Leipzig: Modell der Propsteikirche
Leipzig: Modell der Propsteikirche

24.04.2013

Katholiken legen Grundstein für größten Kirchenbau im Osten

Leipzigs neue Propsteikirche

Ausgerechnet im kirchenfernen Osten Deutschlands entsteht einer der größten Kirchenneubauten seit Jahren. Im domradio.de-Interview spricht Bischof Heiner Koch über dieses "Geschenk des Himmels" und die junge wachsende Gemeinde in Leipzig.

15 Millionen Euro wird Leipzigs neue Propsteikirche kosten. Die Erwartungen an das Projekt sind groß. Der Leipziger Propst Lothar Vierhock wird fast etwas schwärmerisch, wenn er an die Zukunft denkt. Ein Zeichen der Hoffnung werde in der tiefsten Diaspora gesetzt, sagt der 57-Jährige - und meint die neue Propsteikirche, für die an diesem Samstag der Grundstein gelegt wird. Mitten in der Innenstadt gegenüber dem Rathaus baut die Propsteigemeinde für 15 Millionen Euro ein neues Gotteshaus. Und das in Leipzig, in Sachsen, im Osten, wo nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung überhaupt katholisch ist.

Die Leipziger stehen mit ihrem Kirchenneubau deutschlandweit im Fokus - und zwar nicht nur, weil überall um Spenden für den Bau geworben wird. "Dass Kirchen überhaupt neu gebaut werden, ist schon selten", sagt Heiner Koch, Bischof des Bistums Dresden-Meißen, zu dem das Dekanat Leipzig gehört. Seit 2000 wurden bundesweit mehr als 200 Kirchen aus der liturgischen Nutzung genommen - "als Folge städtebaulicher Veränderungen in Gebieten mit starkem Strukturwandel", wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilt. Demgegenüber stehen gut 50 neu errichtete katholische Kirchen.

"Leipzig gilt ja als heidnischste Stadt Deutschlands, was so aber nicht stimmt", sagt Propst Vierhock. Zwar sind nur 25 000 der rund 540 000 Einwohner katholisch, aber die Propsteigemeinde sei anders als viele andere eine äußerst lebendige. "Wir sind mit einem Altersdurchschnitt von 36 Jahren eine junge Gemeinde, und wir sind eine wachsende Gemeinde." Die Leipziger profitieren vom Zuzug aus Westdeutschland, ähnlich wie Gemeinden in Chemnitz oder Dresden.

Problem sind die Landzonen

Ganz anders als in den Großstädten sieht die Lage auf dem ostdeutschen Land aus. Dort wirkt sich der demografische Wandel aus. "Unser großes Problem sind die Landzonen", sagt Bischof Koch. "Wo die Bevölkerung schwächer wird, wo junge, engagierte Leute in andere Bundesländer ziehen, verlieren wir auch Mitglieder. Ich sehe auch im Moment überhaupt noch nicht, wie man dieser Entwicklung gesamtgesellschaftlich begegnen könnte."

2011 zählte das Bistum Dresden-Meißen 140 436 Katholiken, 2005 waren es noch 146 815. Zwischen drei und neun Prozent der Bevölkerung in den Ost-Ländern sind laut Bischofskonferenz katholisch, während es etwa in Bayern 54 und im Saarland 62 Prozent sind.

Ein Grund zur Resignation ist dies für den Rheinländer Koch, der erst im März in sein Bischofsamt eingeführt wurde, jedoch nicht. Es gebe im Bistum Dresden-Meißen eine ermutigend hohe Zahl von Erwachsenentaufen, und die Katholiken in der Region seien entschiedener, verbindlicher in ihrem Glauben, sagt er. "Das empfinde ich als sehr wohltuend gegenüber mancher Tendenz etwa im Rheinland, wo man eben nun mal traditionell katholisch ist."

Ein herausragendes Projekt

Der neue Propsteikirche in Leipzig, die nach jahrzehntelanger "Verbannung" in einen grauen DDR-Betonklotz am Rande des Zentrums jetzt in den Mittelpunkt der Stadt zurückkehrt, messen alle Beteiligten eine große Bedeutung bei. "Es ist ein herausragendes Projekt, mit dem wir deutlich machen, dass unser christlicher Glaube nicht abgewirtschaftet hat, sondern ganz zielgerichtet unter die Menschen gebracht werden kann", sagt Propst Vierhock. Im Herbst 2014 soll Ostdeutschlands größter Kirchenneubau seit dem Mauerfall fertig sein.

In der sonst so diskutierfreudigen Stadt selbst wird das Projekt überwiegend positiv aufgenommen. "Der Neubau zeigt einmal mehr, dass Leipzig immer wieder für eine Überraschung gut ist", sagt SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung. "Eine neue Kirche inmitten einer vermeintlich atheistischen ostdeutschen Stadt - das war vor noch wenigen Jahren undenkbar. Jetzt wird dieser Bau Realität, die Stadt erhält an einem ihrer zentralsten Orte ein architektonisches wie auch religiöses Zentrum, das dem Leben in Leipzig gut tun wird."

Birgit Zimmermann
(dpa)