Andreas Bittner, Bischofs-Chauffeur im Bistum Dresden-Meißen.
Andreas Bittner, Bischofs-Chauffeur im Bistum Dresden-Meißen.

23.01.2016

Der dienstälteste Bischofs-Chauffeur freut sich auf neuen Mitfahrer Sehnsüchtiges Warten

Schon zu DDR-Zeiten kutschierte er den Bischof von Dresden-Meißen. Der dienstälteste Bischofs-Chaffeur in Deutschland wartet gespannt auf seinen neuen Bischof.

Das vakante Bistum Dresden-Meißen wartet auf die Ernennung seines 50. Bischofs. Auch bei Andreas Bittner wächst die Spannung. Denn in seinem Mercedes ist seit vergangenem September, seit dem Wechsel von Erzbischof Heiner Koch nach Berlin, ebenfalls ein Platz verwaist. Der 61-Jährige ist seit Juni 1978 der Fahrer der Bischöfe von Dresden-Meißen und wartet jetzt auf "seine" Numero Vier nach Bischof Gerhard Schaffran (1970-1987), Bischof Joachim Reinelt (1988-2012) und eben Bischof Koch (2013-2015). Mit über 37 Amtsjahren ist Bittner inzwischen der dienstälteste Bischofs-Chauffeur in Deutschland.

37 Dienstjahre und drei Bischöfe

Eine Ausschreibung für seinen Job gab es 1978 nicht. "Das ging in der DDR über Mund-zu-Mund-Propaganda", erzählt Bittner. Und er hatte klare Pluspunkte vorzuweisen: "Zum einen war schon mein Vater Fahrer von Gerhard Schaffran, als dieser noch Bischof in Görlitz war. Zum anderen kannte Bischof Schaffran mich auch als Ministrant aus der Bischofskirche Sankt Jakobus." So erhielt der gelernte KFZ-Schlosser, der damals in Görlitz wohnte, im Frühjahr 1978 eine Anfrage aus Dresden und die Einladung zum Gespräch bei Bischof Schaffran.

"Natürlich war meine Frau dabei. Sie musste den Dienst ja mittragen, der damals auch schon von Montag bis Sonntag ging", erinnert sich Bittner. "In diesem Dienst hat man unregelmäßige Arbeitszeiten, viele Abendtermine und viele am Wochenende. Dadurch kommt es automatisch zu Einschränkungen im Privatbereich." Flexibel zu sein und improvisieren zu können, hat er mit den Jahren lernen müssen. Und: Zu Bittners Aufgaben gehört nicht nur der Platz hinter dem Lenkrad. Er übernimmt auch das Amt des Zeremoniars und Bischofsassistenten bei vielen Messen, Firmungen und Weihen.

"Mein erster Bischofswagen? Ein Mercedes!"

Wer denkt, Bittner habe seinerzeit mit einem Trabbi als Dienstwagen begonnen, irrt gewaltig. Den fuhr er zwar privat. Aber: "Mein erster Bischofswagen? Ein Mercedes!" Schon zu DDR-Zeiten war es durchaus üblich, dass die katholischen Bischöfe einen stattlichen Benz fuhren: "Die bekamen die Ostbischöfe von den westdeutschen Bistümern zur Verfügung gestellt."

Der Transfer freilich war knifflig. Der Wagen musste zunächst zur "KFZ-technischen Anstalt" der DDR. Dort blieb er erst einmal zwei Tage zum "Durchchecken". "Die Mechaniker waren natürlich sehr interessiert an der Westtechnik", so Bittner. "Wir haben uns auch immer gefragt, ob die nicht irgendwas zum Abhören einbauen." Das war durchaus delikat. "Aber ich habe nie eine Wanze oder so was in meinem Wagen gefunden", sagt der Chauffeur und schmunzelt. Danach gesucht hat er natürlich.

Über 60.000 Kilometer pro Jahr

Im Laufe der Jahre fuhr Bittner nicht immer Benz. Die Marken wechselten. Und mit dem Komfort der Wagen stieg die jährliche Kilometerzahl: Waren es zu DDR-Zeiten rund 30.000 Kilometer, die Bittner seine Bischöfe jährlich durch die sozialistischen Lande lenkte, sind es inzwischen über 60.000 Kilometer pro Jahr - und all das bislang ohne je einen Unfall. "Der große Anstieg kam natürlich mit der Wende, als plötzlich immer mehr Termine auch im Westen auf dem Programm standen", berichtet Bittner. Etwa die regelmäßigen Sitzungen der Deutschen Bischofskonferenz, die für die Bischofsfahrer immer wie ein kleines "Familientreffen" sind.

Platz 1 im Ranking um den umweltfreundlichsten Dienstwagen

Mittlerweise ist der Bischofswagen im Bistum Dresden-Meißen ein geleaster Mercedes Benz E300 Diesel Hybrid mit knapp 204 PS. Bittner holte damit vor wenigen Wochen die jährlich vergebene Trophäe der Deutschen Umwelthilfe: Platz 1 im Ranking um den umweltfreundlichsten Dienstwagen der katholischen und evangelischen Bischöfe. Bereits in den vergangenen Jahren war er mit seinem Diesel auf den vorderen "grünen Rängen".

Langeweile hat Bittner während der Vakanz nicht: Er fährt den "Interims-Chef" des Bistums, Diözesanadministrator Andreas Kutschke, und den immer noch viel gefragten Alt-Bischof Reinelt. Damit ist er vollauf ausgelastet. Im Übrigen hofft er, dass "Numero Vier" sein letzter Bischof wird - bis er 2019 in Rente geht.

Karin Wollschläger
(KNA)

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