Blick vom Kirchturm St. Lamberti in Münster
Blick vom Kirchturm St. Lamberti in Münster

28.12.2015

Die katholische Kirche in Deutschland im Jahr 2015 Licht und Schatten

Es war ein Jahr der Reformen: Die katholische Kirche in Deutschland änderte 2015 ihr Arbeitsrecht, Bistümer legten ihr Vermögen offen. Papst Franziskus allerdings beklagte eine Erosion des Glaubens in der Bundesrepublik.

Es gab Licht und Schatten. Nach turbulenten Jahren mit Missbrauchsskandal und der Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat die katholische Kirchen in Deutschland 2015 zu einer gewissen Normalität zurückgefunden. Zumindest die Stimmung ist besser geworden. Nicht nur der Franziskus-Effekt hat dazu beigetragen. Das Engagement für Flüchtlinge hat viele Gemeinden aktiviert und Bischöfe zu klaren Stellungnahmen bewegt. Dass das Erzbistum Köln im Juni die Glocken in Erinnerung an Tausende ertrunkene Flüchtlinge läuten ließ und die Beleuchtung der Dome in Köln und Erfurt wegen der Pegida-Demonstrationen abgeschaltet wurde, stieß zwar auch auf Widerspruch. Dennoch präsentierte sich die Kirche als starke moralische Instanz.

Mit Blick auf den Limburger Skandal starteten viele Bistümer eine Transparenzoffensive: Nicht nur Köln und Paderborn legten ihre Vermögen offen. Für Glaubwürdigkeit sorgte auch, dass die Bischöfe die Ergebnisse der vom Papst in Auftrag gegebenen Umfrage zu Sexualität und Familie veröffentlichten - mit dem erwartbaren Ergebnis, dass eine tiefe Kluft zwischen Lehre und dem Leben der meisten Katholiken besteht. Nicht nur der vormalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, - im November wurde der Münsteraner Thomas Sternberg zu seinem Nachfolger gewählt - zeigte sich überzeugt, dass es eine neue Gesprächskultur und neue Offenheit gibt. Wegweisend war der im Herbst zu Ende gegangene Dialogprozess, den die Bischöfe 2010 wegen des Missbrauchsskandals auf den Weg gebracht hatten.

Neues Arbeitsrecht gilt zum neuen Jahr deutschlandweit

Weithin registriert wurde auch, dass die Bischöfe mit großer Mehrheit für Reformen beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen plädierten. Bei der Synode im Oktober gab es zumindest einen Teilerfolg; der Abschlusstext öffnet Türen. Klar wurde aber ebenso, wo die Grenzen liegen: Als das ZdK im Mai für eine Segnung homosexueller Paare plädierte, sprach Kardinal Reinhard Marx ein Machtwort.

Eine leichte Öffnung bedeutet auch die Reform des kirchlichen Arbeitsrechts. Wenn Beschäftigte von Kirche und Caritas nach einer Scheidung erneut zivil heiraten oder eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingehen, soll das nur noch in Ausnahmefällen eine Kündigung nach sich ziehen. Ab 1. Januar 2016 gilt das neue Arbeitsrecht bundesweit.

Politisch machten sich Bischofskonferenz, ZdK und Verbände vor allem für den Ausbau von Hospizarbeit und Palliativmedizin sowie für ein Verbot jeder organisierten Form von Suizidbeihilfe stark. Im Konflikt mit Bundesinnenminister Thomas de Maiziere über das Kirchenasyl einigten sich beide Seiten auf eine neue Form der Zusammenarbeit: Kirchenvertreter können Einzelfälle erneut vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) überprüfen lassen. Auch personell wurden wichtige Entscheidungen getroffen: Der Bischofssitz in der Hauptstadt ist mit dem vormaligen Dresdner Bischof Heiner Koch neu besetzt. Neuer Hamburger Erzbischof wurde der frühere Kölner Generalvikar Stefan Heße.

Papst: Erosion des Glaubens

Bei allen positiven Entwicklungen lassen sich die Schatten nicht übersehen. Bei der Audienz der deutschen Bischöfe im Vatikan fand Papst Franziskus kritische Worte: Er beklagte eine "Erosion des katholischen Glaubens in Deutschland". Die im Sommer veröffentlichte Kirchenstatistik bedeutete einen Schock: 2014 erklärten 217.716 Katholiken ihren Kirchenaustritt - ein Negativ-Rekord. Ursachen waren das Drama in Limburg und ein neues Steuereinzugsverfahren auf Vermögenserträge, das bei manchen den Eindruck erweckte, als würde eine zusätzliche Kirchensteuer eingeführt.

Den Bischöfen ist klar, dass die Zahlen auch Ausdruck einer generell nachlassenden Kirchenbindung sind. Allerdings zeigen sich in der Statistik auch positive Indikatoren. So stieg der Anteil der sonntäglichen Gottesdienstbesucher erstmals wieder leicht an. Ähnliches gilt für Erstkommunionen und Eheschließungen. Denkbar, dass die Kirche zwar an ihren Rändern weiterhin Mitglieder verliert, gleichzeitig aber in ihrem Kern der Anteil der "praktizierenden Katholiken" wieder wächst.

Christoph Arens
(KNA)

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