Millionenstadt Mossul
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Fast alle irakischen Christen mussten aus Mossul fliehen.
Fast alle Christen mussten aus Mossul fliehen

21.01.2016

IS zerstört christliches Kloster Sankt Elias im Irak "Wenn Tollwut da ist, kann alles geschehen"

Aktuelle Satellitenaufnahmen zeigen: Das historische christliche Kloster Sankt Elias im Irak wurde vom IS komplett zerstört. Politik und Kirche reagieren empört.

Laut Medienberichten machte die Terrororganisation das rund 1400 Jahre alte Kloster in der Nähe von Mossul bereits im Jahr 2014 dem Erdboden gleich. Erst jetzt sorgte sie für Aufsehen, weil die Nachrichtenagentur AP Satellitenaufnahmen von der Zerstörung des Klosters veröffentlichte.

Der  Weltkirchenrat sprach von einer "bestürzenden Nachricht". Die Terrormiliz IS eliminiere mit gnadenloser Brutalität nicht nur Menschen, sondern auch alle Zeichen anderer Religionen und Kulturen, sagte der Internationale Direktor des Ökumenischen Rates der Kirchen, Peter Prove, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Miliz mache in ihrem Sinne "Tabula rasa".

Furcht vor weiteren Zerstörungen

Der chaldäischen Weihbischof Shlemon Warduni nannte die Zerstörung eine "weitere Tragödie". "Diese Nachricht betrübt mich und zerstört mir das Herz", erklärte er gegenüber Radio Vatikan. Die Seminaristen seien alljährlich am Tag des Heiligen Elias zu dem Kloster gepilgert und hätten in den Ruinen die Liturgie gefeiert. "Wenn dieser Krieg nicht aufhört, werden wir noch viele weitere schreckliche Dinge hören. Wenn Tollwut da ist, kann alles geschehen", so der Weihbischof.

Warduni forderte die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf. "Macht Schluss mit diesem Krieg! Wenn die USA, Europa und die arabischen Ländern nicht gemeinsam etwas unternehmen für das, was Gott geschaffen hat, wird es eine Tragödie."

Nur noch wenige Christen in Mossul

Der Komplex südlich von Mossul stammt aus dem späten 6. Jahrhundert. Das Kloster wurde bereits seit der Eroberung durch den persischen Herrscher Nadir Schah 1743 nicht mehr von Mönchen bewohnt. Die Stätte war aber laut der Nuntiatur in Bagdad ein bedeutendes Pilgerziel für chaldäische Christen. Der Gründermönch des Klosters, Mar Elia, wird als Heiliger verehrt.

In Mossul selbst gebe es seit dem Einfall der Terrormiliz im Sommer 2014 nur noch wenige Christen, die über die Vorgänge Auskunft geben könnten, sagte der Botschaftsrat Luigi Cona der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es handele sich um "Behinderte und Alte, die nicht imstande waren zu fliehen". Erst 2008 hatten irakische Archäologen das Kloster Mar Elia untersucht, um den Erhaltungszustand der Ruinen und nötige Renovierungsmaßnahmen zu ermitteln.

Die Kämpfer der Terrormiliz IS zerstören in ihrem Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien systematisch kulturelle und religiöse Stätten und Objekte, die nicht ihren radikalen Vorstellungen entsprechen. Die Vereinten Nationen verurteilen die Taten regelmäßig und sprechen von Kriegsverbrechen.

(Radio Vatikan, epd, kna, ap)

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