21.06.2013

Weihbischof Schwaderlapp über das Familienpapier der Evangelischen Kirche

"Mit großer Sorge und Enttäuschung"

Für Wirbel hat Mitte der Woche ein neues Papier zur Familienpolitik gesorgt, dass die Evangelische Kirche in Deutschland in Berlin vorgestellt hat. Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp äußert sich darüber im domradio.de-Interview besorgt.

domradio.de: Herr Weihbischof, wie war Ihre erste Reaktion auf dieses Papier?

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp: Ich muss schon sagen, dass ich den Inhalt mit großer Sorge und auch mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen habe. Aus zwei Überlegungen heraus: Die erste Überlegung ist, dass es einen Bruch mit der eigenen evangelischen Tradition gibt und einen Bruch mit dem christlichen und biblischen Menschenbild und Ehebild. Wenn wir da an die Schöpfungsgeschichte denken: Adam ist einsam, erst als die Frau erschaffen wird, findet er eine Hilfe, die ihm entspricht, also jemand auf Augenhöhe. Die beiden werden ein Fleisch, heißt es. Das wird von Christus aufgegriffen, und deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen und mit seiner Frau zusammen sein. Sie werden ein Fleisch sein. Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Die einzigartige Rolle, die auch die Ehe in der Heiligen Schrift hat, wird nun eigentlich aufgegeben. Das ist ein Bruch mit der eigenen Tradition, ein weiterer Bruch auch mit der Katholischen Kirche, ein Rückschritt in der Ökumene.  

domradio.de: Aus welcher Motivation heraus meinen Sie, hat die evangelische Kirche dieses Positionspapier erarbeitet?

Weihbischof Schwaderlapp: Ich würde gerne darüber mit den Verantwortlichen sprechen, was genau die Motivation ist. Diese Orientierungshilfe bildet eigentlich natürlich ab, wie Menschen heute zusammen leben. Wer will das leugnen? Das ist so, das ist eine Beschreibung der Wirklichkeit, aber wir sind nicht dafür da, Wirklichkeiten zu beschreiben, das können andere genauso gut oder viel besser als wir. Wir haben hier aber eine Botschaft, das heißt, wir sind der Überzeugung, dass wir aus unserem Glauben heraus und aus der Offenbarung den Menschen etwas zu bringen haben, was sie froh macht und ihnen hilft. Das wird hier aufgegeben. Ich möchte das an einem Beispiel deutlich machen. Wenn Sie in Köln über die Hohenzollernbrücke gehen, dann sehen sie diese Liebesschlösser. Ich habe mal überschlagen, es sind mindestens 150.000. Das sind Paare, die gemeinsam ihren Schlüssel in den Rhein werfen. Die machen damit deutlich, dass sie immer beieinander bleiben wollen. Die tiefe Sehnsucht, ein Paar zu bilden, zusammen zu sein, für immer und ewig. Das ist die tiefste Sehnsucht der Menschen und die bleibt auch, auch wenn es Scheitern gibt, auch wenn es den Misserfolg gibt. Diese Botschaft ist dem Menschen zu Grunde gelegt. Dafür muss man nicht Christ sein, um das zu verstehen, aber wir haben aus dem Glauben heraus auch die Deutung, warum das so ist: Wir sind Abbilder Gottes und wir haben aus unserem Glauben heraus auch die Überzeugung, dass Gott uns tatsächlich hilft, diese Sehnsucht zu leben. Das wird aufgegeben. Das ist etwas sehr Schmerzliches.

domradio.de: In diesem Papier wird auch die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zur Ehe angesprochen. Warum ist das in der katholischen Kirche nicht möglich?

Weihbischof Schwaderlapp: Wir sind auch da dem biblischen Menschenbild verpflichtet. Es wird in aller Deutlichkeit homosexuelle Handlung und homosexuelle Beziehung mit diesen Handlungen als Sünde bezeichnet. Das kommt uns zum Teil heute hart vor, das kommt uns zum Teil schwer verständlich vor, aber das ist das, worauf wir verpflichtet sind. Dessen können wir uns nicht entledigen. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, was das dann bedeutet, dass es keine Diskriminierung geben darf, dass es eine Wertschätzung für jeden Menschen geben soll und dass es nicht eine Homophobie geben darf. Aber trotzdem muss man auch anerkennen, ja, Mann und Frau sind füreinander geschaffen. Die Sexualität findet ihre Erfüllung in der zwischenmenschlichen Begegnung und in der Weitergabe des Lebens, und das ist einfach ein Problem. Ich kann nicht so tun, nur weil es die Fälle natürlich gibt, und weil wir da auch in jedem Einzelfall sorgfältig mit umgehen müssen und mit Verurteilungen vorsichtig sein müssen. Wir müssen aber dennoch dieses biblische Menschenbild im Auge behalten.

domradio.de: Meinen Sie, dass es in der  Katholischen Kirche Bewegung geben wird oder sind Sie der Überzeugung, dass diese Position im Prinzip erhaben ist über die Zeit?

Weihbischof Schwaderlapp: Sie ist uns vorgegeben. Das ist aus der Heiligen Schrift uns ganz klar kund gelegt. Daran können wir nicht vorbei. Das kann auch kein Papst ändern.

domradio.de: Meinen Sie, wenn Homosexuelle zum Beispiel so etwas hören, dass Sie sich als gläubige Katholiken von der Kirche ausgeschlossen fühlen durch so eine Interpretation?

Weihbischof Schwaderlapp: Ich glaube schon, dass es für Homosexuelle schwierig ist das anzunehmen, auch das, was die Heilige Schrift zu diesem Thema sagt. Da kommt es gerade auf uns an, deutlich zu machen, dass es dennoch von unserer Seite eine Unterstützung geben muss, dass es eine Seelsorge geben muss, dass es eine Hochachtung geben muss. Wir dürfen nicht herabsetzend über andere sprechen, auch nicht über Homosexuelle, gerade nicht über sie. All das wird dann für uns zur Herausforderung. Aber das sind dann wirklich Themen der persönlichen Seelsorge.

domradio.de: Was bedeutet das jetzt auch konkret für den Ökumenischen Dialog? Wie kann man den Dialog weiter mit der Evangelischen Kirche pflegen?

Weihbischof Schwaderlapp: In diesem Punkt wird es einfach schwieriger. Auch wenn es immer Unterschiede gab, wir verstehen in der Katholischen Kirche die Ehe als Sakrament, als Abbild des Bundes Jesu Christi mit seiner Kirche. Das hat Luther nie anerkannt. Aber es war immer noch der Konsens, dass die Ehe eine Schöpfungswirklichkeit ist, die hoch zu schätzen und zu pflegen ist. In diesem Punkt sind wir jetzt einfach auseinander. Ich weiß nicht, was es für Konsequenzen haben wird. Wir sollten uns jedenfalls in aller Offenheit und Klarheit innerökumenisch diesem Dialog stellen und die Verantwortlichen sollten hier miteinander reden.

Das Interview führte Christian Schlegel.