"Miss Germany" Lena Bröder vor einer ihrer Klassen
"Miss Germany" Lena Bröder vor einer ihrer Klassen

25.02.2016

Ein Unterrichtsbesuch bei Deutschlands Schönheitskönigin Reli bei Miss Germany

Sie haben ihr ein riesiges Herz an die Tafel gemalt. Und als die Religionslehrerin Lena Bröder den Klassenraum betritt, wird sie nicht mit "Guten Morgen, Frau Bröder", sondern mit "Guten Morgen, Miss Germany" begrüßt.

Etwa zwei Dutzend Fünftklässler der Anne-Frank-Gesamtschule in Havixbeck sind an diesem Morgen völlig aus dem Häuschen: "Ihre" Frau Bröder ist Deutschlands Schönste. "Das ist total cool, die eigene Lehrerin wird schließlich nicht jeden Tag Miss Germany", macht ein Schützling aus seiner Begeisterung keinen Hehl. "Es ist etwas Außergewöhnliches", findet auch sein Sitznachbar.

Unterricht wird zur Nebensache

Die Doppelstunde Religion wird zur Nebensache. Die Schüler bedrängen sie mit Fragen: Ob sie denn aufgeregt gewesen sei bei der Miss-Wahl? Wie die anderen denn so waren? Ob die Krone schwer ist? Überhaupt, die Krone. "Können Sie die Krone holen? Bitte!", insistiert die Klasse. Und Miss Germany holt das Zeichen ihrer neuen Würde, das sie sicher im Lehrerzimmer eingeschlossen hat. Als sie mit dem funkelnden Teil und der Schärpe zurückkehrt, nehmen die "Ohs" und "Ahs" kein Ende. "Und wie die glitzert ...", flüstert ein Mädchen entzückt.

Seit Sonntag ist die 26-jährige Lena Bröder aus Havixbeck bei Münster neue Miss Germany. So richtig glauben kann sie es selbst noch nicht. Chancen ausgerechnet habe sie sich nicht. "Ich wollte einfach nur dabei sein, Spaß haben." Sechs Jahre habe sie darauf hingearbeitet, an der Miss-Germany-Wahl teilzunehmen - und dabei manche Niederlage eingesteckt.

Für Träume kämpfen, christliche Grundwerte vermitteln

"Ich möchte ein Vorbild sein, dass man für seine Träume und Ziele kämpfen kann", erklärt sie nachdenklich. Und auch wenn sie sich jetzt für ein Jahr beurlauben lassen möchte, um all den Verpflichtungen als Miss Germany nachzukommen: Das Ziel, als Pädagogin an der Schule zu arbeiten, hat die Lehramtsanwärterin für katholische Religion und Hauswirtschaft weiterhin vor Augen. Die Arbeit an der Schule solle schließlich ihr "erstes Standbein" sein.

Ganz wichtig sei es ihr, christliche Grundwerte zu vermitteln, betont die Schönheitskönigin. Das nennt sie die "Basics", nicht die Body-Maße. Allerdings sei es oft schwierig, Schülern in der heutigen Zeit Gott und Religion näherzubringen.

Den katholischen Glauben beschreibt Bröder als "Hintergrundrauschen" ihres Lebens: Gemeinde-Kindergarten, Sternsinger, Pfadfinder - in die Kirche ist sie von klein auf hineingewachsen. Das und auch das Geborgensein in der Familie mit ihren drei Schwestern werde sicher dafür sorgen, dass sie auch als Miss Germany auf dem Boden bleibe. "Ich bin überzeugt, dass ich mir selbst treubleiben werde."

Wunsch eines Treffens mit dem Papst

Trotzdem: Statt im Polo fährt sie nun ein Jahr im Jaguar durch die Welt - und findet das nicht schlecht. Und dass sie nun manche berühmte Persönlichkeit trifft, darauf freut sich die 26-Jährige auch. Am liebsten würde sie einmal mit Karl Lagerfeld sprechen. Und mit Angela Merkel. Sogar mit dem Papst. "Man muss halt gucken, was als Miss Germany möglich ist. Vielleicht bekommt Franziskus es ja mit, dass ich Religionslehrerin bin."

Ihre Schüler hoffen, dass sie nach dem Jahr zurückkehrt, "ihre" Frau Bröder. "Sie ist halt eine tolle Lehrerin und macht auch guten Unterricht", gibt ihr eine Schülerin Bestnoten. "Und ich bin auch ziemlich stolz, dass ich so eine Lehrerin habe."

Beim Fototermin auf dem Schulhof gibt sich Bröder ganz entspannt und strahlt trotz der Kälte. Für ein paar Minuten ist in der ganzen Schule nicht mehr an Unterricht zu denken: Überall drücken Schüler ihre Nasen an die Fensterscheiben. Nun müsse sie aber los, entschuldigt sich schließlich Miss Germany. Zur nächsten Doppelstunde Reli und vorher noch die Parkscheibe weiterdrehen auf dem Stellplatz vor der Schule. Heute ist sie noch einmal mit dem Polo gekommen.

Und nach dem Unterricht müsse sie noch vier Koffer Wäsche aus den vergangenen drei Wochen waschen - nimmt die Krone ab und hängt sich die Tasche mit den Büchern über die Schulter. Ein nicht ganz normaler Schulalltag in Havixbeck.

Sabine Just
(KNA)

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