Cristóbal und Ronald aus El Alto in Bolivien besuchen die Palliri-Fussballschule
Cristóbal und Ronald aus El Alto in Bolivien besuchen die Palliri-Fussballschule
Urte Podszuweit
Urte Podszuweit

04.01.2016

Sternsinger helfen Kindern in Bolivien Kicken mit Respekt

Wenn die Sternsinger in diesen Tagen an den Türen klingeln, bitten sie um Spenden für andere Kinder. Wohin dieses Geld geht und warum Deutsche für Wunder sorgen, erklärt Urte Podszuweit vom Kindermissionswerk.

domradio.de: "Segen bringen - Segen sein - Respekt für mich, für dich, für andere - in Bolivien und weltweit" - Was steckt denn hinter dem Motto?

Urte Podszuweit (Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kindermissionswerk "Die Sternsinger"): Wir glauben, dass Respekt die Grundlage jeder gelungenen Kommunikation zwischen Menschen ist. Würde es mehr Respekt auf der Welt geben, dann würde wahrscheinlich weniger Krieg und Gewalt in der Welt sein. Leider wissen wir alle, dass es aktuell in vielen Regionen unserer Welt ganz anders aussieht, aber auf die Wichtigkeit von einem respektvollen Umgang und Miteinander hinzuweisen, das war uns wiederrum wichtig genug, um das Thema Respekt in den Mittelpunkt der 58. Aktion Dreikönigssingen zu stellen.

domradio.de: Der zweite Teil des Mottos dreht sich um Bolivien, weil Bolivien das Beispielland in diesem Jahr der Sternsinger ist. Warum haben Sie sich ausgerechnet Bolivien ausgesucht?

Podszuweit: Bolivien gehört zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Man muss sich mal vorstellen, fast jeder zweiter Bolivianer lebt dort unter der Armutsgrenze. Das gilt dort ganz besonders für die Landbevölkerung und genau deshalb gehen immer mehr Menschen in die Stadt, aber dort finden sie leider auch nicht die ersehnten besseren Lebensbedingungen. Viele werden in den Städten wegen ihrer Herkunft sogar ausgegrenzt und diskriminiert und die Folge davon, dass sie ihre eigenen Traditionen aufgeben, ihre Identität ablegen und sich anpassen. Darunter zerbrechen auch ganz viele familiäre Strukturen und darunter leiden besonders die Kinder. Die Folgen von fehlendem Respekt sind dort in Bolivien sehr offensichtlich und das war Grund genug für uns zu sagen Bolivien ist dieses Jahr das Beispielland.

domradio.de: Wie unterstützen die Sternsinger die Kinder in Bolivien? Können Sie ein konkretes Projekt beschreiben?

Podszuweit: Wir helfen den Kindern, in dem wir mit Projektpartnern vor Ort Projekte fördern. Das ist ganz wichtig, dass sie nicht am Schreibtisch hier aus Deutschland heraus entstehen. Diese Projekte helfen immer Kindern. Ein ganz tolles Beispiel ist ein Projekt aus El Alto, das heißt Palliri. Dort gibt es ganz tolle Mitarbeiter und die haben drei Säulen festgelegt: Respekt, Integration und Selbstbewusstsein wollen wir unseren Kindern beibringen und ganz konkret machen sie das in einem Kindergarten, einem Jugendzentrum und einer Fußballschule. Zurzeit werden ungefähr 400 Kinder und Jugendliche dort betreut und ihnen werden Werte wie Selbstvertrauen, Teamgeist und Respekt für ihr Gegenüber vermittelt, aber auch ganz einfache Sachen wie zum Beispiel Hausaufgabenbetreuung und die Möglichkeit an Freizeitaktivitäten teilzunehmen, aber auch so wichtige Dinge wie psychologische Betreuung gehören zu dem Programm von Palliri. Wenn Sie sich unser aktuelles Plakat angucken zur Aktion Dreikönigssingen, dann sehen Sie dort zwei Jungen Arm in Arm und sie gehen in diese Fußballschule von Palliri und sind ganz unterschiedlicher Herkunft, sind aber die besten Freunde geworden. All das war für uns ein toller Beweis für gelungene Integration und gegenseitigen Respekt.

domradio.de: Die Sternsinger sind ein katholisches Missionswerk, welche Rolle spielen in diesen Projekten, die sie unterstützen, Religion und christliche Wertevermittlung?

Podszuweit: Wir sind natürlich ein katholisches Hilfswerk, das ist ganz klar und wir haben viele Partner in der Welt, die ebenfalls katholisch sind: Ordensgemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen, die sehr christlich orientiert sind. Von daher ist natürlich ein christlicher Grundgedanke oft auch Grundlage unserer Projektförderung. Vor Ort ist das aber in vielen Ländern der Welt sehr unterschiedlich. Es gibt viele Länder, in denen der christliche Glaube eben nicht die bestimmende Glaubensreligion ist und da müssen wir offen sein. In erster Linie gilt die Fürsorge in unseren Projekten den Kindern und da ist es auch nicht unbedingt ausschlaggebend, dass sie katholisch oder christlich erzogen sind, sondern es können auch muslimische Kinder oder hinduistische Kinder sein. Wenn sie Hilfe brauchen und unsere Projektpartner, die vor Ort ermöglichen können, dann sind auch solche Kinder bei uns in Projekten.

domradio.de: In den vergangenen Jahren sind ja bundesweit rund 40 Millionen Euro manchmal sogar noch mehr gesammelt worden, Bolivien ist in diesem Jahr das Beispielland, was bedeutet das? Geht das Geld, was in diesem Jahr gesammelt wird, ausschliesslich nach Bolivien?

Podszuweit: Nein, um Gottes Willen. Es sind sogar über 45 Millionen Euro zusammengekommen, die gehen nicht alle nach Bolivien. Es geht natürlich in die Projekte, die wir weltweit haben, das sind über 100 Länder, das sind über 1600 Projekte in der Welt, die Mädchen und Jungen zu Gute kommen, dort geht es hin. Das sind unterschiedliche Schwerpunkte, aber vorallem Bildungsprojekte, weil wir glauben, dass die Investition in Bildung das Nachhaltigste ist, was man Kindern mit auf den Weg geben kann, aber auch Waisenkinder, Straßenkinder, Kindersoldaten stehen im Mittelpunkt unserer Förderungen.

domradio.de: Viele Deutsche haben im Zuge der Flüchtlingskrise schon viel gegeben, haben Sie Sorge, dass die Spendenbereitschaft ein bisschen einknickt?

Podszuweit: Eine Sorge kann man immer haben, aber wenn wir auf die zurückliegenden Aktionen gucken, dann ist die Spendenbereitschaft der Menschen in Deutschland immer weiter gewachsen. Im Hintergrund muss man sehen, dass es immer weniger Kinder in Deutschland gibt, das heißt es gibt auch immer weniger Sternsinger. Wenn die Spendenergebnisse weiter wachsen, dann muss man davon ausgehen, dass die Menschen an den Türen mehr gegeben haben als in den Jahren davor. Irgendwo ist das ein kleines Wunder. Wir glauben an das Gute der Menschen in Deutschland so wie sie bisher waren und ich glaube, dass viele Menschen auch vor allen Dingen dieses Engagement der Mädchen und Jungen hier in Deutschland würdigen, wenn sie von Tür zu Tür ziehen, manchmal ja auch bei fiesem Wetter.

Das Interview führte Ina Rottscheidt.

(dr)

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