Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte
Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte
Pater Diethard Zils
Pater Diethard Zils

27.01.2016

Pater Diethard ist Sonderbeauftragter des Papstes im Heiligen Jahr Ein Missionar der Barmherzigkeit

Papst Franziskus sendet mit einer Feier an Aschermittwoch 2016 sogenannte "Missionare der Barmherzigkeit" aus. Die Missionare sollen Priester sein, die sich durch Geduld auszeichnen und ein besonderes Verständnis für Menschen in Grenzsituationen haben. Pater Diethard Zils ist einer von ihnen.

"Ausgerechnet an Rosenmontag fliege ich nach Rom", Pater Diethard Zils lacht. Er lebt in Mainz, und da ist es schon ein Opfer, wenn er sich am schönsten Tag im Karneval zum Heiligen Vater aufmacht. Aber sein Lachen ist ein Schelmenlachen, denn natürlich freut er sich auf seine Reise zum Papst. Schließlich hat der Heilige Vater ihn für das Heilige Jahr 2016 zu einem "Missionar der Barmherzigkeit" ernannt. Am Aschermittwoch wird das offiziell, dann bekommt er die Ernennungsurkunde – und am Tag vorher treffen sich alle vom Papst auserwählten Priester, um mit dem Heiligen Vater über ihre besondere Berufung zu sprechen.

"Natürlich war das für mich eine Überraschung", erzählt Pater Diethard, "wieso bekommt man einen solchen Brief aus Rom, dass man als Missionar der Barmherzigkeit ausersehen ist". Später erfuhr er, dass es nicht einmal ein Pater aus seinem eigenen Orden der Dominikaner war, der ihn dafür vorgeschlagen hat, sondern ein Kapuzinerpater, der die Initiative ergriff, und Pater Diethard als Missionar der Barmherzigkeit ins Gespräch brachte.

Besondere Vollmachten

Die Missionare der Barmherzigkeit werden vom Papst mit besonderen Vollmachten ausgestattet. So können sie auch von den Sünden lossprechen, von denen normalerweise nur der Apostolische Stuhl freisprechen kann. "Damit soll der Umfang ihrer Sendung sichtbar werden. Sie sollen vor allem ein lebendiges Zeichen dafür sein, dass der Vater jeden aufnimmt, der seine Vergebung sucht" so Papst Franziskus. Und wenn man Pater Diethard Zils trifft, ist man gleich überzeugt – der Dominikanerpater strahlt Barmherzigkeit aus. "Barmherzigkeit ist ein Herz zu haben für die Armen" sagt er, "das heißt, ein Herz zu haben, das mitlebt mit den Menschen, die in Not sind". Dass er im Heiligen Jahr besondere Absolutionsrechte bei der Beichte hat, ist für ihn aber nur ein Aspekt seiner Berufung. "Ich werde viel unterwegs sein", sagt er, "Vorträge halten, Predigtreihen".

Und predigen kann der Pater. Er ist ein Mann des Wortes. Viele kennen ihn, weil seine Lieder im Gotteslob stehen. So ist "Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt" oder "Kommt herbei, singt dem Herrn" von ihm. Der achtzig Jahre alte Pater steht für die Generation des Aufbruchs im Gefolge des II. Vatikanischen Konzils. Vor allem im Bereich der neuen geistlichen Musik und der Suche nach einer zeitgemäßen Sprache für die Rede von Gott inspirierte er viele, besonders im Rahmen der Jugendarbeit und auf Katholiken- und Kirchentagen. Er arbeitete in Düsseldorf und Bottrop, aber auch in Rom, Sarajevo und Brüssel.

Jedem Menschen mit Freundlichkeit stellen

"Man muss den Menschen mit humaner Offenheit begegnen", ist er überzeugt: "Das heißt, man darf keinen Menschen abschreiben oder für verrückt erklären. Man muss sich jedem Menschen mit Freundlichkeit stellen". Dazu gehört für den frommen Pater auch einen, wie er es nennt, Gottessinn zu haben, das heißt, eine von Gott berührte Lebenseinstellung. "Aber Gott kann man nicht eingepackt nach Hause tragen", erklärt er. Das sei ein Gespür für Gott, das immer mit Zweifeln verbunden sei: "Denn wo ist Gott? Wie äußert er sich? Wie spricht er? Oder ist das nur meine eigene Phantasie, die mir da einen Streich spielt". Der Dominikaner will dieses Gespür für Gott aber nicht anderen aufschwatzen, sondern möchte andere dazu bringen, dass sie dieses Gespür in sich wachsen lassen.

Und dann erzählt er von seinen persönlichen Glaubenserfahrungen, von einer tiefen, großen Krise in seinem Leben. Da sei ihm ein Psalmwort aus der Bibel begegnet. "Nachdem ein Ansatz zur Lösung der Krise gefunden war", sagt er, "erschien mir in diesem Augenblick die Stimme Gottes ganz klar und gegenwärtig: `Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen. Das Netz ist zerrissen und wir sind frei` heißt es in dem Psalm. Und da wußte ich, dass ich frei bin und jubeln kann". Pater Diethard strahlt, wenn er das erzählt. Der Missionar der Barmherzigkeit ist ein überzeugender Sonderbeaufragter des Papstes im Heiligen Jahr 2016.

(dr)

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