stellv. Finanzdirektor Dr. Martin Günnewig
stellv. Finanzdirektor Dr. Martin Günnewig

18.02.2016

Erzbistum Köln stellt Finanzbericht vor Leichte Verluste in 2014

Das Erzbistum Köln hat seine Bilanz für das Jahr 2014 vorgelegt. Unter dem Titel "Handeln aus dem Glauben" erklärt der Bericht die Aufwendungen für die seelsorgerische und karitative Arbeit, die Einkünfte sowie das Vermögen des Erzbistums und des Erzbischöflichen Stuhls.

Der Bericht schildert aus aktuellem Anlass Beispiele, wie die Werke der Barmherzigkeit im kirchlichen Leben heute umgesetzt werden. "Das von Papst Franziskus ausgerufene ‚Jahr der Barmherzigkeit’ schärft den Blick auf den Glauben und die Werte, die das Handeln der Kirche bestimmen", sagt Generalvikar Dominik Meiering. "Klar ist aber auch: Die gewachsene und gefestigte Infrastruktur, die wir finanzieren, kann viele Aufgaben stemmen und neue Initiativen integrieren und stützen. Deshalb entfaltet auch die Aktion ‚Neue Nachbarn’ so viel Kraft, weil wir Sprachkurse, Plätze in Kindertagesstätten und Schulen anbieten können."

Nach dem Überschuss von rund 59 Millionen Euro im Vorjahr schloss das Erzbistum das Jahr 2014 mit einem Verlust von rund sechs Millionen Euro. "Bei einem Gesamtetat von rund 800 Millionen Euro für die Seelsorge, Caritas und Bildungsarbeit haben wir unseren Wirtschaftsplan fast punktgenau erfüllt", sagt der stellvertretende Finanzdirektor Dr. Martin Günnewig. "Der Umschwung im Ergebnis zeigt aber auch, dass wir Reserven als Ergebnisausgleich brauchen."

Während das Eigenkapital aufgrund des Verlustes gegenüber dem Vorjahr leicht sank, stieg die Bilanzsumme um 1,9 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Grund hierfür sind insbesondere hohe Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen, die wegen des niedrigen Zinsniveaus nötig waren.

Ergebnisumschwung: Vorsorgebedarf und Kirchensteuer-Verrechnung

Ursache für den Umschwung im Ergebnis sind im Wesentlichen drei Faktoren. Positiv wirken die im Jahr 2014 um 27,6 Millionen Euro gestiegenen Brutto-Kirchensteuererträge. Demgegenüber hatte das Erzbistum jedoch bei der Verrechnung der Kirchensteuer zwischen den Bistümern in Deutschland, dem sogenannten Clearing-Verfahren, hohe Zahlungen zu leisten, während im Vorjahr die Auflösung von Rückstellungen und die Rückzahlung von Clearing-Vorauszahlungen das Ergebnis positiv beeinflusst hatten. Per saldo beträgt die Ergebniswirkung rund 56,9 Millionen Euro. Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt bilden den dritten Faktor. Sie führen dazu, dass die Reserven zur Sicherung der Altersversorgung der Mitarbeiter erhöht werden müssen. Das belastet die Ergebnisrechnung mit weiteren 40 Millionen Euro.

Die Gesamterträge des Erzbistums ohne Finanzergebnis beliefen sich 2014 auf knapp 772 Millionen Euro und sanken damit gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent. Den mit rund 76 Prozent größten Anteil machen die Kirchensteuererträge in Höhe von 589 Millionen Euro aus. Zuweisungen und Zuschüsse der öffentlichen Hand für den Betrieb der Schulen lagen mit 116 Millionen Euro rund 1,3 Prozent niedriger als im Vorjahr. Die sonstigen Erträge fielen um 45 Prozent auf 66 Millionen Euro. Im Vorjahr waren erhebliche Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen angefallen.

Die Aufwendungen des Erzbistums Köln stiegen gegenüber dem Vorjahr um 3,8 Prozent auf 801 Millionen Euro an. Größte Aufwandspositionen sind die Zuweisungen an die Kirchengemeinden des Erzbistums, die Caritas und andere Verbände (354 Millionen Euro) sowie die Personalaufwendungen (292 Millionen Euro). Zusammen machen sie über 80 Prozent der Aufwendungen aus.

Die vom Erzbistum bereitgestellten Finanzmittel für die Flüchtlingshilfe – bislang rund 27,5 Millionen Euro – hatten auf das Wirtschaftsjahr 2014 keine Auswirkungen. "Einen großen Teil finanzieren wir seit 2015 durch Umschichtungen im Wirtschaftsplan", erklärt Günnewig. Der Personaleinsatz der Mitarbeiter, die Bereitstellung von Wohnraum oder der Zugriff auf Kapazitäten in der Bildungsarbeit wirken nur indirekt auf den Haushalt.

