Solidaritätskundgebung für Zornedinger Pfarrer
Solidaritätskundgebung für Zornedinger Pfarrer
Lichterkette in Zorneding
Lichterkette in Zorneding
Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende
Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende

10.03.2016

Solidaritätskundgebung für Zornedinger Pfarrer "Olivier, wir stehen hinter Dir!"

Die Schlagzeilen der vergangenen Tage wollten die Zornedinger nicht auf sich sitzen lassen: Am Mittwochabend kamen mehr als 3.000 Menschen zu einer Solidaritätskundgebung für ihren Pfarrer und gegen Rassismus.

Mittwochabend kurz vor 18 Uhr im Rathauspark der oberbayerischen Gemeinde Zorneding: Während die Sonne langsam untergeht, strömen immer mehr Menschen herbei. Die Damen vom Seniorenclub sind genauso unter ihnen wie junge Paare mit ihren Kindern. Die Jungsozialisten schwenken ihre roten Fahnen, während zwei Frauen ein selbst gefertigtes Transparent hochhalten. "Olivier, wir stehen hinter Dir!", ist darauf zu lesen. Auf einem anderen heißt es schlicht: "Mein Zorneding ist bunt."

Pfarrer hatte Rücktritt erklärt

Am Wochenende hatte der aus dem Kongo stammende Pfarrer Olivier Ndjmbi-Tshiende, der seit einigen Jahren deutscher Staatsbürger ist, die Gemeinde über seinen Weggang informiert. Der Grund: mehrere anonyme Morddrohungen. Seine Reaktion sorgte weithin für Schlagzeilen. Sogar die "New York Times" habe über die Ereignisse in dem rund 9.000 Einwohner zählenden Ort berichtet, wie ein junger Mann kurz vor Beginn der Solidaritätsveranstaltung erzählt. "Nur von den Vorfällen oder auch von der geplanten Kundgebung?", will sein Gegenüber wissen. "Nein, auch von letzterer", lautet die beruhigende Antwort.

Solidaritätsaktion mit über 3.000 Menschen

Um zu zeigen, dass Zorneding nicht so ist, wie es derzeit in den Medien erscheinen mag, kommen an diesem kalten Abend mehr als 3.000 Menschen zusammen. Darunter auch viele Vertreter aus Politik, Kirche und Kultur. Alle haben sie Kerzen in Gläsern oder Laternen mitgebracht, um später für die Lichterkette gerüstet zu sein. Zum Auftakt spielen Gitarristen auf einer Bühne John Lennons berühmtes Friedenslied "Imagine".

Die Idee, eine solche Veranstaltung zu organisieren, sei an das Bündnis "Bunt statt Braun" im Landkreis Ebersberg gleich von mehreren Seiten herangetragen worden, sagt deren Sprecherin Angela Warg-Portenlänger. Moritz Dietz setzte den Plan dann in die Tat um.

Er ist Mitglied der Gruppierung und sitzt für die Grünen im Zornedinger Gemeinderat. Die Zweite Bürgermeisterin Bianka Poschenrieder (SPD) hat für den Abend die Moderation übernommen. Dass so viele gekommen sind, um Rassismus entgegenzutreten, erfülle sie mit Freude. Denn die ganze Welt solle sehen: "Wir sind gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit."

Sie sei bestürzt, dass jemand durch Hass so viel Macht ausüben könne, sagt Poschenrieder. Dann ruft sie den Leuten unter Applaus zu: "Das lassen wir uns nicht gefallen." Mit Piet Mayr (CSU) tritt später auch der Erste Bürgermeister ans Mikrofon. Als er den Zusammenhalt der Gemeinde für ein friedliches Zusammenleben und Toleranz beschwört, erwähnt er ausdrücklich den Helferkreis Asyl. "Das hätte er mal früher tun sollen", kommentiert eine ältere Dame, die wie ihr Mann einen Regenbogenschal mit der Aufschrift "Peace" um die Schultern trägt.

Streit zwischem Pfarrer und Orts-CSU

Im Herbst 2015 hatte es eine Kontroverse zwischen dem Seelsorger, seiner Gemeinde und der örtlichen CSU gegeben. Die damalige CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher löste mit einem Beitrag im "Zornedinger Report" einen Skandal aus, weil sie auf polemische Weise gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und deren Flüchtlingspolitik sowie Bundespräsident Joachim Gauck wetterte. Von ihrem Amt ist sie inzwischen zurückgetreten. Ndjimbi-Tshiende habe sich mit ihr ausgesprochen und versöhnt, wie er in einer Presseerklärung mitteilte.

Die Vertreter der katholischen Kirche und der Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Manfred Groß, heben in ihren Beiträgen bei der Kundgebung die gute Zusammenarbeit mit dem Priester hervor. Zugleich verurteilen sie, was passiert ist. Groß mahnt, dass doch vor Gott alle gleich seien. Dieser Grundsatz sei mit Füßen getreten worden.

Dann zählt Moritz Dietz eine ganze Reihe von ausländerfeindlichen Übergriffen im Großraum München auf, die sich in der vergangenen Zeit ereignet haben. Dazu beigetragen habe wohl auch, dass seit Monaten systematisch Öl ins Feuer der Asyldebatte gegossen werde, so sein Fazit. Den friedlichen Abschluss der Veranstaltung bildet die Lichterkette unter dem Glockengeläut der Kirchen.

Barbara Just
(KNA)

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