Hannelore Bartscherer
Hannelore Bartscherer

09.01.2016

Demonstration gegen Hetze und sexuelle Gewalt Gegen die Angst

„Pegida NRW stoppen! Nein zu rassistischer Hetze! Nein zu sexueller Gewalt!" - unter diesem Motto hat das Bündnis "Köln gegen Rechts" zu einer Demo am Hauptbahnhof aufgerufen. Für Hannelore Bartscherer vom Katholikenausschuss der Stadt Köln ein Zeichen gegen die Angst.

domradio.de: Massive sexuelle Übergriffe rund um den Hauptbahnhof in der Silvesternacht. Auch Flüchtlinge sollen unter den Männern gewesen sein, die auf der Domplatte waren, ob sie aber unter den Tätern waren, weiß man noch nicht. Dass sich die Menschen jetzt Sorgen machen, ist klar. Aber wie weit darf diese Sorge gehen. Man muss ja jetzt auch wieder Angst haben, dass Pegida und Co. mit neuer Hetze beginnen.

Hannelore Bartscherer (Vorsitzende des Katholikenausschusses der Stadt Köln): Das werden sie bestimmt! Wer jetzt da übergriffig wurde - es waren ja offensichtlich Gangs, es waren ja offensichtlich junge Männer, die sich in einer Vielzahl da versammelt haben, sowas ist nicht zufällig - das ist kriminell, dafür haben wir Gesetze. Dem muss mit der Härte der Gesetze, die wir haben, begegnet werden. Weil es aus meiner Sicht -  so schrecklich das ist, was da passiert ist - auch noch eine Dimension darüber hat. Das ist ein Angriff auf unseren freiheitlichen Rechtsstaat. Wir fühlen uns in unserem Staat auch mit den Gesetzen und mit der Polizei in der Regel sicher. Natürlich gibt es immer wieder Verbrechen, aber so etwas darf es nicht geben und dafür haben wir Sicherheitsorgane. Und diese Sicherheitsorgane müssen zur Stelle sein. Und wenn es in der Neujahrsnacht so nicht war, dann müssen wir natürlich daraus die Lehre ziehen, dass wir in Zukunft damit anders umgehen. Die zweite Sache ist für mich: Als Frau möchte ich mich in meiner Stadt, an meinem Bahnhof, auf meinem Bahnhofsvorplatz, sicher fühlen. Und ich erwarte, dass diese Sicherheit auch mit den Möglichkeiten, die wir haben, gewährleistet ist. Ich will mich nicht in einer Stadt bewegen, in der ich lebe, und Angst haben müssen - abends, nachts und auch am Tag. Das darf nicht sein!

domradio.de: Auf der anderen Seite gibt es ja auch - gerade bei uns hier in Köln - wirklich eine ganz, ganz engagierte Willkommenskultur. Und es gibt auch sicherlich ganz viele Flüchtlinge, die hier bei uns nur Schutz suchen. Was muss man denn jetzt vielleicht auch tun, damit man diesen Menschen, die hier nur Schutz suchen, nicht schadet?

Bartscherer: Als erstes, denke ich, müssen wir differenzieren. Wir müssen differenzieren, dass Menschen, die vor Terror, Gewalt und Verfolgung hier bei uns Schutz suchen, diesen Schutz erstmal von uns gewährleistet bekommen. Und dafür gibt es diese unglaublich hohe Bereitschaft, willkommen zu heißen. Das finde ich, ist erstmal ein Faktum. Und das, was in der Silvesternacht passiert ist - egal, ob es Flüchtlinge oder Menschen mit deutscher Herkunft oder Menschen mit Migrationshintergrund waren - muss Konsequenzen haben. Menschen, die hier Straftaten begehen, müssen die Konsequenzen dafür tragen, egal, wo sie herkommen. Eine falsch verstandene Vorsicht - um welche Personengruppen geht es da und wie kann ich das thematisieren - finde ich etwas schräg. Das ist falsch gedacht, meine ich.

domradio.de: Heute erstmal die Demonstration. "Köln gegen Rechts" hat zu einer großen Demo aufgerufen und das Bündnis "Köln stellt sich quer" unterstützt ja diesen Aufruf. Wie wichtig ist es da, dass viele Leute teilnehmen?

Bartscherer: Es ist natürlich immer wichtig, dass die Stadtgesellschaft an dieser Stelle auch Flagge zeigt. Wenn viele da sind, glaube ich, ist das ein gutes, richtiges und kraftvolles Zeichen. Tagsüber, angemeldete Demo - ich glaube, da ist auch das Angstpotential nicht groß. Ich kann deswegen auch alle einladen, zu kommen. Aber es ist auch für mich ein Zeichen, dass wir uns nicht von Angst regieren lassen. Wir dürfen nicht ein Verhalten verändern müssen, weil uns äußere Bedingungen dazu zwingen. Das ist das verheerendste, was uns passieren kann und das dürfen wir nicht zulassen. Denn Angst lähmt, macht eng, macht klein und sickert in alles ein. Ich habe das von mehreren schon gehört: Ich komme abends am Hauptbahnhof an, will mich nicht verunsichern lassen und habe trotzdem im Hinterkopf und im Bauch ein ganz merkwürdiges Gefühl. Nein! Das geht nicht! Und dafür brauchen wir dann auch Maßnahmen, unter anderem auch Präsenz von Ordnungskräften, die ich auch sehe und die auch zur Hilfe kommen, wenn ich rufe.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(dr)

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