen Einwohner sind Katholiken. Die katholische Kirche spielte eine entscheidende Rolle auf dem Weg zur Unabhängigkeit Osttimors im Jahr 2002. Nach dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft war das Land von 1975 bis 1999 von Indonesien besetzt worden. Der timoresische Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo, eine der Schlüsselfiguren des friedlichen Widerstands gegen die Besatzer, erhielt 1996 den Friedensnobelpreis.

An diesem Donnerstag hat der Papst nicht nur internationale Größen empfangen, er hat auch zu mehr Mitmenschlichkeit in der Medizin und Wissenschaft aufgerufen. Papst Franziskus warnte vor einer materialistischen Weltsicht, der es an Menschlichkeit fehle. Christen dürften nicht modernen Ideologien verfallen, die die von Gott gegebene Realität und den Schutz des menschlichen Lebens infrage stellten, sagte er am Donnerstag vor den Mitgliedern der Päpstlichen Akademie für das Leben im Vatikan. Oft beriefen sich diese Ideologien darauf, nur das Gute für den Menschen zu wollen.

Materialistischen Weltsichten sollte Menschlichkeit nicht fehlen

Dies führe jedoch zu moralischer Verwirrung und Unsicherheit. Die Menschheit verfüge heute über das Wissen und wissenschaftliche Instrumente, um schwaches Leben zu schützen. Allerdings fehle es zuweilen an Menschlichkeit. Neben vorbildlichen medizinischen Einrichtungen mit einer "Passion für das Gute" gehe es anderen Institutionen vor allem um wirtschaftliche Interessen, nicht um das Gemeinwohl. Gerade Mediziner müssten Wissenschaft und Technik aber immer mit Menschlichkeit verbinden.

"Das Gute, das der Mensch tut, ist nicht das Resultat von Kalkulationen oder Strategien, auch nicht das Produkt genetischer Veranlagung oder gesellschaftlicher Prägung, sondern es ist die Frucht eines guten Herzens, der freien Wahl, die zum wahrhaft Guten neigt", so der Papst. "Wissenschaft und Technik reichen nicht: Um das Gute zu vollbringen braucht es die Weisheit des Herzens." Der Mensch wurzele in Gott, der die Quelle der Tugend und alles Guten sei.

Die Mitglieder der Päpstlichen Akademie für das Leben halten sich zu ihrer 22. Vollversammlung in Rom auf. Dabei diskutieren sie über die Rolle der Tugenden für die Ethik des menschlichen Lebens.

(KNA, dr)

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