Letzte Ausgabe "Rheinischer Merkur" vom 25.11.2010
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"Christ und Welt"-Beilage vom 10. März 2016
"Christ und Welt"-Beilage vom 10. März 2016
"Christ und Welt"-Redaktionsleiter Raoul Löbbert
"Christ und Welt"-Redaktionsleiter Raoul Löbbert

10.03.2016

"Rheinischer Merkur" wird 70 Jahre alt - "Christ & Welt" feiert Die Tugenden der Bonner Republik

Viele Jahre hatte der "Rheinische Merkur" großen Einfluss auf die Bonner Republik. Er lebt in der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" fort und wird nun 70 Jahre alt. Zu den Zukunftsaussichten äußert sich der derzeitige Redaktionsleiter.

KNA: Herr Löbbert, wie würden Sie das Themenspektrum von "Christ und Welt" beschreiben?

Raoul Löbbert: Wir blicken als Christen auf diese Welt und diese Gesellschaft. Aus dieser Perspektive können wir viele Aspekte aus den Gebieten Glaube, Geist und Gesellschaft zur Sprache bringen.

KNA: Es geht also nicht nur um Kirche und Glauben?

Löbbert: Wir verstehen uns einerseits als Medium für Menschen, die mit ihrem Glauben ringen. Das kann der Bischof genauso sein, wie der einfache Gläubige, der sich fragt, warum er noch in der Kirche ist. Andererseits sind wir ein Religions-Feuilleton, das auch ethische und gesellschaftspolitische Debatten aufgreift und weiterführt, intellektuell anregt und unterhält. Das Entscheidende ist der Blick: Wertkonservativ, aber nicht piefig.

KNA: Dabei geht es durchaus konträr zu...

Löbbert: Eine Zeitung, die niemanden aufregt, ist langweilig. Wir sind völlig unabhängig, versuchen, Debatten anzuregen und Heiß und Kalt zusammenzubringen, manchmal direkt nebeneinander im Pro und Contra. Dafür handeln wir uns immer wieder Ärger ein, aber auch hohen Respekt.

KNA: Das Zusammengehen der aus einem katholischen Umfeld kommenden "Christ & Welt" mit der liberalen "Zeit" hat ja anfangs für Irritationen gesorgt...

Löbbert: Diese Spannung macht die Zeitung ja auch lebendig. Natürlich gibt es unterschiedliche Traditionen, aus denen wir kommen. Der "Rheinische Merkur" stand für einen aufgeklärten Konservativismus, den wir bei "Christ & Welt" immer noch in unserer DNA haben. Durch die Anbindung an die "Zeit" haben wir aber auch eine kirchlich eher ungebundene, intellektuell interessierte Leserschaft, die neugierig ist auf die Kirche und sich für Werte-Debatten interessiert. Glaube und Zweifel gehören zum Zeitgeschehen dazu. Diese Nische füllen wir gut aus; das gibt es sonst nicht in Deutschland.

KNA: Auch bei der "Zeit" soll es Stirnrunzeln und Proteste gegeben haben.

Löbbert: Giovanni di Lorenzo, der erste katholische Chefredakteur der "Zeit", hat die Zusammenarbeit von Anfang an intensiv gefördert. Auch gesellschaftlich sind die ideologischen Grenzen ja inzwischen stark abgeflacht. In einer immer säkulareren Welt stehen christliche Überzeugungen oft für eine Haltung, die in der Öffentlichkeit schon wieder Interesse und Respekt wecken.

KNA: Wie steht es mit der Ausgewogenheit katholischer und evangelischer Themen in der Redaktion?

Löbbert: Wir verstehen uns als ökumenisches Blatt. Bei den Abonnements gibt es eine leichte katholische Mehrheit. Und bei den Inhalten stehen sicherlich die katholischen Themen mehr im Vordergrund. Das liegt daran, dass es dort offenbar mehr heiße Eisen gibt. Alles, was die Berichterstattung über den Papst angeht, trifft auf große Resonanz. Das galt schon für Papst Benedikt XVI., aber Franziskus ist natürlich eine wichtige Identifikationsfigur, auch für Nichtkatholiken.

KNA: Wie geht es weiter mit der Zusammenarbeit zwischen "Zeit" und "Christ & Welt"?

Löbbert: Nach fünf Jahren ist "Christ & Welt" bei der "Zeit" heimisch geworden. Das gilt für das Blatt genauso wie für die Redaktion. Selbst bei der "Zeit"-Weihnachtsfeier etwa sind wir Bonner Kollegen alle eingeladen. Und "Zeit"-Chefredakteur di Lorenzo hat kürzlich in einem Interview nochmal bekräftigt, dass er alles tun wird, um die Zusammenarbeit fortzusetzen.

KNA: Wie feiert "Christ und Welt" den 70. Geburtstag des "Rheinischen Merkur"?

Löbbert: Wir haben eine Sonderausgabe gemacht. Das ist kein zeitgeschichtlicher Rückblick, sondern ein Blick in Gegenwart und Zukunft. Der "Rheinische Merkur" war eines der Leitmedien der Bonner Republik. Wir haben uns gefragt, welche Tugenden der Bonner Republik, für die auch der Merkur stand, in der Berliner Republik noch Bedeutung haben. Gerade in Zeiten eines oft überhitzten Berliner Politikbetriebs gilt es, diese Tugenden neu zu entdecken.

Das Interview führte Christoph Arens.

(KNA)

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