Kardinal Woelki spricht auf der Schlussrunde des Gesprächsprozesses 2015 in Würzburg
Kardinal Woelki spricht auf der Schlussrunde des Gesprächsprozesses 2015 in Würzburg

12.02.2016

Katholische Bischöfe wollen Reformdialog fortsetzen Gemeinsam in die Zukunft

Im vergangenen Herbst fand der "Gesprächsprozess" zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland nach fünf Jahren seinen Abschluss. Schon damals hieß es: Der Dialog soll weitergehen. Nun gibt es einen Vorschlag.

Fast schon gebetsmühlenartig hatte man es bei der Deutschen Bischofskonferenz und beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wiederholt. Das Ende solle kein Schluss- sondern ein Doppelpunkt sein. Seit Freitag nun steht fest: Den Worten sollen Taten folgen. In ihrer Botschaft "zum Abschluss des überdiözesanen Gesprächsprozesses" sprechen sich die Bischöfe für regelmäßige Zusammenkünfte aus, bei denen Laien und Vertreter aus den 27 deutschen Bistümern weiter über den künftigen Kurs der katholischen Kirche diskutieren.

Treffen möglichst alle zwei Jahre

"Nach Möglichkeit" sollen diese Treffen alle zwei Jahre stattfinden und in Art und Ausrichtung dem Vorbild der Gesprächsforen des Dialogprozesses folgen. Den hatte der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, im Herbst 2010 angestoßen. Die Initiative war auf fünf Jahre angelegt und sollte nach dem wenige Monate zuvor bekanntgewordenen Missbrauchsskandal verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Unterdessen tat sich eine ganze Menge - sowohl auf orts- als auch auf weltkirchlicher Ebene: Auf Papst Benedikt XVI. aus Deutschland folgte Franziskus aus Argentinien, auf den Konferenz-Vorsitzenden Zollitsch aus Freiburg der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Nach dem Missbrauchsskandal sorgte die Affäre um den damaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und den Bau des dortigen Bischofshauses für einen neuerlichen Ansehensverlust der Kirche in Deutschland. Umgekehrt strahlte die Popularität des neuen Papstes auch auf die Wahrnehmung des Katholikentums hierzulande aus.

Bischöfe würdigen Diskussionsklima beim Dialogprozess

Dass in diesen turbulenten Zeiten Bischöfe wie Laien am Ball blieben und sich einmal im Jahr in einem Kreis von rund 300 Personen offen über kontroverse Themen wie die Diakonenweihe für Frauen oder die kirchliche Sexualmoral austauschten, bewerteten beide Seiten positiv.

Das Diskussionsklima habe sich gewandelt, halten die Bischöfe jetzt auch noch einmal in ihrer Botschaft fest: "Gespräche auf Augenhöhe" hätten den wechselseitigen Respekt "vor der Expertise und dem Engagement des Anderen" erhöht. Es habe sich gelohnt, "in diesen Prozess einzutreten".

Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht umgesetzt

Als Beispiele für bereits in Gang gesetzte Diskussionen und Reformen nennt das Papier Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht und die deutschen Positionen zum Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen, die in die Beratungen der Weltbischofssynode in Rom zu Ehe und Familie eingebracht wurden. Ein weiteres Ergebnis des Dialogprozesses sei die Selbstverpflichtung der Bischöfe, den Anteil von Frauen in kirchlichen Führungspositionen zu erhöhen.

Kritikern ist das wahlweise zu viel oder zu wenig. Die Teilnehmer der künftigen Treffens wandeln also auf einem schmalen Grat. Hinzu kommt, dass die Gespräche weiterhin keinen verbindlichen Charakter haben; eine gesamtdeutsche Synode, wie sie noch nach dem letzten Dialogtreffen im Rahmen des Gesprächsprozesses gefordert wurde, wird es vorerst nicht geben.

Zuviel interaktive Debatte

Ein anderes Problem sprechen die Bischöfe zumindest indirekt in ihrer Botschaft an. Schon jetzt finden viele Diskussionen zum Thema Kirche im freien virtuellen Raum statt, selbst ernannte und tatsächliche Fachleute drücken im Internet Debatten ihren Stempel auf, extreme Positionen scheinen dort oft mehr Gehör zu finden als gemäßigtere Stimmen.

Wie kann man dieses Publikum erreichen und einbinden? So lautet angesichts dieses Trends die Gretchenfrage mit Blick auf die anvisierten Treffen. Wichtig werde es sein, so die Bischöfe, "eine Form zu finden, die in diese Foren Menschen aus verschiedenen Altersgruppen und Lebenswelten sowie Expertinnen und Experten für die jeweilige Thematik einbezieht". Kein leichtes Unterfangen. Ob es gelingt, wird möglicherweise schon die erste Runde des Dialogs nach dem Gesprächsprozess zeigen. Ein Termin dafür steht allerdings noch nicht fest.

Joachim Heinz
(KNA)

Bischofskonferenz

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