Ulrich Hennes, Stadtdechant von Düsseldorf
Ulrich Hennes, Stadtdechant von Düsseldorf
Düsseldorfer können sich wieder freuen: Rosenmontagszug wird nachgeholt
Düsseldorfer können sich wieder freuen: Rosenmontagszug wird nachgeholt

10.02.2016

Düsseldorfer Stadtdechant zum neuen Termin für Rosenmontagszug "Eine vertretbare Einzelfallentscheidung"

Düsseldorf wird den ausgefallenen Rosenmontagszug am 13. März nachholen - mitten in der Fastenzeit. Für den Düsseldorfer Stadtdechanten Ulrich Hennes ist dies dennoch eine akzeptable Einzelfallentscheidung, unter Berücksichtigung verschiedener Komponenten.

domradio.de: Wie war denn der Rosenmontag in Düsseldorf? Haben Sie ihn dort erlebt?

Ulrich Hennes: In Düsseldorf muss es doch recht nett gewesen sein, habe ich mir sagen lassen, denn die Menschen haben sich von den Straßen in die Kneipen und dorthin bewegt, wo man feiern konnte. Das folgte ein bisschen dem Motto: "Mit Zug feiern kann jeder". Ich selber bin nicht in Düsseldorf gewesen, sondern hatte die Chance, in Monheim bei einem Karnevalszug dabei zu sein.

domradio.de: Also hatten Sie einen schönen Rosenmontag?

Hennes: Ich hatte einen wunderschönen Rosenmontagszug im Sonnenschein.

domradio.de: Kardinal Woelki hatte ja den 6. März als Termin vorgeschlagen, den Sonntag "Laetare", um den ausgefallenen Rosenmontagszug nachzuholen. Warum dieser besondere Tag?

Hennes: Der Erzbischof hat völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass die Sonntage in der Fastenzeit gar nicht mitzählen, denn sonst käme man nicht auf 40 sondern auf 46 Fastentage. Die Fastenzeit hat 40 Tage, am Sonntag fasten wir traditionell nicht. Insofern ist es, glaube ich, ein ganz guter Kompromiss gewesen, vorzuschlagen, dass man den Umzug in der Fastenzeit an einem Sonntag machen kann. Der vierte Fastensonntag, der 6. März, hat den wunderbaren Titel "Laetare" - "Freue dich". Die Mitte der Fastenzeit ist dann überschritten, man blickt auf Ostern hin. "Freue dich":  Wird dann ein Rosenmontagszug nachgeholt, dann würde das durchaus passen.

domradio.de: Aber die Düsseldorfer haben diesen Vorschlag nicht angenommen, sondern gesagt, sie machen es am 13. März. Warum das?

Hennes: Der Oberbürgermeister hat diesbezüglich zu mir als Stadtdechanten sehr engen Kontakt gehalten. Es gibt einfach eine Fülle von Dingen, die zu berücksichtigen sind, wenn man plötzlich ein Ereignis in einen vollen Kalender des Jahres hineinfügen muss. Am 6. März gab es Bedenken der Polizei wegen anderer Großaktionen, die angemeldet sind. Zudem ist an diesem Tag auch verkaufsoffener Sonntag in Düsseldorf. Das hätte riesige Probleme mit den Einzelhändlern gegeben.

domradio.de: Ist also der verkaufsoffene Sonntag wichtiger als das Kirchenjahr? Kommerz geht vor Kirche - kann man das so sagen?

Hennes: Wir sind als Kirche ja nicht die Veranstalter des Rosenmontagszuges. Wir kämpfen auch in Düsseldorf seit langem für den Erhalt des Sonntags und wir sind als Kirche - und ich auch persönlich - kein Freund von verkaufsoffenen Sonntagen. Die Gesetzeslage ist aber natürlich eine andere. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen und daran hat sich auch ein Oberbürgermeister, der einen Zug genehmigen muss, zu halten. Er hat die vielfältigen Interessen, die es in einer Stadt gibt, zu berücksichtigen und kann hier nur einen guten Weg finden. Zumal der verkaufsoffene Sonntag nicht nur eine gesetzliche Grundlage hat, sondern auch vom Rat der Stadt entsprechend beschlossen worden ist. Da ist der Oberbürgermeister gar nicht so frei. Ganz zu schweigen von dem, was wir als Kirche dagegen noch tun könnten.

domradio.de: Gerade in der Fastenzeit ist ein verkaufsoffener Sonntag doch etwas komisch, oder?

Hennes: Ja. Aber auch ein Rosenmontagszug mitten in der Fastenzeit ist für manchen sicherlich komisch. Ich glaube auch, dass eine ganze Reihe von Christen, auch katholischen Christen, gibt, die diese Idee nicht besonders gut finden. Es geht aber auch nicht darum, zu sagen, wir verändern unser ganzes Brauchtum, wir geben die Fastenzeit auf. Es geht nicht um eine Grundsatzentscheidung. Es geht um eine Einzelfallentscheidung, in diesem Jahr 2016, wo bedauerlicherweise der Rosenmontagszug in Düsseldorf aus guten Gründen nicht hat stattfinden können. Dann muss man sich auch noch überlegen, mit wie viel Liebe auf diesen Tag hin gearbeitet worden ist. Das ist ja nicht nur alles Spaß gewesen. Ein Karnevalsprinz hat ganz viel persönliches Geld investiert und der Höhepunkt fällt dann aus. Ich glaube, hier geht es auch darum, zu schauen, wie man menschlich gesehen noch eine Möglichkeit findet, dass der Zug stattfinden kann. Da finde ich die Idee mit einem Sonntag in der Fastenzeit durchaus machbar. Wir sagen hier, in diesem Jahr 2016 unter diesen besonderen Umständen, brauchen wir eine besondere Kompromissfähigkeit und auch eine besondere Menschlichkeit. Da gilt eigentlich frei nach Jesus von Nazareth der Satz: "Der Mensch ist nicht für die Fastenzeit da, die Fastenzeit ist für den Menschen da." Von daher glaube ich, ist das alles so rechtens. 

domradio.de: Beim Rosenmontagszug in Düsseldorf wird ja traditionell auch die Politik auf die Hörner genommen. Man kann ja nur hoffen, dass dann die Mottowagen noch aktuell sind, denn da kann sich in der Politik ja viel tun, oder?

Hennes: In der Tat. Ich habe selber durch Meldungen wahrgenommen, dass der international für seine politischen Motivwagen bekannte Wagenbauer Jaques Tilly bereits seine Rosenmontagswagen dieses Jahres abgebaut hat und schon bei der Entwicklung neuer ist, weil sich das politische Geschehen so schnell ändert. Tilly sagt selber, in drei bis vier Wochen ist das alles nicht mehr aktuell, deswegen baut er neue Wagen.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(dr)

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