Bischof Felipe Arizmendi von San Cristobal de las Casa
Bischof Felipe Arizmendi von San Cristobal de las Casa

09.02.2016

Wie Franziskus den Indigenen im Land Mut machen will Hoffnung für die Maya-Völker Mexikos

Wenn der Papst am Montag in den armen Bundesstaat Chiapas im Süden Mexikos kommt, ist Felipe Arzimendi Esquivel der Gastgeber. Der Bischof von San Cristobal de las Casas gilt als enger Vertrauter von Papst Franziskus.

domradio.de: Der Besuch des Papstes ist ein Pastoralbesuch – wird er auch politisch sein?

Felipe Arizmendi Esquivel (Bischof von San Cristobal de las Casas):  Der Glaube kann die Politik, die Wirtschaft, die Wirklichkeit nicht außen vor lassen. Ein Glaube, der nur in der Sakristei bleibt, hat doch keinen Nutzen. Wenn der Glaube nicht dazu beiträgt, die Welt besser zu machen, macht er keinen Sinn. Wenn wir uns in diesem Sinn die bisherigen Lateinamerika-Reisen von Papst Franziskus anschauen, dann ist er nach Brasilien zum Weltjugendtag gefahren und hat auf dem Weg in die USA einen Abstecher nach Kuba gemacht. Aber ansonsten ist er eben nicht in die Länder gereist, denen es einigermaßen gut geht – nach Argentinien oder Chile oder auch Costa Rica. Nein, er war in Bolivien, Ecuador und Paraguay – nach dem Karibikstaat Haiti mit die ärmsten des Kontinents. Und auch hier in Mexiko besucht er eben nicht besser gestellte Städte wie Guadalajara oder Monterey, sondern auch hier geht er wieder an die Ränder der Gesellschaft und konzentriert sich vor allem auf die Armen und die, die leiden.

domradio.de: Also geht es Franziskus auch auf dieser Reise vor allem wieder um die Armen und Ausgeschlossenen?

Felipe Arizmendi Esquivel: Auf jeden Fall. Als Lateinamerikaner trägt Papst Franziskus die Anliegen der lateinamerikanischen Kirche im Herzen – die Sorge um die Armen und über die vielen gewaltsamen Konflikte. Damit bringt er etwas spezifisch Lateinamerikanisches in die Weltkirche ein. Er sagt: "Lasst uns uns mehr um die Armen kümmern!" Das ist ja geradezu eine Obsession des Papstes. Er sagt: "Verzeiht mir, dass ich so darauf dränge. Aber auch im Evangelium stehen die Armen im Mittelpunkt. Jesus Christus selbst hat sich ganz klein und arm gemacht. Wir können also gar nicht anders, als die Armen ins Zentrum zu stellen!" - Auch hier Chiapas haben wir in den letzten Jahrzehnten Fortschritt erlebt, aber der Kampf gegen die Armut muss weitergehen, es bleibt noch viel zu tun.

Es geht also um Sozialpolitik, um Wirtschaftspolitik und Demografie. Und der Papstbesuch hat selbstverständlich mit alle dem zu tun. Wobei Franziskus natürlich nicht kommt, um eine bestimmte Partei zu unterstützen oder eine Regierung, sondern die Menschen. Hier in San Cristobal hat sich schon vieles geändert. Früher standen die Indigenen am Rand, heute machen sie die Mehrheit der Bevölkerung aus und kein Politiker kommt an ihnen vorbei, ihre Stimmen zählen. Trotzdem gibt es noch immer Leute hier, die die Indigenen nicht akzeptieren; es gibt genügend Leute, denen es ganz und gar nicht passt, dass der Papst ausgerechnet zu den Indigenen hier in Chiapas kommt. Der Rassismus bleibt trotz all unserer Bemühungen eine Riesenaufgabe. Und wenn der Papst ausgerechnet hierhin kommt, dann natürlich, weil die Indigenen seine Unterstützung ganz besonders brauchen. Das ist genau wie in einer Familie, in der die Eltern sich ja auch nicht am meisten um die hübschen und fleißigen Kinder kümmern, sondern um die mit den meisten Problemen. Wenn wir als Kirche uns als Familie sehen, dann muss natürlich die Sorge um die Ärmsten unsere Priorität sein. 

domradio.de: Was will Papst Franziskus mit seinem Besuch gerade in Chiapas zum Ausdruck bringen?

