Wilhelm Zimmermann
Wilhelm Zimmermann

14.03.2014

Papst Franziskus ernennt Gelsenkirchener Pfarrer Neuer Weihbischof in Essen

Papst Franziskus hat den Gelsenkirchener Pfarrer Propst Wilhelm Zimmermann zum neuen Weihbischof in Essen und Titularbischof von Benda (Albanien) ernannt.

Als Wilhelm Zimmermann 1980 zum Priester geweiht wurde, schwebte ihm eine Pastorenstelle in einem überschaubaren Stadtteil vor. Doch alles ist anders gekommen. Nach den Fusionen im Bistum Essen übernahm er 2009 Deutschlands größte katholische Pfarrei St.

Urbanus in Gelsenkirchen-Buer, die heute rund 38.000 Katholiken und damit deutlich mehr als etwa das gesamte Bistum Görlitz zählt. Die Erfahrungen an der Spitze dieses Verbundes mit sieben Gemeinden haben Zimmermann nun eine noch verantwortungsvollere Aufgabe eingebracht: Er wird als Nachfolger von Franz Vorrath Weihbischof im Bistum Essen.

Zimmermann, der sehr bedächtig auftritt und alles andere als ein Poltergeist ist, hat in seinem "Bistum Buer" konkret erfahren, was die Neustrukturierung der Seelsorge aufgrund rückläufiger Zahlen bei Kirchenmitgliedern und Priestern bedeutet. Er musste aus ehemals 16 eigenständigen Pfarreien eine Einheit schmieden. Fünf Kirchen wurden aufgegeben, einige Kindergärten geschlossen, pastorale Mitarbeiter mussten gehen - eine schmerzliche Entwicklung.

Keine Resignation

Dennoch ist Zimmermann weit davon entfernt, in Resignation zu verfallen. "Wir mussten immer wieder neu anfangen", meint der 65-Jährige auch mit Blick auf die wirtschaftlichen Umbrüche im Ruhrgebiet. "Veränderung" und "Bewegung" - das sind Schlüsselbegriffe für den gebürtigen Gelsenkirchener, der erst Einzelhandelskaufmann lernte, dann zur Theologie wechselte und unter anderem Jugendpfarrer des Bistums und Geheimsekretär des ersten Ruhrbischofs, Kardinal Franz Hengsbach, war.

Auch in der heute säkular geprägten Umwelt will der Geistliche "Eckpfeiler für die Botschaft Christi in dieser Region" schaffen. Dabei setzt Zimmermann, der bislang Chef von rund 60 Mitarbeitern war, vor allem auf ein Prinzip: Nicht mehr alles selber machen und in einem großen Team arbeiten. "Aufgaben delegieren können" lautet ein Kernsatz von ihm. So hat er in seiner Pfarrei Verwaltung und Finanzen weitgehend einem Mitarbeiter übertragen. "Das wird nicht mehr von mir gemacht", lautete seine klare Ansage.

Großer Stellenwert der Ehrenamtlichen

Zimmermann beschränkt sich nicht allein auf sachlich orientierte Zusammenarbeit. In seiner Groß-Pfarrei sorgte er dafür, dass sich die rund 20 Seelsorger regelmäßig treffen, zu einer wöchentlichen Gebetszeit zusammenkommen, Ausflüge machen und über dienstliche Details hinaus mitunter auch über private Probleme reden. Solche Nähe habe es in früheren Zeiten nicht gegeben, als jeder Geistliche nur seine eigene Gemeinde im Blick hatte. "Wann habe ich den benachbarten Pastor früher mal angerufen?", blickt Zimmermann zurück. Insofern kann der künftige Weihbischof der neu aufgestellten Seelsorge auch Positives abgewinnen. "Das verändert den Lebensstil." Priestersein müsse keinesfalls bedeuten, allein zu leben.

Einen großen Stellenwert räumt Zimmermann nicht zuletzt den Ehrenamtlichen ein. Bei einer Protestveranstaltung gegen den Abriss einer Kirche war er heilfroh, dass ihn jeweils ein Mitglied des Pfarrgemeinderates und des Kirchenvorstandes zu der hitzigen Diskussion begleiteten. Der damals eigens entwickelte Pastoralplan für St. Urbanus nennt als Ziel, Ehrenamtliche für kreative Mitarbeit zu gewinnen - ohne dass aber "die gesamte Arbeit von einzelnen geleistet wird".

Ähnlich stellt er sich für die Aufgabenteilung unter den Hauptamtlichen vor. In Buer kümmerte sich nicht Zimmermann schwerpunktmäßig um die Jugendarbeit, sondern der Seelsorger einer Filial-Gemeinde. Ein anderer war mehr mit den karitativen Dingen beschäftigt, wieder ein anderer mit Verbänden. Auf diese Weise schaffte er Raum für neue Initiativen: So hat die Gemeinde in Gelsenkirchen-Hassel, ein Stadtteil mit vielen muslimischen Migranten, Kontakte zur Moscheegemeinde geknüpft. Gerade solche Umbrüche findet Zimmermann spannend und zukunftsweisend. Sein scherzhaft gewendetes Fazit gilt sicher auch für seine künftige Aufgabe als Weihbischof: "Priestersein hilft gegen Alzheimer."

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