Papst Franziskus grüßt die Gläubigen beim Angelus
Franziskus: "Pilotprojekt für Solidarität und Sicherheit"
Georg Cremer, Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes
Georg Cremer, Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes
Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx

06.03.2016

Vor EU-Flüchtlingsgipfel: Appelle von Kirchen und Hilfsorganisationen "Einsatz für den Frieden und das Leben"

Am Montag will die EU mit der Türkei über Auswege aus der Flüchtlingskrise beraten - schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten. Kurz vorher hat sich Papst Franziskus erneut zum Thema zu Wort gemeldet und die Einrichtung humanitärer Korridore gelobt.

Ausdrücklich befürtwortete Franziskus am Sonntag zum Abschluss des Angelus-Gebets eine ökumenische Initiative, die 1.000 Flüchtlingen eine sichere und legale Einreise nach Italien ermöglicht. Dies sei ein "konkretes Zeichen des Einsatzes für den Frieden und das Leben", wofür er seine Bewunderung ausdrücken wolle, so Franziskus.

Ein humanitärer Korridor helfe Personen, die vor Krieg und Gewalt flöhen, insbesondere Kindern, Kriegswitwen und Alten. Der Papst sprach von einem "Pilotprojekt, das Solidarität und Sicherheit vereint".

Zielgruppe: Frauen, Kinder und Behinderte

Italien ermöglicht durch die Initiative Flüchtlingen aus Syrien und nordafrikanischen Ländern die legale Einreise. Sie sollen in Marokko, dem Libanon und Äthiopien Visa erhalten, um die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer zu vermeiden. Organisatoren sind die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio, der "Verband der Evangelischen Kirchen Italiens" und die italienischen Waldenser in Zusammenarbeit mit dem italienischen Innen- und Außenministerium. Sie übernehmen die Kosten für die Einreise der Flüchtlinge per Schiff oder Flugzeug sowie für Unterbringung und Rechtsbeistand. Die Einreisegenehmigungen gelten nur für Italien. Die ersten rund 100 Flüchtlinge sind auf diesem Weg bereits nach Italien gereist.

Zielgruppe der italienischen Initiative sind nach Angaben der Organisatoren vor allem Frauen, die allein mit Kindern auf der Flucht sind, potenzielle Opfer von Menschenhandel, Behinderte und von den Vereinten Nationen als Flüchtlinge anerkannte Personen.

"Verschiebung der Probleme"

Innerhalb der EU ist eine einheitliche Flüchtlingspolitik nicht in Sicht. Am Montag treffen sich die 28 EU-Staats- und -Regierungschefs mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu, um über die Flüchtlingskrise zu sprechen. Der Vorsitzende der EU-Bischofskommission COMECE Reinhard Marx sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, er hoffe, dass die Regierungschefs ein Zeichen der Solidarität setzten und "deutlich machen, dass die EU handlungsfähig ist".

Der deutsche und der österreichische Caritasverband appellierten vor dem Gipfel an alle Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten, weiterhin nach gemeinsamen Lösungen zu suchen und Flüchtlinge innerhalb der Union gerecht zu verteilen. "Die Schließung der Grenzen ist keine Lösung. Was wir derzeit an den Grenzen innerhalb Europas erleben ist eine Verschiebung der Probleme zu Lasten Griechenlands und auf Kosten hilfesuchender Menschen", betonten der österreichische Caritas-Präsident Michael Landau und der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Georg Cremer, in einer am Sonntag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Zudem forderten sie mehr Hilfe Europas für die Flüchtlinge in den syrischen Nachbarländern und die Schaffung humanitärer Aufnahmekontingente. 

"Weckruf für EU-Politiker"

Mehr als 10.000 Flüchtlinge sitzen derzeit an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien fest, während immer weitere ankommen. Der Sprecher des UN-Hilfswerks UNHCR im nordgriechischen Flüchtlingslager Idomeni, Babar Baloch, bezeichnete die Zustände dort als "unhaltbar". "Es ist ein Weckruf für die führenden Politiker der EU, denn das hier ist eine humanitäre Krise", sagte der Sprecher am Sonntag einem Reporter der Nachrichtenagentur dpa. Das Lager Idomeni liegt unmittelbar an der Grenze zu Mazedonien. Der nördliche Nachbar lässt täglich nur bis zu 250 Asylsuchende passieren, die aus dem griechischen Lager kommen. 

Nach UNHCR-Angaben hielten sich am Sonntag in Idomeni bereits 13 000 Menschen auf. Täglich träfen dort zehnmal mehr Flüchtlinge ein, als Mazedonien auf der sogenannten Balkanroute weiterreisen lasse. Mehr als die Hälfte von ihnen (55 Prozent) seien derzeit Frauen und Kinder. Das Lager war ursprünglich für 2000 Menschen angelegt worden. Tausende campieren inzwischen unter freiem Himmel auf den Feldern vor dem Lager.

(KNA)

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