Studie beschreibt Schieflage in der Kirche
Studie beschreibt Schieflage in der Kirche
Wolfgang Ockenfels
Wolfgang Ockenfels

26.01.2013

Debatte um Sinus-Studie zur katholischen Kirche

"Wissenschaftsgläubige Theologen"

Der Sozialethiker Wolfgang Ockenfels kritisiert die Macher der neuen Sinus-Milieustudie über die Lage der katholischen Kirche scharf. Einer der Verantwortlichen, der Pastoraltheologe Matthias Sellmann, verteidigt sie im domradio.de-Interview.

Die "wissenschaftsgläubigen Theologen" würden leichtfertig Begriffe, Kategorien und Methoden übernehmen, mit denen die religiöse Realität kaum erfasst werden könne, sagte der Dominikanerpater der in Würzburg erscheinenden "Tagespost" (Samstag). Zugleich wies er darauf hin, dass das "Sinus-Milieu-Modell" auch innerhalb der Soziologenzunft umstritten sei.

Die Untersuchung des Marktforschungsinstituts "Sinus" und der kirchlichen Medien-Dienstleistungsgesellschaft (MDG) war am Donnerstag in München vorgestellt worden. Dabei handelt es sich um die erste umfassende Erhebung über die Lage der katholischen Kirche nach der Debatte über die Missbrauchsskandale. Auftraggeber waren mehrere katholische Hilfswerke und Dienststellen, darunter das Militärbischofsamt und das Münchner Ordinariat.

Bestätigung für "massenmedial propagierte Phrasen"

Die Wissenschaftler hatten ermittelt, dass Deutschlands Katholiken überwiegend an ihrer Kirchenzugehörigkeit festhielten, aber in Glauben und Leben oft eigene Wege gingen. "Nicht lebensdienliche Kirchenregeln und Dogmen", die von Laien vor einigen Jahren noch geduldig ertragen oder stillschweigend umgangen worden seien, würden heute offen angesprochen, hieß es. Dazu zählten etwa die "Diskriminierung von Frauen", die Zölibatspflicht der Priester, der Ausschluss bestimmter Personengruppen von den Sakramenten sowie die Sexualmoral. Auch erwarteten die Katholiken mehr Mitsprache.

Nach Ansicht von Ockenfels bestätigten die Ergebnisse vor allem die "massenmedial propagierten Phrasen und ohnehin vorhandenen Vorurteile - und verdoppelten sie noch". Das Geld für solche Studien sollte besser für konstruktive Medienarbeit eingesetzt werden. "Die Kirche scheint vom Pech verfolgt zu sein, sobald sie sich soziologischer Hilfsmittel zur Aufklärung der Glaubenskrise bedient", fügte der Sozialethiker noch hinzu. Damit spielte er offenbar auf die Auseinandersetzung der deutschen Bischöfe mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer an. Der Vertrag mit dessen Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen für eine Missbrauchsstudie war im Januar von den Bischöfen wegen mangelnden Vertrauens aufgekündigt worden.

 

(KNA)