26.01.2013

Voderholzer zum Regensburger Bischof geweiht

Bayerns größte Diözese hat wieder einen Oberhirten

Der Trierer Dogmatiker Rudolf Voderholzer ist in Regensburg zum Bischof geweiht worden. Er ist Nachfolger seines Lehrers Gerhard Ludwig Müller.

Der erste Eindruck ist der wichtigste, lautet eine alte Lebenserfahrung. Folgt man ihr, hat der neue Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer (53) den Eingangstest an seinem neuen Wirkungsort bestanden. Mehrfach brandete in seinem Weihegottesdienst am Samstag Applaus auf. Im fast bis auf den letzten Stehplatz voll besetzten Regensburger Dom trotzten die Gottesdienstteilnehmer frostiger Kälte; noch während der Messe gingen im benachbarten Kirchenladen die Erinnerungsbildchen von der Bischofsweihe weg wie warme Semmeln.

Voderholzer präsentiert sich an seinem ersten Tag im Bischofsamt als Brückenbauer in viele Richtungen. Die silberne Brücke in seinem Wappen ist ihm offenbar weit mehr als ein Ornament, mehr als eine freundliche Reminiszenz an seine Bischofsstadt mit der weltberühmten Steinernen Brücke als Wahrzeichen.

Als Bischof sei es nicht seine Aufgabe, "Asche zu hüten", sagt er. Vielmehr gehe es darum, "der Fackel des Glaubens eine Brücke in die Zukunft zu bauen, ein Feuer weiterzugeben, das in unseren Herzen brennt und uns zu leben hilft". Dies könne er aber nicht allein. "Ich brauche Sie alle. Ohne Euch geht es nicht", ruft er den Versammelten zu.

Mit dem Vorgänger verbunden

Für eine besondere Brücke in die Vergangenheit steht Voderholzers Bischofsring. Es handelt sich um eine Nachbildung jenes Fingerschmucks, den Papst Paul VI. 1965 den Teilnehmern des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Abschluss mit auf den Weg gab. Ein ausdrucksstarkes Zeichen dafür, was Voderholzer als absolut verbindlich gilt.

Die drei Konsekratoren seiner Bischofsweihe verweisen auf wichtige Beziehungen, in denen Voderholzer steht. Kardinal Reinhard Marx ist aus München gekommen, der Heimatstadt des neuen Bischofs. Voderholzer gehört zu seinem Klerus und auch im neuen Amt zur Münchner Kirchenprovinz. Marx deutet in seiner Predigt an, dass die aktuelle Lage der Kirche gemessen an den Schlagzeilen das Bischofsamt als "mission impossible" erscheinen lassen könnte. Doch zum Schluss ruft er ihm ein beherztes "Auf geht's, lieber Mitbruder" zu.

Auch mit dem Präfekten der Glaubenskongregation verbindet Voderholzer viel. Erzbischof Gerhard Ludwig Müller war bis zur Beförderung nach Rom im vergangenen Sommer in Regensburg nicht nur Voderholzers direkter Vorgänger, sondern an der Münchner Universität auch sein theologischer Lehrer. Müller hat ihn vor Jahren mit der Koordination der Arbeiten an der Herausgabe der Gesammelten Werke von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. betraut.

"Rückkehr zu den Wurzeln meines Glaubens"

Und dann ist da noch der Pilsener Bischof Frantisek Radkovsky aus Regensburgs tschechischer Partnerdiözese. Aus Radkovskys Diözese stammt Voderholzers Mutter, eine Sudetendeutsche. Sie, sagt der Sohn, habe ihm zum ersten Mal vom heiligen Wolfgang erzählt, jenem Regensburger Diözesanpatron, dessen 78. Nachfolger auf dem Bischofsstuhl Voderholzer nun selbst ist.

Schon lange feiert Voderholzer in mehreren böhmischen Orten regelmäßig Gottesdienste, sein erster Lehrer hatte dort seine Heimat. "Es ist für mich immer wie eine Rückkehr zu den Wurzeln meines Glaubens", bekennt der Bischof. Zu einem Glauben, der sich auch in schlimmen Zeiten bewährt habe, "als die Brücken zwischen den Menschen und den Völkern niedergerissen wurden", und ohne dessen Zeugnis er heute nicht hier stünde.

"Dass Sie mir heute die Hände aufgelegt haben, bewegt mich tief", wendet sich der neue Regensburger Bischof dann direkt an Radkovsky. "Ich fühle mich heute an Ihre Seite gerufen, damit wir weiterhin Brücken bauen" - damit die Europäer zueinander finden und den Menschen ein Weg zur Frohen Botschaft Jesu Christi geöffnet wird.

Christoph Renzikowski
(KNA)