Beim Friedensgebet in der Thomaskirche
Beim Friedensgebet in der Thomaskirche
In der Leipziger Thomaskirche
In der Leipziger Thomaskirche

12.01.2016

Leipzig protestiert mit Lichterkette gegen Fremdenfeindlichkeit Helles Band für Flüchtlinge

Am Montagabend wurde in Leipzig mit einem Friedensgebet und einer Lichterkette für Weltoffenheit demonstriert. Anlass war der erste Jahrestag der fremdenfeindlichen Legida-Bewegung. Zeitgleich zogen Rechtsextreme randalierend durch Leipzig-Connewitz.

Zum ersten Jahrestag des fremdenfeindlichen Bündnisses Legida haben am Montagabend Leipziger Bürger ein Zeichen des friedlichen Protestes gesetzt. Den Auftakt zu einer Lichterkette rund um den dreieinhalb Kilometer langen Innenstadtring bildete ein ökumenisches Friedensgebet in der Nikolaikirche.

An dem Friedensgebet nahmen rund 850 Menschen teil, darunter Polizeipräsident Bernd Merbitz. Vor einem Jahr waren 2.500 Menschen aus Protest gegen Legida zum Friedensgebet in die Nikolaikirche gekommen, von der die Montagsdemonstrationen der friedlichen Revolution in der DDR ihren Ausgang genommen hatten. Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing musste seine Teilnahme kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen.

Propst Giele ruft zu "Modus der Kommunikation" auf

Es wurde an die Gründung der Ökumenischen Flüchtlingshilfe in Leipzig vor genau einem Jahr erinnert. Superintendent Martin Henker sagte, es sei ein "großartiges und bewegendes Zeichen", dass sich in Leipzig noch immer unzählige Menschen ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren wollten. Es seien mehr als jene auf der Straße, die Angst vor dem Fremden schürten, zeigte sich Henker überzeugt. Martin Henker erklärte, die Lichterkette stehe für die Wahrung des Grundrechts auf Asyl, für eine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen und gegen einen Generalverdacht gegen die Asylsuchenden.

Der katholische Propst Gregor Giele bezeichnete es auf Anfrage als "starkes Zeichen der Leipziger Stadtgesellschaft, dass keine bisherige Legida-Demonstration unwidersprochen blieb". Im vergangenen Jahr habe sich "eine Art Ritus der Konfrontation" eingebürgert. In diesem Jahr sei es die Herausforderung, "wieder in einen Modus der Kommunikation zu finden, denn nur das führt zu einer echten Lösung". Dabei komme der Tradition der Friedensgebete sowie den Kirchen eine besondere Aufgabe zu.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hatte alle Bürger zur Teilnahme an der Lichterkette aufgerufen. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Gesellschaft unterstützen die Aktion. Die örtliche CDU distanzierte sich unterdessen ausdrücklich von der Lichterkette. Deren Kreisvorsitzender Robert Clemen erklärte, die Union habe sich als Institution im vergangenen Jahr nicht an Demonstrationen beteiligt. "Wir werden jetzt auch nicht an einer sozialdemokratisch organisierten Geburtstagsfeier für Legida teilnehmen", so Clemen. Zuvor hatte bereits die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla erklärt, die Ziele der Lichterkette-Organisatoren torpedierten die Bemühungen der Bundesregierung um eine Reduzierung und Eingrenzung der Flüchtlingszahlen.

An einer weiteren, lautstarken Gegendemonstration gegen Legida am nördlichen Innenstadtring nahmen laut der studentischen Statistikinitiative "Durchgezählt" 2.300 bis 2.800 Menschen teil. Sie stand unter dem Motto "Bass statt Hetze" beziehungsweise "NoLegida".

Rechtsextremisten zogen randalierend durch Connewitz

Zugleich hielten Legida-Anhänger eine Demonstration im Stadtzentrum ab. In Dresden fand an diesem Montag deshalb keine Pegida-Demonstration statt.Zum ersten Jahrestag der Legida-Bewegung waren auch Dresdner Pegida-Anhänger nach Leipzig gereist. Am Abend kam es zu rechtsgerichteten Ausschreitungen im Stadtteil Connewitz. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte die sächsische Polizei mit, die Lage in dem als traditionell links geltenden Stadtteil sei am Abend angespannt gewesen. Rund 250 Rechtsextremisten und Hooligans zogen durch den für seine links-autonome Szene bekannten Stadtteil. Sie setzten Autos in Brand, zündeten Pyrotechnik und zerschlugen Dutzende Fensterscheiben.

Die Polizei nahm von 211 Verdächtigen die Personalien auf. 57 Straftaten wegen Verstoßes gegen das Versammlungs-, Waffen-, Sprengstoff- und Betäubungsmittelgesetz wurden den Angaben zufolge festgestellt. Fünf Polizisten seien bei dem Einsatz verletzt worden. Zuvor war am frühen Abend weiteren Medienberichten zufolge auch ein Brandanschlag auf die Bahnstrecke Dresden-Leipzig verübt worden.

Der Leipziger Ableger der Dresdner Pegida-Bewegung hatte bei der ersten Kundgebung vor einem Jahr laut "Durchgezählt" 2.000 bis 3.000 Teilnehmer versammeln können, eine Woche später sogar bis zu 5.000. Allerdings waren die Zahlen danach rasch wieder gesunken, auf zuletzt nur rund 300 Anhänger. An diesem Montag kamen nach Beobachtungen von Augenzeugen rund 2.500 Menschen. Es gehörten am Montagabend auch Pegida-Chef Lutz Bachmann und die ehemalige Dresdner Pegida-Oberbürgermeisterkandidatin Tatjana Festerling zu den Rednern in Leipzig. Aus dem Publikum erschallten immer wieder Rufe wie "Merkel muss weg", "Lügenpresse", "Volksverräter", "Widerstand, Widerstand" und "Putin, Putin".

(epd, KNA, dpa)

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