ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
Angehörige der Opfer in Lahore
Angehörige der Opfer in Lahore

28.03.2016

ZdK-Präsident Sternberg verurteilt Oster-Anschlag in Pakistan "Das hat nichts mit irgendeiner Religion zu tun"

Nach dem Oster-Anschlag in Pakistan ruft das Katholikenkomitee zur Solidarität mit verfolgten Gläubigen auf. In Europa muss laut Zdk-Präsident Sternberg das Christliche gerettet werden: Gemeinsinn und Menschenfreundlichkeit.

domradio.de: Haben Sie Worte für dieses Attentat?

Thomas Sternberg (Präsident des Zentralrats der deutschen Katholiken): Es ist schon alles unfasslich, wie bei unserem höchsten Fest, in die Freude des Osterfestes, eine so unglaubliche widerliche brutale Tat hineinplatzt und wieder einmal mit dem wirklich geradezu perversen Missbrauch des Gottesnamens. Eine Gruppe, die allen Ernstes von sich behauptet, sie sei eine muslimische Gruppe. Das hat nichts mit irgendeiner Religion zu tun, solche widerwärtigen Terroranschläge.

domradio.de: Wie ordnen Sie diesen blutigen Anschlag gegen Christen ein?

Sternberg: Christen sind leider Gottes die am stärksten betroffene Religionsgruppe weltweit im Moment gegen Terror und gegen Verfolgungen, aber das betrifft natürlich auch etwa Jesiden in Syrien oder andere. Es ist alles unglaublich wie hier die Religion als Vorwand dient, um Menschen zu verfolgen und auszugrenzen – ja, sogar zu töten.

domradio.de: Wie kommt es denn dazu, dass vereinzelte Gruppen diese radikalen Maßnahmen wählen? Es war ja nicht immer so.

Sternberg: Man muss genau gucken, was das eigentlich für Interessen sind. Man weiß es aus Afghanistan, man weiß es vom IS: Es stehen in der Regel politische Interessen dahinter, es stehen in der Regel Machtinteressen von radikalen Gruppierungen dahinter, die nur den Gottesnamen gebrauchen, sich Muslime nennen, aber auch mit dem Islam nicht viel zu tun haben. Ich denke in großer Solidarität mit allen wirklichen Muslimen.

Auch bei uns in Deutschland sollten wir uns mit aller Vehemenz gegen Terror und Gewalt, natürlich gegen Christen, was uns heute besonders betroffen macht, aber auch gegen andere Religionsgruppen wenden. Wir müssen uns ja im Klaren darüber sein, die am stärksten Betroffenen von solchen Anschlägen dieser radikalen Gruppen sind nach wie vor Muslime selbst. Die Muslime gehören auch zu den betroffenen Gruppen, wenn  wir nur etwa an die Syrer denken, die Menschen, die jetzt zu uns geflohen sind. Sie können von unglaublichen Vorgängen des islamischen Staates zum Beispiel erzählen.

domradio.de: Diese Talibangruppe droht mit weiteren Anschlägen. Was fordern Sie von der Politik bzw. können wir überhaupt etwas von der Politik fordern?

Sternberg: Ich meine, man kann wachsam sein, man kann wirklich alles tun, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Wir haben das nun auch mitten im Herzen Europas erlebt. Was wir nicht machen dürfen: Wir dürfen nicht in Panik verfallen und wir dürfen uns nicht in Angst versetzen. Wenn die Bevölkerung in Angst gerät, dann gibt es immer unkontrollierte Reaktionsweisen. Ganz wichtig ist, dass die große Besorgnis, die wir jetzt haben müssen, angesichts solcher Vorfälle weltweit, sich nicht in eine unkontrollierte Angst verwandelt. Sondern dass wir mit klarem Blick solchen Gruppen massiv entgegenstehen und allerdings auch die Staaten in der Bekämpfung solcher Tendenzen unterstützen. Wir sollten auch alles daran setzen, um das Prinzip der Religionsfreiheit weltweit durchzusetzen.

domradio.de: Und was können wir Christen tun?

Sternberg: Da sind wir als Christen natürlich ganz besonders aufgefordert. Ich glaube, dass Menschen, die selber wissen, was Religion ist, auch den Schutz von Religionen besonders im Blick haben. Also einmal der Blick auf christliche Brüder und Schwestern, aber auch auf andere Religionen. Wir wissen wie schrecklich das ist, wegen eines Glaubens verfolgt und benachteiligt zu werden.

domradio.de: Ganz konkret sagen Sie, das Beten wäre jetzt auch ein guter Weg für Christen in dieser Situation?

Sternberg: Aber selbstverständlich. Wir haben heute den Ostermontag und auch an diesem Ostermontag hören wir im Evangelium, dass Jesus auf dem Gang nach Emmaus bei den Jüngern ist, dass er auferstanden ist, bei uns ist, ist die Botschaft dieses Tages. In dieser Zuversicht können wir auch beten. Das Gebet ist natürlich wichtig, das Gebet für unsere Glaubensgeschwister.

domradio.de: Wie wichtig ist es denn, dass überhaupt wir Christen wieder mit mehr Selbstbewusstsein gerade hier im Westen unseren Glauben vertreten, ohne natürlich andere in die Ecke zu drängen, aber vielleicht bräuchten wir auch wieder mehr Solidarität?

Sternberg: Wir brauchen ganz ohne Frage mehr Solidarität und wir brauchen auch mehr Selbstbewusstsein als Christen, aber nicht in einem auftrumpfenden und ausgrenzenden Sinne. Wichtig ist, dass wir darauf achten, dass auch bei radikalen Tendenzen in Europa, dass wir das Christliche im Abendland retten und zwar insofern das Christliche, dass wir darauf achten, dass Gemeinsinn, Menschenfreundlichkeit, Menschenwürde weiterhin ihren Rang im Land behalten.

Das Interview führte Birgitt Schippers

 

(dr)

Christenverfolgung

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