31.12.2015

Der Papst und Namensgeber für das Ende des Jahres Silvester I.

Silvester - so heißt der letzte Tag im Jahr. Doch was steckt eigentlich dahinter? domradio.de erklärt was der Namensgeber Papst Silvester I. mit dem letzten Tag im Jahr zu tun hat.

Silvester – die meisten verbinden mit diesem Wort ausgelassene Partys und Feuerwerk. "Ende des Jahres, da kommt dann das heidnische Brauchtum mit hinein, dass die bösen Geister vertrieben werden müssen. Mit viel Radau und Tammtamm", hat Franz-Josef Barlage 2010 im domradio.de-Interview gesagt. Der 2013 verstorbene Pastor, hatte sich zu Lebzeiten besonders mit dem Heiligen Silvester befasst und ein Buch geschrieben. In Deutschland gibt es nämlich 18 Kirchengemeinden, die nach dem Heiligen Silvester benannt sind. Eine davon ist die in Nordrhein-Westfalen - genauer im münsterländischen Erle - gelegene Silvestergemeinde. Dort war er 18 Jahre lang Pfarrer. Über seine Entdeckungen und Erkenntnisse hat er während seiner Zeit als Gemeindepfarrer ein Buch geschrieben – "Sankt Silvester - Papst und Kirchenpatron".

Zwischen Christenverfolgung und Duldung der Christen

Silvester startete seine kirchliche Laufbahn in einer Zeit, in der das Christentum im Römischen Reich noch unterdrückt wurde. Nachdem er in einer etwas ruhgieren Zeit zum Priester geweiht wurde, startete Kaiser Diokletian aber im Jahr 284 erneut mit einem Edikt die brutale Verfolgung der Christen. Das Edigt verbot die christlichen Gottesdienste, ordnete die Zerstörung von Kirchen, die Verbrennung christlicher Schriften und die Inhaftierung von christlichen Staatsbeamten an. Zu dieser Zeit versteckten sich viele Christen - so auch Silvester. Er lebte mit anderen Christen in einem Versteck in der Nähe von Rom.

Doch dann folgte die Wende – die konstantinische Wende. Nach 200 Jahren der Angst und der Gewalt setzte der neue Kaiser Konstantin durch, dass die Christen von nun an geduldet wurden. Silvester trat sein Amt als römischer Bischof im Jahr 314 an. Das war ein Jahr, nachdem die römischen Kaiser Konstantin der Große und Licinius 313 die christliche Kirche anerkannt hatten und im Edikt von Mailand jedem Bürger des Reiches das Recht auf freie Religionsausübung gewährt hatten. "Wir wissen kaum etwas über ihn, außer, dass er in einer entscheidenden Phase der Geschichte gelebt hat", erklärt der Heiligenforscher Manfred Becker-Huberti bei domradio.de.

Legenden um Stier und Taufe des Kaisers

Belege zu Silvesters Taten und Worten gibt es also kaum, dafür entwickelten sich zahlreiche Legenden. Im  5. Jahrhundert entstanden einige, die berichten, dass Silvesters einflussreich darauf eingewirkt habe soll, dass die Christen integriert wurden: Er heilte und bekehrte demnach unter anderem den angeblich aussätzigen Kaiser. Die Legende sagt auch, dass er Kaiser Konstantin getauft haben soll. Das ist allerdings geschichtlich nicht haltbar. In der um 754 entstandene Urkunde "Konstantinische Schenkung"  wurde Rom der Vorrang über alle Kirchen zuerkannt und dem Papst die Herrschaft über die Stadt Rom, ganz Italien und die Westhälfte des Römischen Reichs übertragen. Es handelt sich bei der angeblichen Urkunde allerdings um eine der größten Fälschungen mittelalterlicher Urkunden.

Eine Legende erzählt auch von einer Begegnung mit einem Stier, der im Sterben lag. "Silvester geht und spricht den Namen 'Jesus' in das Ohr des Stiers und der Stier trabt lustig von dannen", so erzählte es Pfarrer Barlage damals domradio.de. Heute finden sich die Legenden in vielerlei Kunstzeugnissen und viele dieser Darstellungen sind heute noch in den Kirchen zu bewundern. So auch in Köln. Im Kölner Dom im Chorgestühl, also in dem Bereich, der normalerweise für das Publikum nicht zugänglich ist, gibt es ein Fresko mit Darstellungen der Silvester-Legenden.

Diese Legenden und sein Todestag der 31. Dezember 335, der sich nach dem gregorianische Kalender immer am letzten Tag des Jahres wiederholt, werden bleiben. "Er ist wohl der populärste Papst, nicht wegen seiner Taten, sondern wegen des Datums. Sein Gedenktag liegt halt zufällig auf dem Jahresende", bilanziert Manfred Becker-Huberti.

Melanie Trimborn
(dr)

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