71. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz
71. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz

27.01.2016

Weltweites Gedenken an Holocaust-Opfer Aus Auschwitz Lehren ziehen

Auschwitz bleibt das Symbol für das Böse schlechthin und die Millionen Toten der Schoah: Am Internationalen Holocaust-Gedenktag erinnerten Menschen in aller Welt an die Opfer der Nazi-Gräuel.

Erinnerung gegen das Vergessen und aktueller Appell für die Menschenrechte: 71 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz ist am Mittwoch in der ganzen Welt an die Opfer des Holocaust erinnert worden. Im Bundestag sprach die 84-jährige US-amerikanische Schriftstellerin und Holocaust-Überlebende Ruth Klüger als Zeitzeugin. Sie lobte die großzügige Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Deutschland, das vor 80 Jahren für die schlimmsten Verbrechen des Jahrhunderts verantwortlich gewesen sei, habe damit heute "den Beifall der Welt gewonnen".

Der Holocaust-Gedenktag wird seit 2006 jeweils am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau (27. Januar) begangen. Rund 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden, wurden in Auschwitz umgebracht. Insgesamt wurden in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten rund sechs Millionen Juden ermordet.

"Auschwitz nicht nur Museum, sondern auch Gegenwart"

Der polnische Staatspräsident Andrzej Duda rief dazu auf, die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs an die jüngere Generation weiterzugeben. Auschwitz sei nicht nur ein Museum und ein riesiges Grab, sondern auch die Gegenwart, sagte Duda bei der offiziellen Gedenkfeier auf dem Gelände des ehemaligen Lagers Auschwitz-Birkenau im polnischen Oswiecim. "Bildung ist das, was Auschwitz zur Gegenwart macht."

Duda betonte, Auschwitz sei eine Warnung dafür, was passiere, wenn Staaten von Hass bestimmt würden, internationales Recht gebrochen werde und die internationale Gemeinschaft nicht rechzeitig gegen Aggressionen anderer Länder vorgehe. Politiker wie alle anderen Menschen müssten alles tun, was sie könnten, "damit niemals wieder solche furchtbaren Taten wie hier und an anderen Orten irgendwo in der Welt passieren können". An der Gedenkfeier zum 71. Jahrestag der Befreiung nahmen auch rund 80 Holocaust-Überlebende teil.

Holocaust-Überlebende spricht im Bundestag

Im Bundestag erinnerte Ruth Klüger an das Leid der Frauen in den Konzentrationslagern und kritisierte, dass die Zwangsprostituierten im KZ Mauthausen und anderen Lagern nie als Zwangsarbeiterinnen anerkannt worden seien. "Für sie galt der Respekt vor den Überlebenden nicht", sagte sie: "Wir müssen sie einschließen, wenn wir der Zwangsarbeiter gedenken". Klüger wurde 1931 in Wien unter dem Namen Susanne Ruth als Tochter eines jüdischen Arztes und seiner Frau geboren. Die Familie wurde nach Theresienstadt deportiert und von dort ins Vernichtungslager Auschwitz. Ihr Vater und ihr Halbbruder wurden ermordet. Sie zählt zu den bekanntesten Germanistinnen in den USA.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief dazu auf, die Erinnerung an die Schoah als Auftrag gegen Diskriminierung zu verstehen. "Ein Tag wie heute mahnt uns, das Schicksal der Menschen im Blick zu behalten, die in diesen Tagen bei uns in Europa Zuflucht suchen", sagte Steinmeier in Berlin. Die große Zahl der Menschen, die Schutz vor Verfolgung, Hass, Krieg und Terror in Deutschland suche, wecke auch Ängste, die ernst genommen würden. "Denn wenn sich Juden, Andersgläubige und Andersdenkende in Europa nicht mehr sicher fühlen, kann sich niemand von uns hier sicher fühlen", sagte er.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) stellte in seiner Ansprache das Gedenken an die Zwangsarbeiter ins Zentrum. Im Bundestag hatte er dazu am Morgen eine Ausstellung eröffnet. Er sagte, 13 Millionen Zwangsarbeiter im Deutschen Reich seien in einem perfiden System zur Sklavenarbeit verdammt gewesen. Es habe sich um "ein Massenphänomen" gehandelt, "ein vor aller Augen begangenes Verbrechen".

Internationales Holocaust-Gedenken

Die frühere Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, forderte mehr Patriotismus und Selbstbewusstsein in Deutschland. "Wir müssen aufrechte Patrioten sein - nicht trotz, sondern wegen unserer schrecklichen Geschichte", sagte sie in einer Gedenkstunde in Dresden. Der Satz "Wir sind das Volk" müsse von den Demokraten ernst genommen werden. "Überlassen Sie das Wir nicht den Falschen, den ideologischen Scharfmachern und Hetzern", fügte die Holocaust-Überlebende hinzu.

Großbritanniens Premier David Cameron kündigte in London den Bau einer nationalen Holocaust-Gedenkstätte an. Der Bau des Memorials in unmittelbarer Nachbarschaft zum Parlament soll bis Ende 2017 fertig gestellt werden. In Washington sollten am Holocaust-Gedenktag in Anwesenheit von US-Präsident Barack Obama in der israelischen Botschaft amerikanische und polnische Bürger posthum mit dem Titel "Gerechte unter den Völkern" geehrt werden. Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem vergibt diese Ehrung an Nichtjuden, die während des Holocaust ihr Leben riskierten, um Juden zu retten.

 

(epd)

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