Syrer demonstrieren gegen Sexismus
Syrer demonstrieren gegen Sexismus

16.01.2016

Syrer demonstrieren vor Kölner Hauptbahnhof #SyrergegenSexismus

Blumen für Passanten, Plakate mit klaren Botschaften: Am Kölner Hauptbahnhof protestieren am Samstag Syrer gegen Sexismus. Sie wollten damit zeigen, dass sie hiesige Wertvorstellungen teilen.

Sie stehen auf der Treppe vor dem Kölner Dom. Es ist kalt und es nieselt leicht. Schweigend schauen die Demonstranten geradeaus. Sie halten Plakate in der Hand. Mit dicken Stiften habe sie ihre Botschaft kurz und knapp darauf geschrieben. Auch, wenn viele nur Englisch sprechen, die Worte haben sie auf Deutsch übersetzt. "Keine Gewalt an Frauen!"  oder  "Gegen Sexismus". Der 16-jährige Hassan ist vor vier Monaten nach Deutschland geflohen. "Ich liebe Deutschland", sagt er und die Blumen seien für die Frauen und hält eine Tulpe hoch. Blumen als Symbol der Wertschätzung.

Schon vor der Demonstration am Samstag vor dem Kölner Dom haben sich viele Syrer in den sozialen Medien zu Wort gemeldet. Viele posten Bilder von sich, halten ein beschriftetes Plakat hoch und zeigen damit, was ihnen auf der Seele brennt. "Wir respektieren deutsche Werte", schreibt ein Syrer. Mehrere Marokkaner halten ein Plakat in ihren Händen, auf dem zu lesen ist: "Wir entschuldigen uns bei allen Frauen. Wir entschuldigen uns für jede Frau, die überfallen worden ist". Einige Bilder mit einem Meer von Rosen kündigten sogar schon an, dass sie diese bei der Demonstration verteilen wollen. Viele Syrer wollen damit zeigen, dass sie sich klar von den Kriminellen der Silvesternacht abgrenzen wollen und nicht in eine Schublade voller Vorurteile gesteckt werden möchten.

"Wir respektieren deutsche Werte" steht auf einem Plakat

Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Thomas Sternberg hat in dieser Woche vor Pauschalverurteilungen gewarnt. Wie in allen Gesellschaften gebe es unter ihnen gute und schlechte Menschen. Dass es sich bei den Straftätern von Köln nicht um glaubenstreue Muslime gehandelt habe, zeige alleine die Tatsache, dass sie stark alkoholisiert gewesen seien. "Es wäre fatal, einer der ganz großen Weltreligionen einen Hang zum Hass zu unterstellen", so Sternberg. Für eine gelingende Integration der Muslime werde es in erster Linie auf den Dialog ankommen.

"Wir sind entsetzt", sagt ein junger Syrer im Netz

Den Dialog suchen auch die beiden Studenten aus Syrien, die unter dem Hash-Tag #SyrergegenSexismus via Videobotschaft sich von den Vorfällen in Köln distanzieren möchten. Der 21-jährige Omar, und der 24-jährige Muhammed beteuern, dass das, was in Köln passiert sei, sie nicht repräsentiere. "Es gibt keine Verbindung von diesen Menschen und denen, die vor dem Krieg geflohen sind", erklärt Muhammed in der Video-Botschaft. "Wir sind sehr entsetzt". Sie sind der Meinung, dass diese Menschen bestraft werden müssten. "Wir unterstützen das Gesetz und das ist uns sehr peinlich", so Omar. Beide danken zum Abschluss den Deutschen für ihre Gastfreundlichkeit.

Melanie Trimborn
(dr)

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