Thomas de Maizière
Thomas de Maizière
Bischof Franz-Josef Overbeck
Bischof Franz-Josef Overbeck

19.01.2016

Innenminister de Maizière beim Neujahrsempfang des Bistums Essen Für mehr Respekt und mehr Europa

Bundesinnenminister Maizière sieht den Zusammenhalt der Gesellschaft bedroht. Er kritisierte beim Neujahrsempfang des Bistums Essen einen Verlust an Respekt im gegenseitigen Umgang. Ruhrbischof Overbeck forderte neuen Schwung für die europäische Idee

De Maizière beklagte in Mülheim an der Ruhr, dass gerade im Internet Zivilisationsschranken eingerissen worden seien. So würden in der Flüchtlingsdebatte Politiker als "Hochverräter" oder "Deutschland-Abschaffer" diffamiert. Die Verrohung von Sitten und Sprachgebrauch treffe auch Polizisten, Lehrer sowie Mitarbeiter in Arbeitsagenturen oder Finanzämtern. In den vergangenen zwei Jahren scheine sich zudem eine "Atomisierung von Interessen" vollzogen zu haben, wohl als Reflex auf die globalisierte Welt.

Der Minister plädierte für sachliche politische Auseinandersetzungen. "Der Streit hat unser Land eher zusammengeführt als getrennt", betonte er und verwies auf die Debatten über Wiederbewaffnung oder Nachrüstung. Notwendig sei es aber, sich um Kenntnisse zu bemühen. "Wer auf Sachkunde verzichtet, ist anfällig für Ressentiments und Vorurteile."

Für eine gemeinsame deutsche Identität und den Zusammenhalt der Gesellschaft reicht nach den Worten des Ministers nicht allein die Anerkennung der Werte des Grundgesetzes wie Meinungsfreiheit oder Gleichberechtigung. Dazu gehöre auch etwa das Wissen um Auschwitz. Bestandteil deutscher Kultur sei zudem das besondere Verhältnis der Kirchen zum Staat. "Das ist ein Schatz für unsere Gesellschaft", so de Maizière - auch wenn Politiker nicht immer gerne hörten, was die Kirchen sage.

Overbeck: Europäischen Gedanken neu vertiefen

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck bemängelte, dass die EU als Wirtschaftsunion nicht ausreichend sozial- und gesellschaftspolitisch abgefedert worden sei. Er ermunterte zu neuem Schwung für die europäische Idee. "Das politische Friedenswerk Europas bewegt sich momentan auf dünnem Eis", sagte er. Angesichts der Globalisierung müsse der europäische Gedanke nicht nur verbreitert, sondern sozial effektiv neu vertieft werden.

Rückblickend erschienen die vergangenen Jahrzehnte mit der deutschen Wiedervereinigung in einem vereinten Europa wie "politisch harmlose, fast naive Zeiten", so Overbeck. Neuere nationalistische Töne, sexuelle Übergriffe auf Frauen, terroristische Anschläge und randalierende Hetze auf Ausländer lösten Irritation aus. Auch im Religiösen sei ein "Gefühl der Unsicherheit" gewachsen, etwa durch eine stärkere Präsenz des Islam durch Flüchtlinge. Die Orientierungskraft der Menschenrechte müsse neu zur Geltung gebracht und eine differenzierte Debatte ohne Freund/Feind-Kategorien geführt werden.

(KNA)

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