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Armut in Deutschland
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24.02.2016

Kölner Caritas über neuen Armutsbericht "Menschliche Debatte nötig"

Trotz guter Wirtschaftslage gibt es viel Armut in Deutschland. Das zeigt der jährliche Armutsbericht des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Michaela Hofmann von der Kölner Caritas spricht bei domradio.de über Gründe und Auswirkungen.

domradio.de: Erstmals liegt die Armutsquote über dem Schnitt. Wird Altersarmut das Problem der Zukunft?  

Michaela Hofmann (Referentin für Armutsfragen beim Diözesan-Caritasverband Köln): Das wird es auf alle Fälle, wenn nicht dagegen gesteuert wird. Wenn man sich die Renten anguckt und auch die Rentenabsenkungen, dann ist es so, dass die Altersarmut steigen wird. Private Vorsorge oder auch Betriebsrenten, die mal angedacht waren, greifen. Selbst die Riesterrente, für die man auch einen kleinen Obolus einzahlen muss, ist für einkommensschwache Menschen nicht leistbar. Von daher wird sich dann diese Zahl von Menschen, die in Armut im Alter leben müssen, erhöhen.  

domradio.de: Zur Gruppe der von Armut Betroffenen gehören besonders auch die Alleinerziehenden: 42 Prozent aller Alleinerziehenden sind von Armut betroffen. Wie kann gerade dieser Personengruppe geholfen werden?

Michaela Hofmann: Gerade bei Alleinerziehenden mit kleinen Kindern hat, muss man darauf achten, dass das System rundherum funktioniert. Man muss gute Kindertageseinrichtungen haben und man muss auch die Frauen unterstützen, um die Arbeit und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen. Da wird eigentlich noch relativ wenig für getan. Das andere sind Aspekte wie zum Beispiel der Unterhalt. Bei Geschiedenen ist es so, dass der Unterhalt, wenn die Männer nicht zahlen können, nicht länger als 72 Monate gezahlt wird. Das ist dringend veränderungsbedürftig, damit auch Alleinerziehende mit ihren Kindern über dem Existenzminimum leben können.

domradio.de: Warum gibt es so viele Gruppen, die nicht von der guten Konjunktur profitieren?  

Michaela Hofmann: Abgefischt vom Arbeitsmarkt werden immer die, die arbeitsmarktnah sind. Die Menschen, die eben aufgrund von Erkrankungen oder bei denen der Bildungsabschluss nicht so gelungen ist, die sind eher arbeitsmarktfern und für die gibt es relativ wenige Arbeitsplätze. Zum anderen muss man bedenken, dass die Konjunktur nur  bestimmte Firmen betrifft und die sind nicht unbedingt im Ruhrgebiet. Deswegen ist in bestimmten Regionen diese Arbeitsmarktsituation für die Menschen sehr prekär.

domradio.de: Jetzt kommen auch noch die Flüchtlinge hinzu: Was bedeutet das für die Konkurrenz dieser Gruppen?

Michaela Hofmann: Ich finde das immer ganz schrecklich, wenn man sagt, es ist eine Konkurrenz, weil die Flüchtlinge Menschen sind. Alle brauchen eine Wohnung, eine Arbeit und sie brauchen Unterstützung. Von daher finde ich es extrem schwierig und zur Konkurrenz beitragend, wenn man dann die Zielgruppen so seziert und sagt: Die einen nehmen den anderen was weg. Eigentlich müsste auch die Politik und wir insgesamt in der Gesellschaft dazu übergehen und fragen: Was brauchen diese Menschen? Die Problematik, dass wir keine Wohnungen und nicht genug Arbeitsplätze haben oder dass das Bildungssystem nicht funktioniert, war auch vor den Flüchtlingen schon da. Da sind entsprechende politische Entscheidungen getroffen worden. Da hat man nicht daran gedacht, dass es eventuell auch viele Menschen geben kann, die über wenig Einkommen verfügen und von daher fände ich es wichtig, wenn wir die Diskussion anders führen und nicht sagen: Die Flüchtlinge kommen und deshalb gibt es mehr Konkurrenz, sondern das wir eher lösungsorientiert ansetzen und uns für diese Menschen einsetzen.

Das Gespräch führte Verena Tröster.

(dr)

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