Felipe Arizmendi Esquivel: Franziskus kommt zu uns nach San Cristobal, damit die Indios besser integriert werden – in die Kirche und die Gesellschaft. Franziskus zeigt mit seinem Besuch, dass er ein besseres Leben für alle hier in Mexiko wünscht. Wenn es ihm nur um den Besuch als Besuch ginge und dieser keine Spuren hinterlassen würde, könnte er ja genauso gut in Rom bleiben. Und in diesem Sinn hat er auch seine Stationen in Mexiko ausgesucht.  Zuerst fährt er zum Wallfahrtsort Guadalupe, einem Ort, der sehr wichtig ist für den Volksglauben. Dann fährt er in den Bundesstaat Michoacán, der von Gewaltexzessen rund um den Drogenhandel geprägt ist. Die Grenzstadt Ciudad Juarez steht wegen der vielen Migranten auf dem Programm - und San Cristobal besucht er  wegen der Armen, vor allem auch der Indigenen. Er will allen den Trost Gottes mitbringen; aber sein Besuch ist auch ein Appell an die ganze Kirche: "Seid offener, seid großzügiger, dreht euch nicht um euch selbst!"

domradio.de: Wie wird die Messe gestaltet sein, die Papst Franziskus in San Cristobal feiern will?

Felipe Arizmendi Esquivel: Diese Messe wird viele indigene Elemente haben. Zum einen werden die allermeisten Besucher des Gottesdienstes Indigene sein, nicht nur hier aus der Gegend, sondern aus dem ganzen Land und auch aus Guatemala – also Vertreter verschiedener indigenen Völker. Dementsprechend werden die Texte in der Messe in verschiedenen indigenen Sprachen vorgetragen: Die erste Lesung wird auf Chol sein, der Psalm in Tzotzil, das Evangelium in Tzeltal, jeweils von Indigenen vorgelesen. Außerdem wird es ein Gebet geben, in dem jeder auf seiner Sprache zu Gott spricht. Und nach der Kommunion wird es einen rituellen Tanz als Danksagung geben – nicht als Folkore, sondern als getanztes Gebet. Außerdem wird der Papst ein Messgewand und eine Mitra tragen, die mit indigenen Symbolen geschmückt sind – genauso wie der Bischofsstab. Auch der Altar wird mit indigenen Symbolen dekoriert sein, zum Beispiel der Maya-Pyramide von Palenque. All das, damit der Glaube in einer Kultur sichtbar wird, einer Kultur die sich erst in Jesus Christus voll entfaltet. Außerdem wird es zwei künstliche Wasserfälle geben, denn das Wasser ist Leben und hier in Chiapas haben wir sehr viel Wasser. Es geht dabei nicht nur um das Wasser als Element, sondern auch um das spirituelle Wasser. Wir haben also eine Kombination aus der indigenen Theologie – die indigenen Elemente sind Zeichen der Gegenwart Gottes – der Gegenwart Gottes, die sich in Christus vollendet. Und wir als Kirche dürfen diese Wurzeln des Glaubens nicht verneinen, wir dürfen sie nicht zerstören, sondern wir müssen zulassen, dass sie in Jesus Christus reiche Frucht bringen.

domradio.de: Wer war für die Gestaltung der Messe zuständig? 

Felipe Arizmendi Esquivel: Wir haben die Gestaltung der Messe mit den indigenen Gemeinden zusammen erarbeitet. Und mit ihnen haben wir auch die acht indigenen Vertreter ausgewählt, die gemeinsam mit Franziskus essen werden, einen Priester, eine Ordensfrau, eine junge Frau, ein Seminarist, ein Katechet, eine Katechetin und ein Diakon mit seiner Ehefrau.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(dr)

Papst Franziskus

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