"Ich bin froh und dankbar, dass die Kirchensteuerzahler die umfassende Arbeit im Erzbistum möglich machen", sagt Generalvikar Meiering. "Die Vielfalt der Aufgaben ist enorm. Deshalb bin ich besonders glücklich, dass die Hilfsbereitschaft der Menschen in den Kirchengemeinden noch zusätzliche Kraft entfaltet, um auch aktuelle Herausforderungen wie die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge zu stemmen. Auch wenn wir erhebliche Finanzmittel bereitstellen, ist ohne die Tatkraft der Helferinnen und Helfer nichts zu erreichen."

Bilanz zeigt hohe Verpflichtungen auf

Veränderungen in der Bilanz gegenüber dem Vorjahr ergeben sich vor allem durch Zuführungen zu den Reserven. Aufgrund der niedrigen Zinsen sind Aufstockungen notwendig, um die Verpflichtungen des Erzbistums zu decken. Veränderungen im Eigenkapital betrafen im Wesentlichen die Aufstockung der Rücklagen für Pensionen um rund 10 Millionen Euro auf 415 Millionen Euro sowie den Rückgang der Ergebnisrücklage von 34,9 Millionen Euro auf 14 Millionen Euro. Die gesetzlich vorgeschriebenen Rückstellungen für Pensionen stiegen um knapp 46 Millionen Euro auf 516 Millionen Euro. Im Anlagevermögen dominieren die Finanzanlagen in Höhe von rund 2,4 Milliarden Euro. Die Verzinsung der Wertpapiere lag bei 3,1 Prozent, die Ausschüttungsrendite bei rund 1,7 Prozent. Das Immobilienvermögen sank leicht auf 607 Millionen Euro.

Aufwendungen steigen 2016 um rund 7,5 Prozent

Der aktuelle Finanzbericht enthält auch den Wirtschaftsplan des Erzbistums Köln für das Jahr 2016. Er zeigt, wie das Erzbistum die vielfältigen Aktivitäten und Angebote der verschiedenen kirchlichen Einrichtungen und Organisationen finanziert. Das Spektrum reicht von der Unterstützung der Kirchengemeinden über besondere Seelsorgeeinrichtungen wie die Notfallseelsorge oder die Sterbebegleitung, die Arbeit der Caritas bis hin zur Förderung von Projekten in Entwicklungsländern.

Dafür sind im Jahr 2016 Aufwendungen von insgesamt rund 844 Millionen Euro vorgesehen. Gegenüber dem Etat von 2015 entspricht das einer Steigerung um rund 7,5 Prozent. Die wachsenden Aufwendungen betreffen vor allem die steigenden Personalkosten durch Tariferhöhungen sowie den erheblich steigenden Bedarf zur Dotierung der Rückstellungen für die Altersversorgung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Finanzmittel für die Caritas werden um rund 2,5 Millionen Euro, die für die Mission und Entwicklungshilfe um rund 3,6 Millionen Euro aufgestockt.

Wirtschafts- und Finanzplanung in der Hand gewählter Vertreter

Das Erzbistum Köln hat die Verantwortung gewählter Gremien für die Wirtschafts- und Finanzplanung erheblich erweitert. Künftig haben der Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat und der aus ihm gebildete Vermögensrat nicht nur beratende Kompetenzen, sondern beschließen selbst den Wirtschaftsplan. 21 der 27 Mitglieder werden von den ebenfalls gewählten Kirchenvorständen gewählt. "Die bereits seit Jahren gelebte Praxis, dass der Kirchensteuerrat die wesentlichen wirtschaftlichen Entscheidungen trifft, hat mit der neuen Ordnung der Organe im Erzbistum nun auch formal ihren Bestand", erklärt Generalvikar Meiering.

Online-Finanzbericht verstärkt die Transparenz

Der Finanzbericht 2014 umfasst den gemeinsamen Jahresabschluss des Erzbistums und des Erzbischöflichen Stuhls und zeigt darüber hinaus die Vermögenslage der Hohen Domkirche, des Metropolitankapitels der Hohen Domkirche, des Priesterseminars und der vom Erzbistum verwalteten selbstständigen Stiftungen. Hinzu kommt erstmals der im Jahr 2014 errichtete Erzbischöfliche Schulfonds, der aus einer Vermögensübertragung des Landes Nordrhein-Westfalen entstand. Wie im Vorjahr hat der gemeinsame Jahresabschluss des Erzbistums Köln einschließlich des Erzbischöflichen Stuhls einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers erhalten.

Neu ist die Bereitstellung eines umfassenden Online-Finanzberichts. Unter der Adresse www.finanzbericht2014.erzbistum-koeln.de finden Interessierte eine interaktive Aufbereitung der Kennzahlen und Erläuterungen. "Mit diesem Instrument weiten wir die Transparenz der Finanzen auf einen weiteren Kreis aus und erleichtern den Zugriff auf die Vielfalt der Informationen", freut sich Günnewig.

 

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