01.02.2016

Karneval mit Flüchtlingskindern im Erzbistum Köln Aufleuchtende Sterne

Als Karnevalsbotschafterin könnte man die Bensbergerin Mechthild Münzer bezeichnen. Sie bastelt Kostüme mit und für Flüchtlingskinder. Die letzten Vorbereitungen für den Bensberger Karnevalszug laufen.

Mechtild Münzer ist von ganzem Herzen jeck. Die Rentnerin lebt seit über 40 Jahren in Bensberg und engagiert sich besonders für Menschen mit Migrationshintergrund in ihrem Stadtteil. Ihnen das deutsche Kulturgut des Karnevals zu zeigen, ist ihr eine Herzensangelegenheit: "Ich finde, wer hier lebt und hier bleiben will, der muss auch den Karneval kennen. Das gehört hier einfach dazu, da kommt man in Bensberg auch gar nicht drum herum."

Seit 3 Jahren bastelt Mechtild Münzer gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen und Festangestellten in der Kiwo (Kontaktstelle im Wohnpark) mit Kindern Karnevalskostüme. Die meisten Kinder haben einen Migrationshintergrund, auch Flüchtlingskinder aus den nahegelegenen Unterkünften besuchen die KiWo. Viele kennen Karneval aus ihrer Heimatkultur nicht. Doch der Karneval ist etwas, was sie direkt in Deutschland begeistert hat.

"Da kann man einfach Spaß haben"

"Da kann man einfach Spaß haben", sagt Dana, deren Familie aus dem Irak kommt. Sie war schon in den letzten Jahren beim Zug dabei und hat auch immer ein eigenes Kostüm gebastelt. Darauf ist sie besonders stolz: "Das ist echt schön, dass wir alle ein eigenes Kostüm haben. Und auch, dass wir dann alle gleich aussehen, dass wir ein Team sind."

Beim Basteln läuft das KiWo-Karnevalslied in Endlosschleife. Es hat sich zu Karneval auch ein Chor gegründet, der bald einen wichtigen Auftritt hat: Beim Neujahrsempfang der Stadt Bergisch Gladbach werden die Kinder ihr KiWo-Lied vor dem Bürgermeister singen. Ein ganz besonderes Erlebnis, weiß Mechtild Münzer: "Die Kinder merken das ja auch. Sie werden angefragt und stehen auf der Bühne. Dann bekommen sie Applaus und bekommen Anerkennung, das stärkt ihr Selbstwertgefühl."

Kiwo-Kinder bilden Fußgruppe

Das diesjährige Motto des Bensberger Karnevalszugs heißt "Es de Session och koot, uns Stäne stonn jot!" ("Ist die Session auch kurz, die Sterne stehen gut!")– deswegen verkleiden sich alle Kinder der KiWo als Sterne. Gemacht sind die Kostüme aus Notfalldecken und selbstgebastelten Pappsternen. Am Rosenmontagszug werden die fertigen Kostüme dann präsentiert: Hier laufen die Kinder als eigene Fußgruppe mit. Im letzten Jahr hat die Gruppe beim Kostümwettbeweb sogar den ersten Platz gewonnen. Das stärkt die Motivation für dieses Jahr besonders. Aber Dana freut sich auch auf etwas anderes: "Am besten finde ich, dass wir auch selbst Süßigkeiten schmeißen dürfen", sagt sie.

Für die Kamelle sammelt Mechtild Münzer das ganze Jahr über Sachspenden von örtlichen Unternehmen. "Die Bereitschaft hier im Stadtteil ist sehr groß, alle ziehen an einem Strang." Der Karneval verbindet die Bensberger über kulturelle Grenzen hinaus. Mechtild Münzer will diese Tradition mit Flüchtlingen und Migranten auf jeden Fall weiterführen: "Ich liebe den Karneval. Und ich möchte diese Freude einfach weitervermitteln, sodass sich die Kinder Freuen und sehen, dass Karneval Spaß macht."

Jana Banse
(Erzbistum Köln)

Flüchtlingshilfe

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