Alois Glück
Alois Glück

29.01.2016

Ehemaliger ZdK-Präsident zur Flüchtlingspolitik Glück rät zu verstärkter Außenpolitik

Der frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und CSU-Spitzenpolitiker Alois Glück hat zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms mehr außenpolitische Anstrengungen gefordert. Er verlangte unter anderem eine gemeinsame Afrikapolitik der EU. 

"Wir können in Deutschland und in Europa auf Dauer keine gute Zukunft haben, wenn rund um uns herum nur Elend und Konflikte herrschen", sagte Glück in einem Interview mit der in München erscheinenden Zeitschrift "missio-Magazin".

Am meisten Kopfzerbrechen mache ihm Afrika, fügte er hinzu. Bis 2050 werde sich dort die Bevölkerung verdoppeln, in vielen Ländern liege der Altersdurchschnitt bei 25 Jahren. Wenn diese Millionen junger Menschen keinerlei Perspektive hätten, "dann werden sie alles riskieren, nach dem Motto: 'Sterben kann ich überall - aber zu Hause ist es völlig hoffnungslos'." Die Europäische Union müsse eine gemeinsame Afrikapolitik betreiben, angefangen bei der selbstkritischen Überprüfung ihrer Handelsbeziehungen.

Integration als "schwieriger Lernprozess"

Mit Blick auf die deutsche Diskussion über die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland erinnerte Glück an die Integration von mehr als zwölf Millionen Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese seien auch damals von den Einheimischen als Konkurrenten wahrgenommen worden, es habe Neid und Witze gegeben.

"Das war keine Harmonieveranstaltung, sondern ein schwieriger Lernprozess." Daraus sei aber nicht nur ökonomisch eine große Bereicherung geworden, sagte Glück. Die Neubürger hätten "auch die geschlossenen Denkwelten bei uns ein Stück aufgesprengt".

"Christen und Muslime nicht gegeneinander ausspielen"

Zur Frage, ob christliche Flüchtlinge bevorzugt aufgenommen werden sollten, äußerte sich der ehemalige ZdK-Präsident differenziert. "Wir dürfen Christen und Muslime nicht gegeneinander ausspielen, aber durchaus eine besondere Aufmerksamkeit für unsere Glaubensgeschwister haben." Es sei schließlich bittere Realität, dass in Teilen der von Clans geprägten Herkunftsländer Christen verfolgt würden.

Das "missio-Magazin" ist die Zeitschrift des internationalen katholischen Missionswerks missio München.

(KNA)

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