Kirche in Altenkirchen auf Rügen
Kirche in Altenkirchen auf Rügen
Touristen auf der Insel Rügen
Touristen auf der Insel Rügen

10.03.2016

In Vorpommern entsteht Deutschlands weiträumigste Pfarrei Seelsorge im Großformat

Eine Pfarrei mit 150 Kilometern Durchmesser erwartet man in fernen Ländern. Nun formiert sie sich in Vorpommern - von Rügen bis Altentreptow. Die katholische Minderheit wird zu kreativen Konzepten herausgefordert.

Spitzenzahlen weist das abgelegene Vorpommern zumeist bei Arbeitslosen oder Touristen auf. Bald kann die Region im Nordosten Deutschlands einen weiteren "Rekord" bieten. Dort formiert sich derzeit Deutschlands flächenmäßig größte katholische Kirchengemeinde.

Von der Nordspitze der Insel Rügen bis Altentreptow im Süden

Sie entsteht von der Nordspitze der Insel Rügen über 150 Kilometer bis Altentreptow im Süden. Zu dem neuen "pastoralen Raum" schließen sich drei bisherige Kirchengemeinden mit zusammen 6.530 Mitgliedern und elf Gottesdienstorten zusammen. Die Fusion erfolgt im Rahmen der laufenden Gemeindereform des Erzbistums Berlin, dem auch Vorpommerns Katholiken angehören. In der Region sind sie eine Drei-Prozent Minderheit. 

Kardinal Woelki leitete als Berliner Erzbischof Reform ein

Den Zusammenschluss vereinbarten die Gemeinden in den vergangenen drei Jahren. Kurz zuvor erst hatte der damalige Berliner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, die Reform unter dem Motto "Wo Glauben Raum gewinnt" eingeleitet. Bei einem Besuch Vorpommerns eröffnete dessen Nachfolger Heiner Koch am Mittwoch und Donnerstag in Stralsund und weiteren Städten für die künftige Großpfarrei die nächste Etappe des Reformprozesses. Nun sollen die Gemeinden mit anderen katholischen Institutionen wie der Caritas ein gemeinsames Konzept für die Aktivitäten ihres "pastoralen Raums" entwickeln.

In der sich abzeichnenden Rekord-Pfarrei werden Chancen und Probleme des Reformprozesses besonders deutlich. Sie umfasst zwei ganz unterschiedliche Teilregionen. An der Ostseeküste ist fast immer Saison: Im Sommer kommen die Familien, zu den anderen Jahreszeiten sind es zumeist ältere Gäste. Urlauber sind oft besonders offen für pastorale Angebote, auch wenn sie sonst mit Kirche nicht viel zu tun haben. Dieser Erfahrung trägt das Erzbistum Rechnung und hat die Tourismusseelsorge verstärkt.

Soziale Beratung in einem Kleinbus?

Weitab vom Meer wachsen die Bedenken. "Wir hoffen, dass die Caritas bei uns in Demmin bleibt", sagt Pfarrer Peter Szczerbaniewicz. Noch unterhält der Wohlfahrtsverband ein Begegnungszentrum in der Kleinstadt. Burghardt Siperko, Leiter der Caritas Vorpommern, kündigt jedoch an, dass die Arbeit "in dieser Form" im kommenden Jahr wohl enden wird. Ganz will sich der Verband jedoch nicht zurückziehen.

Siperko kann sich soziale Beratung in einem Kleinbus vorstellen, der zwischen Altentreptow, Demmin und Grimmen über die Dörfer fährt. Ein entsprechendes Pilotprojekt lief ab 2014 mit einem "CariMobil" in den weiter östlich gelegenen Städten Pasewalk und Anklam.

Für Siperko ist es vor allem eine Frage der Finanzierung. "Alleine kann die Caritas das nicht anbieten", betont Vorpommerns Caritas-Chef. Entweder nimmt der Landkreis ein solches Beratungsangebot in seinen Sozialplan auf oder das Erzbistum beteiligt sich - das sind aus Siperkos Sicht die Alternativen.

Ehrenamtliche Unterstützung nötig

Angesichts des verschwindend kleinen Katholikenanteils in der Fläche als Kirche präsent zu sein, ist für ihn die größte Herausforderung der Gemeindereform. Das Ehrenamt wird deshalb eine noch größere Rolle spielen als jetzt schon. In Demmin engagieren sich katholische Christen bereits in der Seniorenarbeit, stehen in Stralsund als Begleiter im ambulanten Hospizdienst zur Verfügung oder helfen in Barth Flüchtlingen. Auf Rügen organisiert die Gemeinde jährlich im Sommer für ganz Vorpommern eine Marienwallfahrt nach Sellin.

Welche Schwerpunkte der entstehende pastorale Raum Demmin-Stralsund-Rügen künftig setzen oder stärken wird, zeichnet sich noch nicht ab. "Wie wir uns zusammenfinden, werden die kommenden beiden Jahre zeigen", betont der Stralsunder Pfarrer Andreas Sommer. Nach dem "Startschuss" von Erzbischof Koch berät darüber nun ein Gremium mit Vertretern aus allen Gemeinden und weiteren katholischen Einrichtungen.

Anja Goritzka
(KNA)

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