Ein Mariachi-Hut für die Papst-Statue
Ein Mariachi-Hut für die Papst-Statue

01.02.2016

Papst Franziskus reist in die Hochburgen der Gewalt Als Friedensbotschafter in Mexiko

Mexiko und sein Drogenkrieg stehen für eine neue Qualität von Kriminalität und Morden in Lateinamerika. Nun setzt das Land Hoffnungen in einen Besuch von Papst Franziskus.

Am 12. Februar reist der Papst aus Argentinien zum vierten Mal nach Lateinamerika. Wieder ist es nicht sein Heimatland, das er besucht, sondern einer der anderen Krisenherde seines Heimatkontinents: Mexiko. Dass er damit zugleich auch das bevölkerungsreichste spanischsprachige Land und die (nach Brasilien) zweitgrößte katholische Nation der Erde besucht, unterstreicht die Bedeutung dieser zwölften Auslandsreise in den ersten drei Jahren seines Pontifikats.

Papst löst diplomatische Krise aus

Beinahe wäre die Reise nicht zustande gekommen: Franziskus persönlich hatte eine kleine diplomatische Krise zwischen dem Heiligen Stuhl und Mexiko ausgelöst, als er in einem Brief angesichts vieler Drogendelikte in seinem Heimatland vor einer "Mexikanisierung" Argentiniens gewarnt hatte.

Diese Wortwahl löste in Mexiko Verstimmung aus. Wenig später korrigierte Franziskus den Ausrutscher in einem Fernseh-Interview. Zugleich betonte er seinen Wunsch, nach Mexiko zu reisen, den er bereits bei früheren Gelegenheiten bekundet hatte. Doch die Verstimmung ist bis heute nicht völlig vergessen.

Drahtseilakt zwischen Staat und Kirche

Sein religiöses Programm beginnt der Papst in der Basilika von Guadalupe, dem wichtigsten Marienwallfahrtsort des amerikanischen Kontinents. Wie fast alle lateinamerikanischen Katholiken verehrt auch Franziskus die Jungfrau von Guadalupe, die für die Annahme des Christentums unter der Urbevölkerung und den Mestizen enorm wichtig war. Zuvor trifft er mit Staatspräsident Enrique Pena Nieto und dann auch mit den mehr als 100 mexikanischen Ortsbischöfen zusammen.

Was heute protokollarische Routine ist, war bei Papstbesuchen im 20. Jahrhundert noch ein Drahtseilakt zwischen Staat und Kirche. Kaum ein Land der Erde hatte eine so stramm antiklerikale Verfassung wie Mexiko - Frucht der jahrhundertealten Kämpfe zwischen pro-kirchlichen und laizistischen Kräften in dem einst von Bürgerkriegen zerrissenen Land.

Drei unterschiedliche Botschaften

Ganz bewusst hat der Papst bei seiner Reise drei Orte in den Mittelpunkt gestellt, deren Namen in Mexiko und darüber hinaus für Gewalt und Blutvergießen stehen. Genau dort will er als Botschafter für Frieden und Versöhnung auftreten. Und da er in seiner spanischen Muttersprache reden wird, kann er dabei alle rhetorischen und politischen Register ziehen, über die er verfügt.

Die Eckpunkte sind Chiapas im Süden, Morelia im Westen und Ciudad Juarez im Norden. Jeder dieser Orte bedeutet eine andere Botschaft.

In der Provinz Chiapas, wo seit Jahrhunderten die Ureinwohner in immer neuen, oft grausamen Aufständen gegen die Herrschaft der Weißen und der Mestizen gekämpft haben, wird der Papst sich auf die kirchlichen Vermittler und Indio-Verteidiger Bartolome de las Casas (1484-1566) und Samuel Ruiz (1924-2011) berufen. Er selbst wird dort einen Menschenrechtspreis erhalten.

Blutgetränkt ist auch die Stadt Morelia im Westen des riesigen Landes. Die Hauptstadt der Provinz Michoacan, die als eine der Hochburgen der mexikanischen Drogenbanden gilt, war Schauplatz von Entführungen und Schießereien, die auch die politische Klasse nicht verschonten. Den Schlusspunkt der Reise bildet nach fünf Tagen der Besuch in der Stadt Ciudad Juarez, sie grenzt an El Paso in Texas.

Gefängnisbesuch in Ciudad Juarez

Der Name Ciudad Juarez steht noch mehr als Morelia für den Drogenkrieg, der das Land zu Beginn des 21. Jahrhunderts an den Rand der Anarchie getrieben hat. 2010 wurden allein dort 3.000 Menschen ermordet. Inzwischen scheinen die bürgerkriegsähnlichen Zustände überwunden, und der Besuch des Papstes - einschließlich einer Visite in einem der größten und gefürchtetsten Gefängnisse des Landes - könnte ein weiteres Hoffnungssignal werden.

Neben dem Drogenkrieg dürfte noch ein anderes politisches Themen beim Papstbesuch in Ciudad Juarez eine wichtige Rolle spielen: Die seit Jahrzehnten anhaltende, zumeist illegale Migration vom armen Süden des amerikanischen Kontinents in den reichen Norden. Was Franziskus dazu an der mexikanisch-texanischen Grenze sagt, wird vermutlich auch im US-amerikanischen Wahlkampf Beachtung finden.

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

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