Familie beim Abendessen
Familie beim Abendessen

11.01.2016

Junge Paare wünschen sich stabile Partnerschaft und zwei Kinder Sehnsucht nach "heilem Familienbild"

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Kinder zu bekommen? Das fragen sich heute immer mehr junge Paare und warten. Nach einer Studie denken sogar viele, dass es in 20 Jahren normal ist, wenn 50-Jährige Kinder bekommen.

Die Kernfamilie - Vater, Mutter und zwei Kinder - wird zum Auslaufmodell. Stattdessen gibt es viele Patchwork- oder Regenbogenfamilie und die Alleinerziehenden. So sehen zumindest viele 18- bis 30-Jährige die gesellschaftliche Zukunft in Deutschland. Das ist ein Ergebnis einer am Montag in Berlin vorgestellten Forsa-Studie.

Der Wunsch der rund 1.000 Befragten ist allerdings ein anderer: Für sich selbst wünschen sie sich die klassische Kernfamilie und halten sie für die ideale Familienform. Es gebe die "Sehnsucht nach einem heilen Familienbild", so die Verantwortlichen der Studie, die von der Zeitschrift "Eltern" in Auftrag gegeben wurde. Realistisch sei aber, dass diese Sehnsucht in vielen Fällen unerfüllt bleibe, meinen die jungen Frauen und Männer.

Dazu passt ein weiteres Ergebnis: 71 Prozent der Befragten verbinden laut Studie mit dem Stichwort Familie vor allem Liebe. Sie wünschen sich eine harmonische Partnerschaft und eine gute "work-life-balance". Anders als die landläufige Meinung ist den Befragten Karriere und Wohlstand nicht so wichtig.

Durchschnittsalter für Erstgebärende bei rund 30 Jahren

Die große Mehrheit der befragten noch jungen kinderlosen Frauen und Männer wünscht sich Nachwuchs. Allerdings verschiebt sich diese Umsetzung des Wunsches immer weiter nach hinten: Die ganz jungen Befragten wollen spätestens mit 27 Jahren eine Familie gründen.

Tatsächlich haben in dem Alter aber lediglich 20 Prozent das erste Kind. Bei den Ältesten, die befragt wurden, verschiebt sich das Wunschalter hinter den 30. Geburtstag.

Und, so ergänzt "Eltern"-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki, anders als vor 20 Jahren sei es heute völlig normal, wenn eine Frau ihr erstes Kind ab 35 Jahren bekomme und damit für Ärzte als "Risikoschwangere" gilt. Tatsächlich liegt das Durchschnittsalter für Erstgebärende bei rund 30 Jahren. In Sachsen-Anhalt sind diese mit 29,4 Jahren durchschnittlich am jüngsten und mit 31,8 Jahren in Hamburg am ältesten. 

Viele der Befragten glauben, dass sich dieser Trend fortsetzt: In 20 Jahren sei es nichts Ungewöhnliches mehr, wenn eine Frau mit 50 Jahren ihr erstes Kind bekommt, meinen 37 Prozent der Befragten.

Mehrheit aufgeschlossen gegenüber Social Freezing

Folgerichtig sind laut der Studie 64 Prozent der Befragten dem Social Freezing, dem Einfrieren von Eizellen, gegenüber aufgeschlossen und 31 Prozent können sich diese Möglichkeit auch für sich selbst vorstellen.

Deutlich wird in der Studie auch: Eltern wünschen sich vor allem Zeit für ihre Kinder. Ideal wäre es für die meisten Befragten (60 Prozent), dass Vater und Mutter "nur" in Teilzeit arbeiten und sich so beide um die Betreuung der Kinder kümmern könnten. Zwar wollen sie ausreichend Betreuungs- und Bildungseinrichtungen, aber eben auch großzügige Elternzeitregelungen.

"Vollzeitnahe Elternzeit" umstritten

Die Politik solle dafür gute Bedingungen liefern, aber keine Modelle vorschreiben, so meinen die jungen Paare: Dazu gehört für die befragten Männer und Frauen offenbar auch die Familienarbeitszeit, die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) favorisiert. Eine danach "vollzeitnahe" Tätigkeit von rund 32 Stunden für jedes Elternteil ist für sie zuviel und bedingt ein nicht gewolltes "Outsourcing" von Familienaufgaben an den Staat. 

Wegen mangelnder finanziell attraktiver Teilzeitjobs halten viele das "Partnerschaftsmodell" trotzdem für unrealistisch. Nur 38 Prozent der Befragten glauben, dass dieses Modell in 20 Jahren am häufigsten vorkommt. Stattdessen vermuten 46 Prozent, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten müssen, um finanziell über die Runden zu kommen oder einen Beruf weiter ausüben zu können, und so Kinder länger Zeit in Kita, Schule und Hort verbringen.

Lewicki und der Soziologe Peter Matuschek appellieren da an Politik und Wirtschaft für mehr Flexibilität. So wünschten sich viele die Einführung einer Lebensarbeitszeit und seien dafür auch bereit, im Alter länger zu arbeiten.

Birgit Wilke
(KNA)

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