27.02.2016

Kardinal Woelki für legale Einwanderung "Familie gehört zusammen"

Für Kardinal Woelki hat das Asylpaket II fatale Folgen: Frauen und Kinder würden dazu getrieben, "wieder auf Boote zu steigen, wieder Schleppern sozusagen ihr Leben zu übergeben", sagte er im Interview mit RTL.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki lehnt die Einschränkung des Familiennachzugs in dem vom Bundesrat bewilligten Asylpaket II ab. "Eine Familie gehört natürlich zusammen, weil das eine Einheit ist", sagte er am Freitag im RTL-"Nachtjournal". Durch diese Entscheidung würden Frauen und Kinder dazu getrieben, "wieder auf Boote zu steigen, wieder Schleppern sozusagen ihr Leben zu übergeben, um dann hier hin zu kommen".

Der Erzbischof forderte legale Einwanderung und legale Zuwanderungswege. Eine vernünftige Einwanderungspolitik und Asylgesetzgebung seien mehr nötig als ein Militäreinsatz auf dem Mittelmeer, so Woelki.  Woelki sieht Deutschland bei der Aufnahme von Flüchtlingen "bei weitem nicht am Ende". "Ich glaube schon, dass wir das schaffen", sagte Woelki im RTL-"Nachtjournal".

Historische Verantwortung

Deutschland habe aus der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs heraus die Verpflichtung zu helfen: "Wo Menschen unter dem Schicksal leiden, unter dem unsere Vorfahren damals gelitten haben, nämlich auch unter Krieg und einem totalitären System, da können wir uns aus dieser Verantwortung nicht heraus stehlen."

Zugleich äußerte sich Woelki erschrocken darüber, dass sich in den fremdenfeindlichen Vorfällen in Clausnitz und Bautzen Anklänge an das gezeigt hätten, was in Deutschland vor 60 bis 70 Jahren geschehen sei. Der Kölner Erzbischof forderte ein entschiedenes Eintreten gegen Rechtsextremismus." Ich glaube, dass wir als Demokraten und Europäer alles dafür tun müssen, dass solche Parolen nichts mit unserem Staatsverständnis zu tun haben", sagte er. Und weiter:" Wir stehen für Freiheit, wir stehen für Solidarität, wir stehen für ein weltoffenes Deutschland, ein solidarisches Deutschland, ein hilfsbereites Deutschland und nicht für Menschenverachtung und fast rassistische Anschauungen", betonte Woelki. "Diejenigen, die da skandieren 'Wir sind das Volk', die sind bei weitem nicht das Volk, das hier in der Bundesrepublik lebt."

Friedlich zusammenleben

Gleichzeitig sprach sich Woelki für eine Annäherung von Christentum und Islam aus. Man müsse sich "besser kennenlernen" und "ein kooperatives Miteinander finden". Wichtig sei ein diffierenzierter Blick auf die Religionen. Es müsse zwischen zwischen Islam und Islamismus unterschieden werden. "Und wir wollen natürlich nichts mit Leuten zu tun haben, die den Islam so verstehen, dass er Terror ist und Menschen unterdrückt und ausbeutet und verfolgt." Das habe nichts mit Islam zu tun.

 

(KNA, epd, dr)

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