Nikolaus Harnoncourt starb im Alter von 86 Jahren
Nikolaus Harnoncourt starb im Alter von 86 Jahren

06.03.2016

Der österreichische Musiker Nikolaus Harnoncourt ist tot "Die Kunst als Nabelschnur zum Göttlichen"

Der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt ist am Samstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner würdigte Harnoncourt als "großen Musiker" und "wertvollen Menschen".

Harnoncourts Familie gab den Tod des weltberühmten Musikers am Sonntag bekannt. Er hatte sich erst vor wenigen Monaten aus dem Konzertleben zurückgezogen. Der Cellist war einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis für Alte Musik. Als Gastdirigent zahlreicher Spitzenensembles zählte Harnoncourt zu den weltweit angesehensten Orchesterleitern. So dirigierte er wiederholt das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Der gebürtige Berliner kam aus einem katholischen Elternhaus und wuchs in Graz auf. Sein Bruder, Philipp Harnoncourt, ist Priester und Theologe. "Wir Musiker", sagte Nikolaus Harnoncourt einmal, "haben eine machtvolle, ja heilige Sprache zu verwalten. Wir müssen alles tun, dass sie nicht verloren geht im Sog der materialistischen Entwicklung. Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwage, sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet".

Möglichst nah am Original

Der Spross eines luxemburg-lothringischen Adelsgeschlechtes studierte Cello in Wien und wurde 1952 bei den dortigen Symphonikern aufgenommen. Kurz darauf gründete er mit seiner Frau und Orchesterkollegen den Concentus Musicus Wien. Das Ensemble verschrieb sich einer Aufführungspraxis, die auf Originalinstrumenten dem ursprünglichen Klang von Renaissance- und Barockmusik so nahe wie möglich kommen wollte.

Mit diesem Ansatz gelangen Harnoncourt herausragende Interpretationen bei Plattenaufnahmen und Konzerten auf der ganzen Welt. Einen Zentralpunkt bildet dabei das komplette Kantatenwerk Bachs, das gemeinsam mit Gustav Leonhardt im Rahmen eines fast 20 Jahre dauernden Projektes aufgenommen wurde.

Erfolgreicher Dirigent und Autor

1972 begann Harnoncourt, auch zu dirigieren. 1975 startete die langjährige Zusammenarbeit mit dem Concertgebouw Orchester in Amsterdam. 1983 debütierte er am Dirigentenpult der Wiener Symphoniker, 1984 bei den Wiener Philharmonikern, 1987 an der Wiener Staatsoper und 1992 bei den Salzburger Festspielen.

Als Autor vielbeachteter Bücher und als Pädagoge versuchte Harnoncourt, seine Einsichten über das Dialogische der Musik zu vermitteln. 20 Jahre lang unterrichtete er als Professor für Aufführungspraxis an der Musikuniversität Mozarteum in Salzburg.

Gegen den Strom

Gegen heftigen Widerstand des etablierten Musikbetriebs sorgte Harnoncourt, der selbst historische Instrumente sammelte, für eine Blüte des werkgetreuen Musizierens. Zu seinen Favoriten zählen Mozart und Haydn. Seit 1985 gibt es in Graz die "Styriarte", Harnoncourt gewidmete Klassik-Festspiele, die rasch großes Ansehen gewannen. 2012 wurde der Dirigent mit dem Romano-Guardini-Preis der Katholischen Akademie in Bayern ausgezeichnet.

Betroffen reagierte am Sonntag der Salzburger Erzbischof Franz Lackner auf die Nachricht vom Tod des Dirigenten: "Er war einer der ganz Großen. In seiner Arbeit ist er nie dem Zeitgeist gefolgt. Mit seinen bahnbrechenden Interpretationen hat er uns Neues entdecken lassen." Mit dem Tod Harnoncourts verliere man vor allem aber auch einen wertvollen Menschen, betonte der Erzbischof.

(KNA)

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