Vatikan
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Papst Franziskus mit Vatikan-Sprecher Frederico Lombardi
Papst Franziskus mit Vatikan-Sprecher Frederico Lombardi

22.02.2016

Kurienreform verändert die vatikanische Medienlandschaft Lombardi bleibt Papstsprecher

Die von Papst Franziskus eingeleitete Kurienreform erfasst auch den Mediensektor. Papstsprecher und Jesuit Lobardi gibt sein Amt als Intendant von Radio Vatikan ab - bleibt aber ein wichtiger Mann im Vatikan.

Seit 25 Jahren gehört der Jesuit Federico Lombardi (73) zu den wichtigsten Medienleuten des Vatikan. Lange Jahre hatte er gleichzeitig drei Leitungsämter inne. Den Chefposten beim Vatikan-Fernsehen CTV gab er bereits vor zwei Jahren ab. Ende Februar scheidet er als Intendant von Radio Vatikan aus. Aber sein wichtigstes Amt, die Leitung des vatikanischen Presseamtes, behält der agile Ordensmann weiter.

Gesicht des Vatikan

Nach dem Papst ist der aus dem norditalienischen Cuneo stammende Lombardi das bekannteste Gesicht des Vatikan. Zwar rangiert er als einfacher Ordenspater hierarchisch hinter den Kardinälen, Bischöfen und hohen Prälaten der Kurie. Aber er ist in der Öffentlichkeit ständig präsent, um über Papst und Vatikan zu informieren.

Dabei versteht sich der Jesuit, anders als sein Vorgänger, der dem Opus Dei angehörende Joaquin Navarro-Valls, nicht als Sprecher des Papstes. «Der Papst braucht eigentlich keinen persönlichen Sprecher», sagt Lombardi immer wieder. Denn dieser äußere sich selbst klar und ausreichend genug. Aufgabe des Presseamtes sei es vielmehr, den akkreditierten Journalisten die notwendigen Informationsquellen, die autorisierten Texte zur Verfügung zu stellen, Pressekonferenzen zu organisieren - und auch Missverständnisse zu klären.

Holocaustleugner und Vatileaks-Affäre

Und daran mangelte es dem polyglotten Jesuiten, der das Aussehen eines italienischen Intellektuellen mit transalpiner Klarheit und Präzision verbindet, keineswegs. Seine Feuerprobe musste er bald nach seinem Amtsantritt im Herbst 2006 nach der «Regensburger Rede» und den erregten islamischen Reaktionen bestehen. Später folgten die Affären um den Holocaustleugner Richard Williamson und den Vatileaks-Dieb Paolo Gabriele. Mit dem Medien-Image von Papst Franziskus hat er es seit fast drei Jahren leichter. Aber auch hier sind mitunter Deutungshilfen geboten: wenn der Papst aus Argentinien verbal zu sehr zuspitzt oder ein Papstgast Interna aus einer Audienz ausplaudert.

Im Zuge der von Papst Franziskus eingeleiteten Kurienreform gibt Lombardi nun sein Amt als Intendant des Papstsenders ab, gleichzeitig mit dessen Verwaltungschef Alberto Gasbarri (70), bekannter als Reisemarschall des Papstes. Ihre Stellen wurden nicht einfach neu besetzt. Vielmehr soll Giacomo Ghisani «ad interim» den Sender während der Umstrukturierung der Vatikanmedien juristisch und administrativ leiten.

Mit einem Erlass vom 27. Juni 2015 hatte Franziskus ein «Kommunikationssekretariat» gegründet, unter dessen Dach die vatikanischen Medienbereiche zusammengeführt werden sollen. Präfekt der neuen Behörde wurde der frühere CTV-Chef Dario Edoardo Vigano, ein Geistlicher. Zum Generaldirektor und dessen Stellvertreter machte der Papst zwei Laien: Paolo Nusiner von der Zeitung «Avvenire», und eben Ghisani.

Auch Laien in Spitzenpositionen

Weiter soll es im neuen Sekretariat drei Abteilungen geben, an deren Spitze ebenfalls Laien stehen: Chef der technischen Abteilung wurde Francesco Masci, der bislang den vatikanischen Internetdienst betreute. Als Direktorin der theologisch-pastoralen Abteilung berief Vigano die slowenische Theologiedozentin Natasha Govekar. Sie soll einige der Aufgaben übernehmen, die bislang der Päpstliche Medienrat unter Erzbischof Claudio Celli versah. Die geplante Abteilung für verlegerische Aufgaben ist noch nicht besetzt.

Mit dem Wechsel bei Radio Vatikan teilte Vigano jetzt weitere Einzelheiten seines Zeitplans für den Umbau der vatikanischen Medienlandschaft mit - der dem Vernehmen nach vier Jahre dauern soll.

Bereits seit Jahresbeginn sind der in Abwicklung befindliche Medienrat und das Presseamt verwaltungsmäßig in das Sekretariat integriert. Das ändere freilich nichts an der Zuständigkeit für die vatikanische Informationsgebung, heißt es. Hierfür - also für die Verbreitung von Papsttexten, Bischofsernennungen oder Rechtsakten - sei weiterhin das Staatssekretariat zuständig.

Derzeit steht auf der Agenda des Kommunikationssekretariats die Zusammenlegung von Radio Vatikan und CTV. Die übrigen Medienbereiche wie die Zeitung «Osservatore Romano», Druckerei und Verlag oder das Internetbüro dürften dann in nächsten Schritten zur Revision kommen.

Johannes Schidelko
(KNA)

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